München. Der Tag der Wahrheit für die taumelnde Hypo Real Estate (HRE) rückt näher. Bis Ende des Monats will das Institut das Katastrophenjahr 2008 bilanzieren und wird dabei einen so hohen Milliardenverlust ausweisen, dass die Banklizenz gefährdet ist, befürchten Finanzexperten.
Am 24. April will die Bank den Abschluss im Aufsichtsrat beraten und fünf Tage später veröffentlichen. Ein Sprecher der HRE wollte das weder bestätigen noch dementieren. Zum Ausmaß der Verluste verwies er auf die Situation Ende September 2008. Zu diesem Zeitpunkt hatte der marode Baufinanzierer bereits gut drei Milliarden Euro Defizit angehäuft.
Bei anderen Instituten war das Abschlussquartal 2008 das bei weitem verlustträchtigste. Experten rechnen vor, dass die Kernkapitalquote der HRE - bei roten Zahlen in mehrfacher Milliardenhöhe - unter das gesetzliche Minimum rutscht und die Bankenaufsicht Bafin gezwungen werde, den dortigen Bankbetrieb einzustellen.
Vernichtende Kettenreaktion muss verhindert werden
Nur eine Kapitalspritze in Höhe von rund zehn Milliarden Euro könnte das wohl verhindern. Die kann nach Lage der Dinge nur vom Bund kommen, der damit erstmals gezwungen wäre, nicht nur per Garantien für die systemrelevante Bank einzustehen, sondern direkt Geld an sie zu überweisen.
Ende März stehen zudem bereits gegebene Bundesgarantien im Umfang von 35 Milliarden Euro zur Verlängerung an. Insider halten ein solches Fortschreiben der Summe für eine Formalie. Ansonsten drohe die Pleite der Bank, die unter allen Umständen verhindert werden soll, um nicht vernichtende Kettenreaktionen wie im Fall der US-Bank Lehman auszulösen.
Das Institut, das an der Börse noch mit rund 160 Millionen Euro bewertet wird, hat vom Bund und der heimischen Finanzwirtschaft bislang insgesamt 102 Milliarden Euro an Garantien und Krediten erhalten. Was den Zeitdruck für eine endgültige Rettung anbetrifft, sehen Kenner der Szene die Lage relativ entspannt.
"Niemand wird eine Insolvenz provozieren"
Das Sagen habe in der Sache die Bundesregierung. Deshalb bestehe hinsichtlich aller sonst üblichen Fristen politischer Spielraum. "Niemand wird eine Insolvenz provozieren, nur weil ein Stichtag überschritten wird", betont ein Insider. Das gelte auch für die Bafin. Was die Stunde geschlagen habe, sei allen Beteiligten auch in der Politik klar.
Die Gefahr, dass die Causa HRE in den Bundestagswahlkampf gezerrt wird und doch in der Pleite mündet, sei nahe null. Das gelte auch für die politisch umstrittene Frage einer Enteignung von HRE-Großaktionär JC Flowers.
Dieser hält mit Partnern rund ein Viertel an der HRE, will seine Anteile bislang nur gegen eine hohe Abfindung an den Bund abtreten. Andernfalls droht er mit einer Klage. Der Bund wiederum will die Bank möglichst komplett kontrollieren, bevor er per Kapitalspritze dem Grauen ein teueres, aber mutmaßlich positives Ende bereitet.
Plant der Staat eine überdimensionale Kapitalspritze?
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plant, das für den März zur Verabschiedung anstehende Enteignungsgesetz durch einen Passus über "eingeschränkte Insolvenz" zu ergänzen. So könnte eine Enteignung doch noch vermieden und die Bank dennoch zeitlich befristet durch den Staat kontrolliert werden.
Eine dritte Möglichkeit wäre, eine Kapitalspritze des Staats so groß zu dimensionieren, dass bestehende Aktionäre zu verschwindenden Minderheitsaktionären degradiert werden, sagen Experten. Noch ist der genaue Pfad zur Rettung des Instituts also offen. Daran, dass der Staat das Sagen übernimmt und dafür mehrere Milliarden in die HRE pumpt, führt aber kein Weg vorbei.
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