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Schlecker-Insolvenz
Die Schlecker-Insolvenz und die Folgen

10. August 2012

Frühere Schlecker-Mitarbeiter: Schlecker-Frauen eröffnen Dorfläden

Ein Dorfladen in Mittelfranken: Aus den Schlecker-Filialen werden Mini-Supermärkte.  Foto: dpa

Frühere Schlecker-Mitarbeiter wollen ihre Filialen übernehmen. Mit Hilfe von Verdi und der Linken wollen sie aus den Billig-Drogeriemärkten ansprechende Dorfläden machen.

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Stuttgart –  

Dorfladen statt Drogerie: Etwa 35 ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen wollen einige Läden in einer Genossenschaft weiterführen. „Wir haben in Baden-Württemberg eine ganze Reihe von Standorten identifiziert, die für eine Fortführung infrage kommen“, sagte der Landesfachbereichsleiter Handel von Verdi, Bernhard Franke. Schon in den nächsten Wochen soll es mit den ersten fünf Läden losgehen.

„Es muss relativ schnell gehen, weil sich die Kundenströme ändern können, wenn die Filialen über viele Monate leer stehen“, sagte Franke. Zudem sollten die Frauen so schnell wie möglich wieder in Lohn und Brot kommen.
Infrage kämen zum einen Filialen, die noch unter dem Namen Schlecker einen hohen Umsatz hatten. „Alleine in Baden-Württemberg gibt es über 100 Standorte, die einen Jahresumsatz von über 500.000 Euro gemacht haben“, sagte Franke. Die zweite Möglichkeit seien kleinere Standorte, die Dorfladencharakter haben und eine Stellung als Alleinversorger im ländlichen Raum einnehmen sollen.

Die Mitarbeiter wollen eine Genossenschaft gründen.
Die Mitarbeiter wollen eine Genossenschaft gründen.
 Foto: dpa

Mini-Supermärkte

Am genauen Konzept werde noch gearbeitet. Es gehe aber vom klassischen Drogeriemarktkonzept weg und eher in Richtung Mini-Supermärkte. Unterstützung holten sich Verdi und die Frauen dabei vom Unternehmensberater Wolfgang Gröll, der auf Dorfläden spezialisiert ist.
Den „Stuttgarter Nachrichten“ sagte Gröll über seine Vorstellungen vom Angebot, man müsse sich das wie ein menschliches Skelett vorstellen. „Alle Menschen tragen zwar das gleiche Knochengerüst in sich und trotzdem sieht jeder Mensch anders aus.“ Das heiße, dass jeder Dorfladen Produkte anbieten werde, die vor Ort gebraucht werden und zum Teil aus der Region kommen.

Gröll ist derzeit mit seinem Team in der Region unterwegs und prüft die Standorte. Dabei schaut er beispielsweise auf die Höhe der Miete oder die Konkurrenz in der Umgebung. „Wir haben in einer ersten Charge zehn Orte abgefahren“, sagte der Unternehmensberater der Nachrichtenagentur dapd. Insgesamt wolle er sich 30 bis 40 Standorte anschauen.

Läden brauchen Ware im Wert von 50.000 Euro

Verdi, die evangelische Betriebsseelsorge und die Linke unterstützen die Frauen finanziell und übernehmen die Kosten für die Standortanalysen, die allein mit jeweils 3.000 Euro zu Buche schlagen. Ein durchschnittlicher Laden brauche zudem Ware im Wert von 50.000 Euro, sagte Franke.
Unterstützung erhofft er sich auch vom Land. „Wir wollen auf das Wirtschaftsministerium zugehen und um Unterstützung bitten“, kündigte er an. Auch einzelne Gemeinden boten schon Hilfe an. „Ich wäre bereit, die Schlecker-Verkäuferinnen für zwei bis drei Jahre bei der Stadt anzustellen“, sagte der Bürgermeister von Eppelheim bei Heidelberg, Dieter Mörlein, den „Stuttgarter Nachrichten“. Notfalls könne er sich sogar vorstellen, vorerst die Ladenmiete für die ehemalige Schlecker-Filiale im Zentrum von Eppelheim zu übernehmen.

Die Drogeriekette mit einstmals über 8.000 Filialen hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Ein Investor ließ sich nicht finden. In der Folge verloren bundesweit über 27.000 Beschäftigte, überwiegend Frauen, ihren Job. Bei der Bundesagentur für Arbeit meldeten sich nach Auskunft eines Sprechers bislang knapp 16.000 ehemalige Beschäftigte arbeitslos. 4.600 von ihnen seien in einen neuen Job vermittelt worden.

NKD übernimmt Ihr-Platz-Filialen

Derweil übernimmt der Textildiscounter NKD 30 Filialen der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz. Die Übernahme stehe unter dem Vorbehalt, dass weder das Bundeskartellamt noch die jeweiligen Ladenvermieter der Transaktion widersprechen, teilte NKD am Donnerstag mit. Zudem will der Textildiscounter 50 Schlecker- und Schlecker XL-Geschäfte anmieten.

NKD betreibt nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 1200 Geschäfte. Insgesamt setzte das Unternehmen mit seinen Filialen in Deutschland, Italien, Kroatien, Österreich, der Schweiz, Slowenien und Polen im vergangenen Jahr 599 Millionen Euro um.

Nach dem Zusammenbruch der Drogeriekette IhrPlatz hatte Insolvenzverwalter Werner Schneider bereits Käufer für einige der Filialen gefunden. Gut 200 IhrPlatz-Filialen gingen an die zweitgrößte deutsche Drogeriemarkt-Kette Rossmann sowie die österreichische MTH Retailgroup, die in Deutschland unter anderem die Discount-Kette Mäc-Geiz betreibt. Damit standen zuletzt noch gut 250 Filialen zum Verkauf. (dapd/rtr)

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