Dem britischen Staatsmann Winston Churchill wird die Erkenntnis zugeschrieben, dass man keiner Statistik trauen soll, die man nicht selber gefälscht hat. Das Bonmot ist zeitlos schön. Allerdings lässt sich gar nicht nachweisen, dass es tatsächlich von dem Vollblut-Zyniker stammt. Bei anderen Churchill-Sprüchen ist das leichter. Etwa bei diesem: Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.
Heute kommen in Brüssel die Finanzminister der Euro-Zone zusammen. Morgen stoßen die übrigen EU-Kollegen dazu. Wichtigstes Thema ist die griechische Malaise. Um die Gemeinschaftswährung zu schützen, wurde vorige Woche ein Rettungsnetz für Athen geknüpft: Die EU verlangt einen strikten Sparkurs, den sie penibel überwachen will. Im Notfall würden die Euro-Staaten aber auch Geld beschaffen.
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Zurück zu gefälschten Statistiken und dem Nutzen früher Fehler: Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, der den Euro-Finanzministern vorsitzt, hat am Wochenende eingeräumt, dass die Partner eine Mitschuld tragen. Sie hätten sich in den vergangenen Jahren zu wenig mit Griechenland befasst, sagt Juncker zu Recht.
Die EU-Staaten sind aus Schaden nicht klug geworden. Griechenland gehört seit fast 30 Jahren der Gemeinschaft an. Es gilt als grauenhaft schlecht regiert. 2004 wurde bekannt, dass sich die Griechen die Euro-Teilhabe nur erschlichen hatten: Sie lieferten über Jahre hinweg gefälschte Budget-Statistiken nach Brüssel.
Das wurde auch nicht besser, nachdem der Schwindel aufgeflogen war. Genau da liegt das Problem. Die EU-Partner hätten Griechenland in diesem sensiblen Punkt bereits 2004 entmündigen müssen. Das taten sie nicht.
Das europäische Statistikamt Eurostat und die EU-Kommission erheben selbst keine Daten über die Wirtschaftslage in den Ländern, sondern greifen auf Zulieferungen der nationalen Behörden zurück. 2004 begnügten sich die EU-Staaten damit, Eurostat-Experten nach Athen zu schicken.
Die sollten den Griechen nur dabei helfen, ihre Methoden zu optimieren. Vor dem entscheidenden Schritt aber schreckt die Gemeinschaft bislang zurück: Die EU-Experten haben keine weitreichenden Prüf-Kompetenzen. Dazu müssten die Mitgliedsländer auf staatliche Souveränität verzichten.
Wie sehr sich die Griechen auch nach 2004 noch reich rechneten, lässt sich in einem aktuellen Bericht der EU-Kommission nachlesen. Darin heißt es, aufgrund neuerer Erkenntnisse müssten Athens Verschuldungs-Daten vergangener Jahre womöglich noch einmal nach oben revidiert werden.
So hätten die Griechen etwa Verbindlichkeiten von Sozialkassen und Krankenhäusern nicht korrekt abgebildet oder Geldzahlungen der Regierung an defizitäre Staatsunternehmen verschleiert.
Methodische Unzulänglichkeiten der griechischen Statistiker seien aber nur ein Teil des Problems, heißt es weiter. Der andere Teil liege in der politischen Sphäre, vor allem beim Finanzministerium und Obersten Rechnungshof. Es gebe unklare Zuständigkeiten, ein chaotisches Rechnungswesen und eine schlechte Kooperation zwischen den Ämtern.
"Die Qualität der Finanzstatistiken wird daher durch politische Einflussnahme und den Wahlkalender beeinträchtigt", schreibt die Kommission. Mit anderen Worten: Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Aber die anderen Fische haben den Duft lange ignoriert.
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