Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

14. April 2011

„Riskante und schäbige Praktiken“: US-Senat gibt Deutscher Bank Mitschuld an Krise

 Von Thorsten Schröder
So fing es an: Börsenkurse auf der ganzen Welt brechen ein. (Archiv) Foto: dpa

Über zwei Jahre haben Vertreter des US-Senats nach den Ursachen des Finanzsystems geforscht. Ihr Report greift die Deutsche Bank an. Gemeinsam mit Goldman Sachs sei sie "besorgniserregend" mit riskanten Finanzprodukten umgegangen.

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Über zwei Jahre haben Vertreter des US-Senats nach den Ursachen des Finanzsystems geforscht. Ihr Report greift die Deutsche Bank an. Gemeinsam mit Goldman Sachs sei sie "besorgniserregend" mit riskanten Finanzprodukten umgegangen.

New York –  

Die Deutsche Bank zählt zu den Finanzinstitutionen, deren „schäbige, riskante und betrügerischen Praktiken“ ein Untersuchungsbericht des US-Senats zum Zusammenbruch des Finanzmarktes anprangert.
„Der Bericht zeigt, dass die Institutionen Kunden und Öffentlichkeit bewusst getäuscht haben und dabei von ehrerbietigen Regulierern und Ratingagenturen unterstützt wurden“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, der demokratische Senator Carl Levin, am Mittwoch im Washington.

Über zwei Jahre haben Vertreter beider Parteien 6000 Dokumente und vertrauliche Mails aus der Finanzindustrie gesichtet. Laut dem 650 Seiten starken Report waren die Deutsche Bank und Goldman Sachs führend im Erstellen, Vermarkten und Verkaufen von Finanzprodukten gewesen, die zum Zusammenbruch des Finanzsystems geführt hätten.

Die Fallbeispiele von Goldman Sachs und Deutscher Bank zeigten „eine ganze Reihe besorgniserregender Praktiken“ in Bezug auf hochriskante Finanzprodukte. So habe ein früherer Mitarbeiter der Deutschen Bank bereits im August 2006 auf das Risiko sogenannter Collateralized Debt Obligations (CDOs) hingewiesen – Finanzprodukten also, die sich aus festverzinslichen Wertpapieren wie Immobilienkrediten zusammensetzen. „Diese Sachen werden uns mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um die Ohren fliegen“, hatte der Händler laut dem Bericht bei einem Treffen mit Vertretern eines Investmentfonds gesagt. In Mails habe der Deutsche Bank-Händler die Papiere als „Müll“ bezeichnet.

Als Konsequenz hätten Händler der Bank Negativwetten auf den Verlust der Papiere abgeschlossen, damit zwischen 2007 und 2008 rund 1,5 Milliarden Dollar verdient. Während Mitarbeiter auch Kunden zu Wetten gegen den Markt gedrängt hätten, habe die Bank weiter mit den Finanzprodukten gehandelt. Goldman Sachs und Deutsche Bank hätten bewusst Hypothekenkredite mit hohem Ausfallrisiko in Kreditpapieren verwendet, die sie dann an Investoren verkauft hätten. Allein die Deutsche Bank habe zwischen 2004 und 2008 CDOs im Wert von rund 32 Milliarden Dollar herausgegeben.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank sagte am Mittwoch, die Mails und Dokumente zeigten die „vielfältigen Ansichten innerhalb der Bank in Bezug auf den Häusermarkt“. Diese seien den Marktteilnehmern jedoch zu jedem Zeitpunkt auf verschiedenen Kanälen kommuniziert worden. Die Untersuchungsergebnisse sollen nun den Ermittlungsbehörden übergeben werden.

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