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Analyse: Deutsch-griechisches Drama

Die griechische Schuldengeschichte geht ihrem Höhepunkt entgegen, und Deutschland spielt darin womöglich eine Hauptrolle. Griechische Medien sprechen von einer "deutschen Woche". Von Gerd Höhler


Foto: Plaßmann

Die griechische Schuldengeschichte geht ihrem Höhepunkt entgegen, und Deutschland spielt darin womöglich eine Hauptrolle. Griechische Medien sprechen bereits von einer "deutschen Woche". Sie begann am Freitag mit einer Begegnung, die eigentlich geheim bleiben sollte: Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann traf sich in Athen mit Premierminister Giorgos Papandreou.

Politische Unterstützung hat der deutsche Besucher anzubieten, den Papandreou heute empfangen wird: Martin Schulz, Vorsitzender der sozialistischen Fraktion im Europaparlament. Mit gemischten Gefühlen dagegen sieht man in Athen dem ebenfalls für heute angesagten Besuch des EU-Währungskommissars Olli Rehn entgegen, der wahrscheinlich weitere Sparmaßnahmen fordert.

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Am Freitag schließlich erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel den griechischen Premier. Zudem hieß es am Wochenende in Medienberichten, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erwäge den Kauf griechischer Staatsanleihen durch die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau, was in Berlin dementiert wurde.

Den Griechen ist in jedem Fall klar, dass sie ihr Stabilisierungsprogramm noch einmal nachbessern müssen. Das gilt auch als Voraussetzung für das europäische Hilfspaket, das bei Papandreous Berlin-Besuch eingetütet werden könnte.

Das griechische Debakel mit dem Euro

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Massenstreik in Griechenland (2010)

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Die zusätzlichen Sparmaßnahmen will der Regierungschef in dieser Woche bekannt geben. Dabei dürfte es um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, höhere Abgaben auf Treibstoffe, Autos und Luxusgüter sowie weitere Abstriche bei den Gehältern im öffentlichen Dienst gehen. Selbst eine Kürzung des in Griechenland heiligen 14. Monatsgehalts ist nicht mehr tabu.

Die Vorstellung, Deutschland könnte bei der Bewältigung der Krise eine Hauptrolle spielen, behagt vielen Griechen nicht. Die Zeitung Eleftherotypia schürte Ressentiments mit der Schlagzeile "Heil Sparmaßnahmen!". Merkel wolle den Griechen "deutsche Disziplin" verordnen, schreibt das Blatt.

Eine Verbraucherschutzorganisation rief zum Boykott deutscher Produkte und Geschäfte auf. So sollen sich die Griechen für den Titel des Magazins Focus rächen, auf dem eine Statue der Liebesgöttin Aphrodite mit Stinkefinger zu sehen war. Über diesen Bericht hat sich jetzt die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung beim Presserat beschwert.

Das Verhältnis der Griechen zu Deutschland und den Deutschen ist durchaus ambivalent. Es wird geprägt von der Wertschätzung deutscher Produkte und von Sympathie, die sich nicht zuletzt auf Erfahrungen Hunderttausender aus Deutschland heimgekehrter Griechen gründet.

Andererseits ist da die dunkle Besatzungszeit. Das erklärt, warum jetzt anlässlich deutscher Medienberichte über "Pleite-Griechen", "Betrüger" und "Schuldensünder", die mit Recht als verletzend empfunden werden, sofort die aus griechischer Sicht ungelöste Reparationsfrage hochkommt.

Die Boykottaufrufe sind allerdings nicht ernst zu nehmen. Die meisten Griechen wissen: Ihr Land braucht politische Solidarität, vielleicht sogar finanzielle Garantien der EU-Partner. Und das geht nur mit Deutschland.

Die Athener Regierung ist denn auch bemüht, die Wogen zu glätten und spricht von "Missverständnissen" und "fehlgeleiteten Emotionen". Sie hofft, dass die Entrüstung nicht den Besuch Papan-dreous bei der Kanzlerin überschattet.

Autor:  Gerd Höhler
Datum:  1 | 3 | 2010
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