Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

30. Oktober 2012

Sandy wütet: 16 Tote, AKW-Zwischenfall

Umgeknickt: Ein Baukran in Manhattan. Foto: dpa

Die Zahl der Todesopfer infolge des Wirbelsturms „Sandy“ ist auf 16 gestiegen. Im Bundesstaat New Jersey kam es in einem Atomkraftwerk zu einem Zwischenfall, weil der Pegel im Kühlwasser-Reservoir anstieg.

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Der Betreiber des alten „Oyster Creek“-Atomkraftwerks  in New Jersey hatte mit einem erhöhten Risiko offenbar gerechnet und das AKW vorsichtshalber abgeschaltet, bevor „Sandy“ auf die Küste traf. Der Sturm kam schnell als erwartet – mit Starkregen und  Sturmfluten stürzte er die Ostküste ins Chaos.

Die Todesopfer wurden aus New Jersey, New York, West Virginia, Pennsylvania und Connecticut gemeldet. Wie CNN am Dienstagmorgen meldete, traf ein Ast nach Polizeiangaben im US-Staat Pennsylvania einen achtjährigen Jungen und tötete ihn. Zuvor waren schon bei New York zwei Kinder in einem Haus von einem herabstürzenden Ast erschlagen worden. Auch in Kanada kam infolge des Sturms eine Frau ums Leben.

Auf den Süden des New Yorker Stadtteils Manhattan traf eine 4,3 Meter hohe Flutwelle. Wegen des Sturms waren in der Nacht zum Dienstag in verschiedenen Regionen mindestens 5,2 Millionen Menschen ohne Strom. Mindestens 16 Menschen kamen wegen des Sturms ums Leben, zwei davon wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen.

Bürgermeister und Gouverneure an der Ostküste wenden sich über den Kurznachrichtendienst Twitter mit eindringlichen Warnungen und Durchhalte-Parolen an die Bevölkerung: „Ich weiß, dass die Lage in New York ziemlich ernst geworden ist. Aber wir stehen das gemeinsam durch, so wie es New Yorker immer tun“, so der Bürgermeister von New York Michael Bloomberg.

In Atlantic City an der Küste des US-Staats New Jersey, wo „Sandy“ auf Land traf, wurden Teile der hölzernen Uferpromenade weggespült. Weite Teile von Manhattan lagen im Dunkeln. Betroffen seien 250.000 Haushalte, sagte ein Sprecher des Elektrizitätsversorgers. Er machte Überflutungen in Folge des Sturms sowie explodierende Transformatoren für den Stromausfall verantwortlich.

Hochwasser strömte von drei Seiten auf die Insel Manhattan. U-Bahn-Gleise, Tunnel und Straßen waren überflutet. Der Holland-Tunnel nach New Jersey und ein Tunnel zwischen Manhattan und Brooklyn waren ebenso gesperrt wie mehrere Brücken, darunter die Brooklyn Bridge.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte in einer Pressekonferenz, auch im Universitätskrankenhaus sei der Strom ausgefallen. Einsatzkräfte seien damit beschäftigt, Patienten zu verlegen. In der Stadt hätten herabstürzende Stromleitungen zahlreiche Brände ausgelöst. Zugleich sagte er, dass das Hochwasser offenbar seinen Höhepunkt überschritten habe.

Ein Baukran auf der Spitze eines Hochhauses knickte im Sturm ein, ein Teil des Auslegers schwebte gefährlich 74 Stockwerke über der Straße. Die Fassade eines viergeschossigen Hauses in Manhattan stürzte ein. Verletzt wurde niemand. In den überfluteten Straßen waren Einsatzkräfte in knallorangefarbenen Booten unterwegs. Sturmschäden wurden auch von der Insel Long Island gemeldet.

Das Nationale Hurrikanzentrum der USA hatte „Sandy“ zuvor vom Hurrikan zum Sturm herabgestuft. Dieser Schritt hatte allerdings kaum praktische Bedeutung: Nicht zuletzt wegen seines riesigen Ausmaßes hat der Sturm nichts von seiner Gefährlichkeit für die 50 Millionen Menschen im Osten des Landes verloren.

Seine Windgeschwindigkeiten erreichten zunächst noch immer bis zu 135 Kilometer pro Stunde. Betroffen waren unter anderem Metropolen wie Washington, Baltimore, Philadelphia und Boston.

Rekordverdächtige Fluten

Auf seinem Weg vom Atlantik in Richtung Festland verschmolz „Sandy“ mit einer Kaltfront, was den ehemaligen tropischen Hurrikan zu einem Megasturm werden ließ. Meteorologen warnten daher nicht nur vor Starkwind und Regen an der Ostküste, sondern auch vor mehr als sechs Meter hohen Wellen am Ufer des Michigansees in Chicago und bis zu einem Meter Schnee in West Virginia.

Gegen Mitternacht (Ortszeit) befand sich das Zentrum des Sturms in der Nähe von Philadelphia, der Wind erreichte noch immer Spitzengeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde.

Besorgniserregend war nach Angaben von Meteorologen vor allem, dass der Sturm „erstaunlich tiefen“ Druck mit sich brachte. Er habe damit enorme Energie, Wasser ins Landesinnere zu drücken. „Wir sehen die höchsten Sturmfluten, die je aufgezeichnet wurden“, sagte Jeff Masters, Direktor des privaten Wetterdienstes Weather Underground.

AKW seit 1969 in Betrieb

Für die Menschen in New Jersey, die unweit des betroffenen AKW leben, bestand nach Behördenangaben zu keiner Zeit ernsthafte Gefahr.  Das Kraftwerk war wegen des herannahenden Unwetters abgeschaltet worden.

Durch die Flutwellen und den heftigen Regen sei der Wasserspiegel in dem Reservebecken angestiegen, hieß es in der Erklärung der NRC. „Es wird erwartet, dass der Pegel in den kommenden Stunden wieder zu sinken beginnt.“ Oyster Creek ist das älteste Atomkraftwerk, das in den USA noch am Netz ist. Der Meiler war 1969 erstmals in Betrieb genommen worden.

Auch Teile Kanadas bekommen Ausläufer des Sturms zu spüren. Die Menschen in Ontario, Québec und östlich gelegener Provinzen wurden von den Behörden aufgefordert, sich auf das Unwetter vorzubereiten.

In Toronto wurde eine Frau nach Polizeiangaben von umherfliegenden Teilen tödlich getroffen.  (afp/dapd/dpa)

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