Auch Schäfchen zählen will gelernt sein – jedenfalls, wenn man zu den Schäfchen zählt. Im Traumland übt der Nachwuchs, wie man möglichst einschläfernd über Zäune springt, und sobald ein Jungschaf zu viel Energie hineinlegt, setzt es einen Rüffel: „Das muss dösiger sein!“ Derweil macht der Hausherr eine furchtbare Entdeckung: Habumar, ein zu Bösem aufgelegter Wirbelsturm, hat das Schlafsand-Säcklein geklaut und will Kindern schlimme Alpträume bringen. Um ihm die Beute wieder abzuluchsen, holt sich der Sandmann das übermütige Schlafschaf Nepomuk und einen aus der Realfilmwelt herüberspazierten Jungen.
Auch wenn der Titel „Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland“ vielen BRD-Bürgern etwas anderes verheißt, geht in dieser schönen Puppen-Animation der spitzbärtige Sandmann des DDR-Fernsehens auf Reisen. Seinen Westbruder hat er in der Gunst der Kinder locker ausgestochen, weshalb er dem sechsjährigen Miko nun den großen Auftritt überlässt. Miko soll Habumar im Traum besiegen, was gar nicht einfach ist und den Animateuren Gelegenheit gibt, in liebreizend-surrealen Einfällen zu schwelgen. Natürlich darf auch ein unter Wasser praktizierender Professor nicht fehlen, dessen Wiener Akzent ihn als Koryphäe auf dem Gebiet der Traumdeutung ausweist.
Das Land in den Wolken ist so fantasievoll animiert, die Figuren sind so hinreißend gesprochen (Ilja Richter als Habumar, Volker Lechtenbrink als Sandmann), dass die Wachwelt-Rahmenhandlung doppelt vernachlässigt erscheint. So bleibt dem Sandmann zu wünschen, dass er seine Erfolgsgeschichte auch auf der Leinwand fortschreiben kann. Vielleicht gelingt den Produzenten im zweiten Anlauf ein rundum gelungenes Vergnügen.
Das Sandmännchen, Regie: Jesper Moller, Sinem Sakaoglu, D 2009, 83 Min.