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RC Niederursel: Zum großen Glück fehlt noch ein Zelt

Beim RC Niederursel in Frankfurt reiten behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam − zumindest solange es nicht regnet oder schneit.

Im Sommer ist alles kein Problem. Direkt unter der riesigen Brücke der A5 bei Niederursel hat der Reitclub des Frankfurter Stadtteils seine Plätze fürs Ponyreiten und die Dressur. Es ist nicht leise dort, aber trocken. Auf der Anlage lernen seit mehr als zehn Jahren behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam den Umgang mit den Vierbeinern. Das Gelände ist allerdings mehr als zehn Fußminuten von den Ställen entfernt – in der dunklen Jahreszeit zu weit für die Gruppen mit körperlich, geistig und psychisch gehandicapten Reitschülern. „Wir haben zwar auch einen Reitplatz am Hof, aber der ist nicht überdacht“, berichtet Rolf Döring, der Vorsitzende des RC Niederursel.

Das Problem ließe sich lösen. „Wir brauchten ein Zeltdach; wenn schon die Hälfte des Platzes überdacht wäre, würde das reichen.“ Gesucht wird ein übliches (Fest-)Zelt mit Seitenlängen von circa 20 Metern. Etwa 30000 Euro würde es neu kosten, glaubt Döring, es könne aber gerne auch gebraucht sein. Doch es mangelt dem Verein an Geld, denn er versteht sich nicht als kommerzieller Reitbetrieb.

Spender gesucht

Die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau setzt sich seit nunmehr fast 60 Jahren für in Not geratene Sportler und Sportlerinnen ein. Dazu gehören die beiden ehemaligen Kunstturner Christel Müller und Johannes Hablik, die seit ihren schweren Sportunfällen querschnittgelähmt sind. Zudem fördert die Aktion Vereine, die sich in besonderer Weise sozial engagieren. So erhalten jedes Jahr fünf Vereine aus dem Integrations- und Behindertensport einen Zuschuss von je 2000 Euro. Zudem werden traditionell kurz vor Weihnachten, diesmal am 7. Dezember, mit dem Schlappekicker-Preis des Jahres eine oder mehrere Personen beziehungsweise ein Verein für vorbildliches soziales Engagement ausgezeichnet.

Um diese wichtigen Hilfestellungen aufrechtzuerhalten, ist die Schlappekicker-Aktion auf Spenden angewiesen. Diese können das ganze Jahr über auf das Schlappekicker-Spendenkonto bei der Postbank Frankfurt (Bankleitzahl 500 100 60, Kontonummer 7013-606) überwiesen werden. Geldgaben werden zudem im FR-Shop in Frankfurt im Depot Sachsenhausen, Karl-Gerold-Platz 1, angenommen. kat










Die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau hat dem RC Niederursel und der mit ihm verbundenen „Interessengemeinschaft Heilpädagogisches Reiten“ eine Anschubfinanzierung von 2000 Euro ermöglicht. Der Verein war einer von fünfen, die Anfang des Monats von der FR-Sportredaktion für vorbildliche Arbeit im Integrations- und Behindertensport im Rhein-Main-Gebiet ausgezeichnet wurden. „Das ist natürlich eine tolle Hilfe“, sagt der Diplom-Sonderpädagoge Döring. Ohne Zelt müsse man die Gruppen mit behinderten Kindern über den Winter schließen. Er aber möchte auch bei Regen und Schnee weiter in die glänzenden Augen der Jungen und Mädchen blicken. Für sie ist es ein besonderes Erlebnis, die Bewegungen so großer Tiere zu steuern.

Das heilpädagogische Reiten nimmt Ängste und stärkt das Selbstbewusstsein. „Es zeigen sich deutliche Auswirkungen auf Persönlichkeitsentwicklung, Lernhaltung und Fortkommen im Schulunterricht“, stellt Christine Schneider fest. Sie ist Grundstufenleiterin der Karl-Oppermann-Schule in Frankfurt, einer Schule für Lernhilfe, die seit mehr als zehn Jahren mit dem RC Niederursel kooperiert und das Reiten im Schulprogramm verankert hat. Mehr als 100 Schülern kam das schon zugute, zurzeit reiten 32 in den verschiedenen Gruppen. Vorwiegend sind es Grundstufenschüler, seit zwei Jahren gibt es aber auch eine Fortgeschrittenengruppe für höhere Klassen.

Positiv fürs Selbstwertgefühl

Die jungen Reiter machen über den Kontakt mit den Ponys „sehr intensive emotionale Erfahrungen“, sagt Christine Schneider. Nahezu alle hätten gravierende Wahrnehmungs- und Bewegungsschwierigkeiten und seien oft psychischen Belastungen ausgesetzt. Der Mehrzahl gelänge es, mit dem Reiten Schwierigkeiten zu überwinden und etwa in Sachen Raumorientierung, Körperbeherrschung und Konzentration Fortschritte zu machen. „Von Zeit zu Zeit gibt es auch Schüler, die eine natürliche Begabung für das Reiten mitbringen. Für diese Kinder haben die Erfolgserlebnisse durch das rasche Vorankommen äußerst positiven Einfluss auf das Selbstwertgefühl.“

Der RC Niederursel, der nur ehrenamtliche Übungsleiter mit Zusatzausbildung beschäftigt, versteht sich als Zusammenführer behinderter und nichtbehinderter Menschen. Das gemeinsame Interesse am Pferd bringt die Integration voran – da erklärt dann auch mal ein geistig behindertes Mädchen einer gleichaltrigen Nichtbehinderten den Umgang mit den Zügeln. Auf dem Rücken der Pferde soll bekanntlich das Glück zu Hause sein – wenn alle in Niederursel jetzt auch im Winter gemeinsam unter einem Dach entspannt reiten könnten, wäre es fast perfekt.

Autor:  Oliver Kauer-Berk
Datum:  14 | 11 | 2010
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