Auch der Satz „Es ist nichts mehr da“, den am Montag die Unternehmertochter Meike Schlecker aussprach und der sogleich die Runde machte, hat das Zeug zum Klassiker. Zwar geht ihm die Eigenwilligkeit anderer abschließender Bemerkungen ab: der grammatische Pfiff von „Ich habe fertig“ (Giovanni Trapattoni, 1998), der existenzielle Gehalt von „Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war“ (Heinrich von Kleist, 1811) oder der musikalische Zusatzeffekt von „Das Ende, das Ende“ (Richard Wagners Wotan, um 1850, wobei das zweite „Ende“ mit stark gedehntem Anlauf zu sprechen ist). Aber gerade aus seiner Schnörkellosigkeit zieht der Satz „Es ist nichts mehr da“ ja seinen Reiz.
Er kommt daher als Reden-wir-nicht-mehr-drum-herum-Satz. Es wird, aber das muss die Zeit weisen, eventuell schwierig sein, ihn künftig mit Blick auf die Suppenterrine noch unbefangen zu verwenden. Und es ist übrigens auch ein Satz, der aus der dritten Staffel der US-Serie „Damages“ stammen könnte. Aber da klang er völlig anders, weil die Anwältin Glenn Close ungefähr eine Folge später herausgefunden hatte, dass durchaus noch etwas da war, allerdings in Antigua.
Denn niemals bedeutet ein abschließender Satz, dass eine Geschichte zu Ende ist. Trapattoni fährt mit den Iren zur Europameisterschaft. Kleist erreichte bloß, dass sich Generationen fragten, ob er eigentlich recht damit hatte. Wagners Wotan singt direkt noch eine Weile weiter und tritt bereits am nächsten Abend wieder auf.
So sinnvoll es also wäre, den Satz „Es ist nichts mehr da“ als Devise zur Stunde zu verstehen, so sehr wird er sogleich von anderen Sätzen verwischt, verwässert und relativiert werden. Denn natürlich muss es trotzdem weitergehen. In Großbritannien etwa kommt zum 200. Geburtstag von Charles Dickens eine Zwei-Pfund-Münze auf den Markt. Darauf ist die Zeile „Something will turn up“ eingraviert, „Irgendwas wird sich schon auftun“ – das Motto des aussichtslosen Schuldenmachers Wilkins Micawber aus „David Copperfield“. Damit beweisen die Engländer, bei denen im Grunde auch nichts mehr da ist, allerdings einen Humor, der alle Nüchternheit um Längen schlägt.
Die Schlecker-Insolvenz - Welche Auswirkungen hat sie auf die Filialen und Mitarbeiter?