Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

01. November 2012

Sandy und die Folgen: Iran bietet USA Hilfe an

In New Jersey wurden viele Häuser verwüstet. Foto: AFP

Wie sehr Supersturm "Sandy" in den USA gewütet hat, wird erst nach und nach offenbar. Die Zahl der Opfer steigt auf 76. Nun bietet sogar der Erzfeind Iran Unterstützung an.

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Nach der verheerenden Zerstörung durch „Sandy“ suchen die Menschen in den betroffenen Gebieten den Weg zurück zur Normalität. Doch viele Schäden zeigten sich erst jetzt in ihrem Ausmaß. Überflutete U-Bahn-Tunnel in New York, massive Schäden an den Stromnetzen und zuletzt laut dem Sender CNN eine mögliche Umweltkatastrophe mit mehr als 1,1 Millionen Liter Diesel, die in New Jersey aus einem Tank ausgelaufen sein sollen. Die Zahl der Todesopfer stieg auf mindestens 76. Die Behörden rechnen mit weiteren Toten.

Wegen der Zerstörungen hat nun sogar der Iran den USA seine Hilfe angeboten - trotz der politischen Feindschaft. Der Iranische Rote Halbmond habe große Erfahrung mit Stürmen und Überschwemmungen, sagte dessen Vorsitzender Mahmud Mosafar am Mittwochabend der Nachrichtenagentur Fars.

Die Organisation stehe bereit, den Opfern in New York und anderen Städten zu helfen. Sollte die US-Regierung das Angebot annehmen, würden die iranischen Helfer umgehend nach Amerika aufbrechen. Der Iran und die USA gelten als Erzfeinde und unterhalten seit mehr als 30 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Langsamer Wiederaufbau

Die öffentlichen Verkehrsmittel in New York sollten nach dem Wüten von Supersturm „Sandy“ am Donnerstag und Freitag umsonst zur Verfügung stehen. Damit solle der Straßenverkehr entlastet werden, sagte der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo, am Mittwochabend (Ortszeit).

Drei von sieben überfluteten U-Bahn-Tunneln seien mittlerweile frei gepumpt worden, sagte der New Yorker Gouverneur. Zugleich schwor er die Menschen auf langwierigere Reparaturarbeiten ein. „Wir werden etwas Geduld und Toleranz benötigen“, sagte er.

Die Wall Street nahm mithilfe von Notstromaggregaten den Handel wieder auf. Die drei wichtigsten Flughäfen sollten am Donnerstag wieder in Betrieb gehen, nachdem am größten von ihnen, dem John F. Kennedy Airport, bereits am Mittwoch wieder eingeschränkt Flugzeuge starteten und landeten.

Rund sechs Millionen Menschen ohne Strom

Dennoch wird es wohl noch mehrere Tage dauern, bis der Alltag in der gesamten Region wieder in seinen gewohnten Bahnen verläuft. Rund sechs Millionen Menschen mussten weiterhin ohne Strom auskommen, die meisten von ihnen in New York und in New Jersey, dem am stärksten betroffenen US-Staat. Vor allem dort durchkämmten Suchmannschaften besonders schwer getroffene Gebiete nach Überlebenden. Jenseits des Hudson River warteten noch Tausende auf Hilfe.

CNN berichtete unterdessen von einem geborstenen Treibstofftank in einer Raffinerie in der Ortschaft Sewaren südlich von New York. Dort waren mehr als eine Million Liter Diesel ins Meer geflossen. Demnach waren rund hundert Arbeiter unter Aufsicht der Küstenwache im Einsatz, um das ausgelaufene Öl zu beseitigen. Genauere Angaben lagen zunächst nicht vor. Sewaren liegt an der Atlantikküste.

Sandy drückt Wachstum

Präsident Barack Obama, der für New York und Long Island den Notstand ausgerufen hatte, besuchte am Mittwoch New Jersey. Mit einem Termin mit dem republikanischen Gouverneur Chris Christie konnte sich der Amtsinhaber als überparteilicher Krisenmanager präsentieren. New Jersey könne mit langfristiger Hilfe durch die Bundesregierung rechnen, versprach Obama vor Ort.

Sandy“ könnte nach Einschätzung von Experten das ohnehin schwächelnde Wachstum der US-Wirtschaft im vierten Quartal auf bis zu ein Prozent drücken. Allerdings sind genaue Schätzungen zu den Auswirkungen des Monstersturms schwer, was sich auch an der Bandbreite der Prognosen der Fachleute zeigt.

„Wir werden wahrscheinlich einen halben Prozentpunkt im vierten Quartal verlieren“, schätzte der Wissenschaftler Peter Morici von der Universität Maryland. „Das kann das Wirtschaftswachstum auf rund ein Prozent drücken.“ Gemessen an der Gesamtlage sei ein halber Prozentpunkt eine Menge, fügte er hinzu. Zuletzt lagen die Schätzungen von Experten für das vierte Quartal im Schnitt bei einem Plus von 1,8 Prozent.

Die anfänglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft könnten gravierend sein, schrieb auch Paul Ashworth von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics in einer Analyse. Das Sturmtief zog inzwischen in Richtung Kanada weiter. (dapd/afp/rtr)

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