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Abwrackprämie wird verlängert: Wie es dem Volk gefällt

Verlängerung für die Abwrackprämie. Berlin lässt Milliarden springen. Auch wenn's von zweifelhaftem Nutzen ist - sogar für die Autobranche. Eine Analyse von Michael Bergius.


Foto: dpa

Wegen des überwältigenden Erfolgs verlängert. Jeder Kinobesitzer, jedes Schauspielhaus, jeder Biergartenpächter im Altweibersommer würde so handeln. Ein Produkt hat sich bewährt, es kommt bei den Abnehmern super an, also wird es im Sortiment gehalten.

Auch die Bundesregierung klopft sich jetzt für ihre erfolgreichen Marktbelebungsmaßnahmen kräftig auf die Schulter. Ihre Umweltprämie genannte Geschenkidee zur Ankurbelung des Autoverkaufs geht in die nächste Runde.

FR-Korrespondent Michael Bergius.
FR-Korrespondent Michael Bergius.
Foto: FR Foto

Aus dem Frühjahrsschnäppchen mit begrenzter Haltbarkeit wird ein Sommeraktionsangebot. Und - wer wollte heute dagegen wetten? - sollte sich kurz vor der Bundestagswahl neuer Bedarf ergeben, gibt's im September vielleicht noch einen Nachschlag.

Klar, die Abwrackprämie ist ein Hit: für die Verbraucher, die es immer toll finden, wenn sie etwas geschenkt bekommen; wenn es auch noch von der Regierung kommt und um des Deutschen liebstes Ding geht, umso besser!

Ihr Weg zur Abwrackprämie

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Für einige Autohersteller, denen in Zeiten von Krise, Kurzarbeit und Konsumzurückhaltung der Staat die Kundschaft zu Tausenden in die Läden treibt. Und für eine zunehmend zerriebene Koalition, die sich in einem Streich als handlungs-, einigungs- und spendierfähig präsentieren kann.

Damit hat es sich dann aber auch. Alles, was bereits zur Jahreswende bei ihrer Einführung gegen die Prämie sprach, gilt unverändert auch heute bei ihrer Fortschreibung: Subventioniert wird eine einzelne (wenn auch wichtige) Branche.

Die Leute werden mit öffentlichen Mitteln zum Ausgeben animiert (na schön), aber einseitig und damit absehbar zulasten von anderen Gütern oder Dienstleistungen, für die bald Geld fehlen dürfte.

Ja, es wird jetzt ein spektakulärer Kaufboom entfacht; aber was wird aus dem Gebrauchtwagenhandel, und was passiert spätestens im nächsten Jahr, wenn die Politik (ausnahmsweise) Kurs halten und die Alimentierung des Pkw-Absatzes tatsächlich einstellen sollte?

Nicht zu vergessen das zentrale Gegenargument, das der großkoalitionären Gönnertruppe so lange um die Ohren gehauen werden sollte, wie sie ihre Räumaktion für PS-Ladenhüter als "Umweltprämie" verbrämt: Welche ökologische Lenkungswirkung entfaltet jene Maßnahme eigentlich, die SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann als "weltweit bestes Konjunkturinstrument" preist?

1,5 Milliarden Euro waren ursprünglich veranschlagt worden, um dem Einbruch beim Autoverkauf entgegenzuwirken. Dieses Budget soll jetzt mehr als verdreifacht werden, ohne dass die (Gegen-)Finanzierung gesichert ist.

Der Staat, der an anderen Stellen kürzt und knausert, dass es nur so kracht, will insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro lockermachen, um Partikularinteressen zu bedienen und - ganz nebenbei - in Deutschland die Wegwerfgesellschaft zu fördern.

All diese Bedenken werden von Schwarz-Rot vom Tisch gewischt. Was kümmert die Union ihr ordnungspolitisches Geschwätz von gestern, wenn die SPD ein halbes Jahr vor der Wahl Punkte beim Volk zu machen droht?

Was zählt heute noch die Ansage einiger Sozialdemokraten vom Jahresbeginn, man müsse bei den Auto-Konjunkturmaßnahmen umweltmäßig nachjustieren? Nichts - und das ist nicht gut so.

Autor:  MICHAEL BERGIUS
Datum:  8 | 4 | 2009
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