Mit dem Nebensächlichen hat sie noch ihre Probleme. Als Maybrit Illner am Samstagabend ihr erstes „heute-journal“ hinter sich gebracht hatte, galt es nur noch eine Klippe zu nehmen: die elegante Bewältigung des Abspanns. Der lässige Claus Kleber ist in dieser Disziplin ein Meister. Maybrit Illner dagegen steht zur Abspann-Musik steif hinter dem Moderatorenpult, das Kinn der Nachrichtensprecherin Gundula Gause entgegengereckt – und bleibt erst mal stumm. Bis sich die Kollegin ihr endlich zuwendet und das Eis bricht.
Illners Schwierigkeiten, sich gelassen von der Arbeit zu verabschieden, entspricht dem, was sie zuvor über zwanzig Minuten präsentiert hatte: eine ziemlich hochtourige Nachrichtensendung, die den Zuschauer mehr herausforderte, als man das bisher vom deutschen Nachrichten-Fernsehen gewohnt war. Maybrit Illner möchte ihr Publikum definitiv nicht auf dem Sofa abholen, kurz vor dem Zubettgehen. Eher schon will sie es am Abend noch einmal auf Trab bringen – jedenfalls gedanklich. Fast schon atemlos stürzt sich die Moderatorin nach der kurzen Begrüßung ins erste Thema; wobei sie da beginnt, wo sie am Donnerstagabend in ihrer Talksendung aufgehört hat: beim ewigen Thilo Sarrazin. Illner spricht dabei so schnell, wie man es in einer Nachrichtenmoderation in Deutschland bislang noch nicht erlebt hat.
Diese engagierte Präsentation ist nicht gerade bequem zu konsumieren. Ins Sofa zurücksinken konnte man nur, wenn Gundula Gause mit warmer Stimme am Werk war. Im direkten Vergleich wurde dann noch deutlicher, wie schnell, zuweilen atemlos Maybrit Illner unterwegs war.
Was sonst noch neu war? Selten gab es im „heute-journal“ so viel Gestik zu bestaunen. Als die rechte Hand der Moderatorin ins Bild zuckt, um mit nickendem Zeige- und Mittelfinger Anführungszeichen in die Kamera zu markieren, ist das vor allem eins: komisch. Kurz darauf erläuterte Maybrit Illner die Handlung von Carl Maria von Webers „Freischütz“. Mit Faustschütteln und grimmigem Blick. So versuchte sie tapfer gegen die Sterilität des „heute“-Nachrichtenstudios anzukämpfen – und musste doch spüren, wie ihre Anstrengungen in den Weiten des Cyber-Studios verpufften.
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