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Athen in der Schuldenfalle: Steckt Griechenland ganz Europa an?

Die Situation für Griechenland und die EU wird immer gefährlicher. An den Märkten ging die Spekulation auf eine Pleite Athens gestern weiter, der Euro fiel. Ist die Krise ansteckend? Von Stephan Kaufmann

Steckt uns Griechenlands Krise an?
Steckt uns Griechenlands Krise an?
Foto: ddp

Die Situation für Griechenland und die EU wird immer gefährlicher. An den Märkten ging die Spekulation auf eine Pleite Athens gestern weiter, die Zinsen erreichten neue Höchststände, der Euro fiel. Es wird befürchtet, die Hilfsaktion von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) könnte nicht ausreichen, sich wegen deutscher Bedenken verzögern oder gar ausfallen. "Unter den aktuellen Bedingungen wird ein Zahlungsausfall Griechenlands immer wahrscheinlicher", sagte Citigroup-Chefvolkswirt Willem Buiter. Damit breitet sich die Krise zunehmend auf andere EU-Staaten aus.

Investoren befürchten, Griechenland könnte mittelfristig zu einer Umschuldung gezwungen sein - und die brächte "deutliche Verluste für die Gläubiger des Landes mit sich", warnte Buiter.

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Der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) forderte gestern erneut, eine Beteiligung der Banken an der Unterstützung Griechenlands zu prüfen. Bei ihrem Treffen mit dem IWF wolle die Unions-Fraktion das Thema Umschuldung ansprechen, hieß es. "Griechenland brennt, während Deutschland an den Bedingungen für Hilfe rumfummelt", rügte Mehernosh Engineer, Analyst bei BNP Paribas.

Der Spekulation zusätzliche Nahrung gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Griechenland könne sich nicht auf Hilfe verlassen, sondern "muss erst seine Hausaufgaben machen", sagte sie am Montag. Die Kredite für Griechenland sind unpopulär in Deutschland, laut Umfragen ist über die Hälfte der Deutschen dagegen. Und bald sind Wahlen in Nordrhein-Westfalen.

Das griechische Debakel mit dem Euro

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Ausverkauf droht

Im Falle einer Umschuldung droht ein Ausverkauf bei Anleihen anderer hoch verschuldeter EU-Staaten. Abgeschreckt durch Verluste bei ihren Griechenland-Papieren, könnten Investoren damit beginnen, die Anleihen von Portugal, Irland, Italien oder Spanien auf den Markt zu werfen. Damit sänken die Anleihekurse, spiegelbildlich zögen die Zinsen für diese Länder an. Ihnen droht dann ein griechisches Szenario. "Griechenlands Umschuldung zuerst, drei Monate später Portugal", so drückte Vermögensverwalter Stuart Thomson von Ignis Asset Management in Glasgow seine Bedenken aus. Gestern gerieten die Anleihen von Spanien und Portugal unter Druck. Die Risiko-Prämie portugiesischer Anleihen gegenüber deutschen Anleihen hat sich im laufenden Monat bereits verdoppelt. "Wir fühlen das Ansteckungsrisiko", sagte Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos. Im laufenden Jahr muss sich das Land 25 Milliarden Euro an den Märkten borgen. Doch die Zinsen steigen. Auch Irland bekomme die "griechischen Probleme" zu spüren, klagte gestern der irische Zentralbanker John Corrigan.

Wichtig für Deutschland

Während Griechenland und Italien ein Problem mit hohen Staatsschulden haben, sind es in den anderen EU-Staaten die Schulden des privaten Sektors, die anfällig für Spekulation machen. So betragen die Schulden der privaten Haushalte in Griechenland laut Bank Unicredit nur 50 Prozent der Wirtschaftsleistung. Spanien kommt auf über 80 Prozent, Portugal und Irland auf rund 100 Prozent. Dasselbe bei den Schulden der Unternehmen: Griechenlands Firmen haben Kredite über 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgehäuft. Bei Spanien sind es 140, bei Portugal und Irland sogar rund 160 Prozent. Zur Finanzierung dieser Defizite sind die Länder stark vom Kapitalzufluss aus dem Ausland abhängig. Versiegt dieser oder steigen die Zinsen, ist die Pleite nah.

Die Ausbreitung des griechischen Problems setzt nun den Euro unter Druck. Kein Wunder: Spaniens Wirtschaftsleistung ist viermal so hoch wie die Griechenlands, seine Schulden doppelt so hoch. Das Land steht bei deutschen Banken mit fast 240 Milliarden Euro in der Kreide, Italien mit 190 Milliarden, das ist dreimal mehr als im Fall Griechenland. Auch für den deutschen Export sind diese Länder unersetzlich. Spanien kaufte 2009 Waren für 31 Milliarden Euro aus Deutschland, Italien für 51 Milliarden. Griechenland orderte dagegen nur Waren über 6,7 Milliarden Euro.

Der EU läuft die Zeit davon. Bis zum 19. Mai muss sich Griechenland acht Milliarden Euro borgen. Bis dahin muss die Rettung stehen. "Wer auch immer das Drehbuch zur Griechenland-Krise geschrieben hat - ihm winkt eine glorreiche Zukunft in der Filmindustrie", sagte Marco Annunziata, Chefvolkswirt der Bank Unicredit.

Autor:  Stephan Kaufmann
Datum:  28 | 4 | 2010
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