Vorsicht, ihr Optimisten: Das Gespenst einer lang anhaltenden Stagnation ist längst noch nicht verbannt. Ausdrücklich warnt die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) davor, dass der Kampf von Regierungen und Notenbanken gegen die schwerste Krise seit Jahrzehnten scheitern könnte. Der Erfolg sei keineswegs garantiert, sondern einen "offene Frage", heißt es im Jahresbericht der BIZ.
Sorgen bereitet den Bankern vor allem der geringe Fortschritt bei der Lösung der strukturellen Probleme im Finanzsektor. Dafür, dass sich die Kreditvergabe wieder normalisieren könne, lägen noch immer zu viele faule Papiere bei den Banken. Und die BIZ ist nicht irgendeine Simme im großen Chor der Finanzbranche: Es handelt sich vielmehr um das wichtigste Forum von 55 Notenbanken und Währungsbehörden, die Bank der Zentralbanken.
Erst kippen die Banken - dann wackelt die Weltwirtschaft. Nun wird die Finanzbranche umgebaut. Analysen und Kommentare, Fotostrecken und Abstimmungen im neuen Spezial: Banken im Umbruch.
"Der Finanzsektor muss schrumpfen, denn er ist zu groß geworden. Wenn die Probleme im Finanzsystem nicht überwunden werden, besteht das Risiko, dass die beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen nur vorübergehend Wirkung zeigen und letztlich verpuffen", sagt BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana.
Das Horrorszenario der Baseler Ökonomen sieht so aus: Eine ausgedehnte Stagnationsphase untergräbt die Glaubwürdigkeit der beschlossenen Maßnahmen, beispielsweise der Konjunkturpakete. Für die Regierungen wird es schwieriger, Anleihen zu platzieren. Die Finanzierungskosten der Staaten steigen und zwingen viele Regierungen dazu, ihre Ausgaben stark zu kürzen oder die Steuern entsprechend zu erhöhen.
Rosarote Zeiten nicht in Sicht
Unabhängig davon, wie schnell die Krise bewältigt werden kann, prophezeit die BIZ den Banken und ihren Kunden schwierige Zeiten: "Auf kurze Sicht werden die die Finanzinstitute ihre Aktivitäten einschränken müssen, weil sie weniger Kapital aufbringen können." Die gestiegenen Anforderungen an die Eigenkapitalquoten der Banken würden zugleich dazu führen, "dass die Ertragsziele der Finanzinstitute auf weniger ambitionierte Niveaus heruntergeschraubt werden müssen".
Erstaunlich deutlich fordern die Fachleute einen radikalen Kurswechsel der Zentralbanken, um künftige Krisen möglichst klein zu halten. "Um das Finanzsystem stabilisieren zu können, müssen die Zentralbanken aktiver vorgehen und sowohl Kredit- also auch Vermögenspreisbooms bekämpfen", heißt es in dem Bericht. Die Finanzkrise habe deutlich gemacht, "dass es letztlich zu kostspielig ist, wenn sich die Zentralbanken allein auf die Inflationssteuerung über einen relativ kurzen Zeithorizont konzentrieren und sich darauf beschränken, nach dem Platzen der Blasen und dem Einbruch der Kreditvergabe ,Aufräumarbeiten' zu leisten."
In seltener Klarheit merken die Fachleute zudem an, dass die Aufsichtsbehörden weltweit - dazu zählen die nationalen Notenbanken - die Abhängigkeit der Banken untereinander unterschätzt hätten. Die Kontrollgremien sollten besser eine "systemorientierte Perspektive" einnehmen. "Wenn der Stabilität des Finanzsystems ebenso viel Gewicht beigemessen wird wie der Solidität jedes einzelnen Instituts, würde dies die Wahrscheinlichkeit gleichzeitiger Ausfälle mindern", heißt es dazu in dem Bericht.
Die Verflechtung und Größe der Banken gelten bei der BIZ als zentrale Ursachen der prekären aktuellen Lage. "Großbanken sowie Banken, die systemweiten Schocks stärker ausgesetzt sind, tragen überproportional stark zum Systemrisiko bei", urteilen die Fachleute.
Der von ihnen skizzierte Ausweg sieht so aus: Die Eigenkapitalanforderungen an die Banken und ihre Risikovorsorge müssten an ihrer Gefahr für das Finanzsystem ausgerichtet werden. mit rtr
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