Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

29. Oktober 2012

Sandy wirbelt Wahlkampf durcheinander: Sandy macht Politik

 Von Damir Fras
Schnell zurück ins Weiße Haus: Obama, unbeschirmt. Foto: dapd

US-Präsident Obama und Herausforderer Romney sagen wegen des Hurrikans Sandy Wahlkampfauftritte in den umkämpften Swing States ab, der Präsident kehrt zurück nach Washington. Dort macht er, was Gerhard Schröder anno 2002 in Deutschland tat: Er gibt den obersten Katastrophenschützer.

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Wahlkämpfer sind Kontrollfreaks. Die Auftritte der Kandidaten Barack Obama und Mitt Romney im US-Wahlkampf sind auf die Minute genau geplant, nichts darf sich außerhalb des festgelegten Schemas bewegen. Doch seit dem Wochenende ist nichts mehr wie es war - der gewaltige Sturm „Sandy“ zog über den Atlantik auf die US-Ostküste zu und sollte am Montagabend auf Land treffen.

„Sandy“ könnte in den letzten Tagen vor der Wahl am 6. November die Planungen vor allem in den Bundesstaaten Ohio, Florida und Virginia durcheinander wirbeln. Diese Staaten sind sogenannte Swing States. Die Wähler sind nicht traditionell an die eine oder an die andere Partei gebunden, sondern entscheiden sich von Fall zu Fall. Grund genug für Obama und Romney, gerade in diesen Staaten die Wählerinnen und Wähler besonders zu umgarnen. Präsident wird aller Voraussicht nach nicht der Kandidat, der national die meisten Stimmen bekommt, sondern der Sieger in den stimmenstärksten Swing States. Umfragen sehen Obama und Romney auf nationaler Ebene in einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Und auch in den sogenannten Battleground States liegen der Demokrat und der Republikaner eng beieinander.

Doch aus der besonderen Behandlung der Wackelkandidaten wird wahrscheinlich wegen „Sandy“ nichts werden. US-Präsident Obama sagte schon am Sonntag einen Auftritt in Youngstown in Ohio ab, flog aber dennoch nach Orlando in Florida, wo er am Montagvormittag zu Wählerinnen und Wählern sprechen sollte. Doch am Montagmorgen sagte Obamas Sprecher Jay Carney die Veranstaltung wegen „Sandy“ ab. Obama flog zurück nach Washington, um dort sozusagen als oberster Katastrophenschützer des Landes zu wirken und Entschlossenheit zu demonstrieren. Auch Wahlkampftermine, die für Dienstag angesetzt waren, wurden gestrichen.

Obama macht es wie Schröder 2002

Wenn der Vergleich statthaft ist: Obama hat sich entschlossen, ähnlich vorzugehen wie der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) während der Oderflut im Jahr 2002, als er die Gummistiefel anzog und ins Überschwemmungsgebiet reiste. Schröders Konkurrent Edmund Stoiber von der CSU zögerte dagegen lange, persönlich an der Oder zu erscheinen. Das könnte damals zu Stoibers Wahlniederlage beigetragen haben. Auch weiß Obama genau, wie nachhaltig das Image seines Amtsvorgängers George W. Bush in der US-Öffentlichkeit beschädigt wurde, weil die Bundesbehörden im Jahr 2005 nur zaghaft auf den Hurrikan „Katrina“ reagierten, der die US-Golfküste bei New Orleans heimsuchte und fast 2000 Menschen das Leben kostete.

Um schon den Ansatz dieses Eindruckes zu vermeiden, besuchte Obama am Sonntag demonstrativ die Zentrale der nationalen Katastrophenschutzbehörde FEMA in Washington und sagte, auf allen Ebenen seien Vorbereitungen getroffen, um „schnell und in großem Stil“ auf „Sandys“ Verwüstungen zu reagieren. Obama hat in den kommenden Tagen eine schwere Aufgabe zu bewältigen: Er muss das tun, was von einem Präsidenten in Zeiten der Katastrophen erwartet wird, und gleichzeitig den wichtigsten Kampf seiner politischen Laufbahn führen - ohne dabei den Eindruck zu erwecken, er setze die Politik über die Nöte der Menschen.

Doch Obamas Konkurrent Mitt Romney hat es schwerer. Er hat kein Amt, in dem er sich als Helfer in der Not profilieren könnte. Am Sonntag konnte Romney noch Ohio Wahlkampf machen. Das ist ein besonders wichtiger Staat für den Multimillionär. Noch nie ist ein republikanischer Kandidat Präsident geworden, wenn er es nicht geschafft hat, die Wahlmänner-Stimmen aus Ohio für sich zu gewinnen. Und in den Umfragen in diesem Bundesstaat führt Obama immer noch knapp vor Romney.

Doch der Sturm, der wegen seines gewaltigen Ausmaßes von den Medien bereits als „Frankenstorm“ bezeichnet, dürfte vor allem den Reiseplan des Kandidaten in den nächsten Tagen beeinträchtigen. Romneys Berater Kevin Madden deutete bereits an, dass der Wahlkampf Pause machen könnte. Romneys Hauptsorge sei die Sicherheit der Menschen, die im Sturmgebiet lebten. Der Kandidat selbst ließ einstweilen ausrichten, er und seine Frau Ann beteten für die von „Sandy“ betroffenen Menschen.

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