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Schlecker-Insolvenz
Die Schlecker-Insolvenz und die Folgen

01. Februar 2012

Schlecker-Insolvenz: Fast nur Vollzeitstellen - die gute Seite Schleckers

 Von Jutta Maier
Am Ende: An diesem Samstag schließen republikweit 2200 Filialen.  Foto: dpa

Die Arbeitsplätze bei Schlecker sind besser als ihr Image. Bei der Konkurrenz erwarten die Frauen hingegen vor allem Teilzeit-Jobs, warnt die Gewerkschaft Verdi.

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Die Arbeitsplätze bei Schlecker sind besser als ihr Image. Bei der Konkurrenz erwarten die Frauen hingegen vor allem Teilzeit-Jobs, warnt die Gewerkschaft Verdi.

Schlechte Arbeitsbedingungen, Bespitzelung, durch die Hintertür eingeführte Leiharbeit: Vergangenheit bei Schlecker, aber noch in den Köpfen. Auf den ersten Blick könnte man sich also fragen, warum die Gewerkschaft Verdi nach der Insolvenz von Schlecker nun so tapfer um jeden Arbeitsplatz bei dem einst so viel gescholtenen Ehinger Drogerieunternehmen kämpfen will.

Zumal die Konkurrenten dm und Rossmann ständig Filialen eröffnen, in denen neue Jobs entstehen müssten– der Drogeriemarkt ist nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Die Spezialisierung der Arbeitskräfte ist in der Branche ist zudem nicht besonders hoch, so dass Arbeitnehmer(innen) relativ einfach den Arbeitgeber wechseln können. Vieles spräche also dafür, dass der Einzelhandel Schlecker-Angestellte, die womöglich ihren Job verlieren, auffangen kann. Schlecker-Finanzvorstand Sami Sagur verkündete am Montag schon mal, dass von den gut 6000 Filialen hierzulande mehrere 100 unprofitable geschlossen werden sollen.

„Theoretisch könnte der übrige Einzelhandel die Schlecker-Beschäftigten aufnehmen“, sagt Horst Gobrecht, Gewerkschaftssekretär bei Verdi Hessen im Fachbereich Handel. Doch die Sache sei komplizierter. Denn bei Schlecker gebe es wegen der Arbeitsorganisation in den Verkaufsstellen überdurchschnittlich viele Vollzeitstellen. So ist in beinahe jedem Markt eine Filialleiterin – im Schlecker-Sprech „Verkaufsstellenverwalterin“ – in Vollzeit beschäftigt, hinzu kommen zwei bis drei Voll- oder Teilzeitverkäuferinnen.

Viele haben ihre Jobs seit mehr als 20 Jahren. „So etwas gibt es sonst im Einzelhandel so nicht mehr“, sagt Gobrecht. Vollzeit-Beschäftigte bei Schlecker müssten nun befürchten, dass sie bei der Konkurrenz nur eine Teilzeitstelle oder gar nur einen Minijob auf 400 Euro-Basis angeboten bekommen. Dann seien sie gezwungen, sich mit mehreren Teilzeitstellen oder einer Kombination von Teilzeit- und Nebenjobs über Wasser zu halten.

"Hyperflexibilität" für Unternehmen

Die Zahlen untermauern dies: Von den rund 2,7 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel bundesweit hatte 2010 mehr als die Hälfte eine Teilzeitstelle und ein Drittel einen Minijob. Gobrecht zufolge unterlaufen viele Einzelhändler die für Teilzeit tariflich festgelegten 20 Mindestwochenstunden.

So dränge eine große Textilkette Beschäftigte zum Unterzeichnen von Erklärungen, wonach sie nur 10 Stunden arbeiten wollen. Den Unternehmen gewähre die Strategie von möglichst vielen Köpfen mit geringem Stundenkontingent "Hyperflexibilität":

Wenn etwa bei vier Teilzeitstellen eine Verkäuferin wegen Krankheit ausfällt, können die anderen drei problemlos einspringen, weil sie gerne mehr arbeiten wollen. „Die Beschäftigten werden immer in der Bedürftigkeit nach mehr Stunden gehalten, so dass sie auch unattraktive Spätschichten und Sonntagsarbeit annehmen“, so Gobrecht. Der Handelsverband HDE sieht in der Teilzeit hingegen das geeignete Instrument, um dem Kundenbedürfnis nach langen Öffnungszeiten oder Spitzen zu begegnen.

Bei Schlecker stellt sich nun die Frage, ob das Vollzeit-Modell noch Zukunft hat. In dem im Mai 2010 ausgehandelten Beschäftigungssicherungsvertrag steht, dass Filialleiterinnen geschlossener Märkte in anderen Filialen als Springer eingesetzt werden müssen. Denkbar wäre, dass eine Marktleiterin künftig für mehrere Verkaufsstellen zuständig ist, und die restliche Arbeit von Teilzeit-Kräften übernommen wird.

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