Da hat die Bundeskanzlerin recht. Sie behauptet in ihrer Wochenend-Videobotschaft, an den Finanzmärkten werde zu viel spekuliert. Beizupflichten ist ihr auch, wenn sie fordert, dagegen müsse etwas unternommen werden.
Wir wissen, was. Man kann sich leicht vorstellen, was der Zocker am Finanzmarkt mag: Unsicherheit, das Fehlen von klaren Ansagen und die Vermutung, dass hinter vollmundigen Ankündigungen von Politikern kein klarer Wille zum Handeln steckt. Das ist der Boden, auf dem Wetten gedeihen, ganz gleich, ob sie gegen Währungen oder hoch verschuldete Staaten abgeschlossen werden. Daraus leitet sich ab, was der Spekulant gar nicht liebt: feste Willensbekundungen, die keinen Zweifel daran lassen, dass getan wird, was gesagt wurde. Das ist ein Rezept, das Märkte ruhigzustellen vermag. Es kann der Spekulation im Falle Griechenlands Einhalt gebieten und mögliche künftige Zockerei gegen andere Eurostaaten mit Haushaltsproblemen von vornherein erschweren.
In den vergangenen Wochen haben die Eurostaaten und die Europäische Union den Weg abgesteckt - in Brüssel heißt es: "den Mechanismus installiert" -, wie dem angeschlagenen Partner Griechenland geholfen werden soll, um negative Konsequenzen von der Währungsunion abzuwenden. Als die Hellenen am Freitag darum baten, den Mechanismus in Kraft zu setzen, weil sie, früher als vom Bundesfinanzminister vermutet, Unterstützung brauchen, ließ der zuständige Währungskommissar Olli Rehn mitteilen, nun liefe "alles automatisch ab": EU-Kommission und Europäische Zentralbank beurteilen den Hilferuf und aufgrund ihres Urteils beschließen die Eurostaaten einstimmig, die Unterstützung in Gang zu setzen.
Kaum aber war das griechische Hilfeersuchen in der Welt, da begann in der deutschen Regierung eine erneute Diskussion - gerade so, als hätten die europäischen Staats- und Regierungschefs sowie deren Finanzminister nicht längst alles geregelt. Kaum ein Politiker ließ die Gelegenheit aus, in Wochenendinterviews die feststehenden Regularien in Zweifel zu ziehen. FDP- und CSU-Politiker sähen es plötzlich doch lieber, wenn die Hellenen aus der gemeinsamen Währungsunion austräten. Unsinn, kontert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von der CDU. Der Außenminister verlangt plötzlich, die Regierung in Athen müsse erst einmal ihre Hausaufgaben machen. Als sei mit ihr nicht längst ein sehr detailliertes und überaus strenges Stabilitätsprogramm vereinbart. Aber es ist Regionalwahlkampf. Deshalb ruft Guido Westerwelle (FDP) auch nach mehr Kontrollen und strengeren Regeln. Als hätten EU, die Europäische Zentralbank und nicht zuletzt der Internationale Währungsfonds in puncto Überwachung schon jetzt versagt.
Wie verunsichert die Märkte sind - klarer ausgedrückt: wie viel Spielraum für Spekulation die Zocker noch wittern -, zeigte sich schon am Freitag. Der griechische Hilferuf verringerte die verlangten Risikoaufschläge für Anleihen des Landes kaum. Die unerträgliche Wochenend-Kakophonie in Deutschland bestärkt alle Wettfreunde, dass es sich lohnt weiterzumachen.
Deshalb wird zu viel spekuliert, da hat die Bundeskanzlerin recht. Dumm nur, dass ihre Regierung alles tut, um die Spekulanten zu beflügeln.
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