Bundesbank und Bafin könnten im Fall der Hypo Real Estate Ermittlungen wegen Irreführung der Aktionäre drohen. Wussten deren Chefs schon früh über die Finanzlücke Bescheid? Von A. Schüddemage
Bundesbank-Präsident Axel Weber weist den Vorwurf der Irreführung zurück.
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Bundesbank-Präsident Axel Weber weist den Vorwurf der Irreführung zurück.
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Es herrscht Verwunderung bei Deutschlands höchsten Bankenaufsehern - wird ihnen doch vorgeworfen, sie hätten Aktionäre und Öffentlichkeit über das Ausmaß der nötigen Rettungskredite für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) wissentlich getäuscht. Die Behauptung des Obmanns der Linksfraktion im HRE-Untersuchungsausschuss, Axel Troost, "entbehrt jeder Grundlage und ist rechtlich unhaltbar", ließen Bundesbank-Präsident Axel Weber und Bafin-Präsident Jochen Sanio in einer gemeinsamen Erklärung wissen.
Zuvor hatten die Kritiker der HRE-Rettungsaktion, bei der am Morgen des 29. September 2008 das Institut durch einen 35 Milliarden Euro schweren Notkredit vor der Pleite bewahrt worden war, gefordert, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den alten HRE-Vorstand wegen Irreführung der Aktionäre über die Höhe der nötigen Finanzhilfen auch auf Weber und Sanio auszudehnen.
Endspurt
Der Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Vorgänge um die Fast-Pleite der inzwischen staatlichen HRE steht vor einem spektakulären Schlussakkord. Am Mittwoch werden der Wirtschaftsberater der Kanzlerin, Jens Weidmann, sowie Finanzstaatsekretär Jörg Asmussen gehört. Ihn hat die Opposition schon vor Wochen zum vermeintlich Hauptschuldigen auf Regierungsseite erkoren. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ist am Donnerstag dran. Nach diesen entscheidenden Anhörungen werden die Lager ihr Fazit ziehen.
Steinbrück wies bereits am Sonntag den Vorwurf zurück, sein Haus habe im vergangenen Jahr frühzeitige Hinweise auf die sich anbahnende Beinahe-Pleite des Immobilienfinanzierers HRE in den Wind geschlagen. Er sagte in der ARD-Sendung Anne Will, bis weit in den September 2008 hinein sei ausweislich der Berichte der Bankenaufsicht nicht davon auszugehen gewesen, dass die Bank in Liquiditätsprobleme komme.
Rückendeckung erhielt Steinbrück von der Kanzlerin. "Wir haben mit einer Entscheidung bis zum letzten Moment gewartet", sagte Angela Merkel (CDU) dem Nachrichtenmagazin Focus. "Da war ich mir übrigens mit Finanzminister Peer Steinbrück in der Verhandlungsführung sehr einig." Merkel betonte zudem: "Ich wollte eine ausgewogenere Lastenverteilung, also dass die privaten Banken mehr Geld zur Rettung der HRE beisteuern - und die Steuerzahler weniger."
"Die Aktionäre und die Öffentlichkeit sind getäuscht worden, und das auf Anweisung der Herren Sanio und Weber", sagte Troost. Das ergebe sich aus Unterlagen der Münchner Justiz. Auch der FDP-Ausschussvertreter, Volker Wissing, sagte, die Staatsanwaltschaft werde derartige Ermittlungen prüfen müssen.
Konzerne - die größten Geldvernichter weltweit
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Konzerne - die größten Geldvernichter weltweit
Platz 19: Mizuho. Japans zweitgrößte Bank will durch die Ausgabe neuer Aktien bis zu fünf Milliarden. Euro einsammeln - das reicht gerade für den 2008er Verlust von 5,8 Milliarden Dollar.
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Platz 18.: Flextronics. Das einstige Startup-Unternehmen der IT-Branche ("Xbox") hat mit 6,1 Milliarden den höchsten Branchen-Verlust.
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Platz 17: Lyondell Basell. Der drittgrößte Petrochemiekonzern, der überwiegend dem Russen Len Blawatnik gehört, erwägt angesichts von 7,3 Milliarden Verlust die Flucht in die Insolvenz
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Platz 16: Bayerische Landesbank. Die zweite im Münchner Duo Infernale ist mit 2008er Zahlen von minus 7,4 Milliarden Dollar ebenfalls nur mit einem Teil des Gesamtschadens erfasst.
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Platz 15: Credit Suisse. Eine Schweizer Bank-Bilanz, die mit 7,6 Milliarden Verlust mehr Löcher aufweist als jeder Emmentaler.
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Platz 14: Alcatel: Auf den Stahlboom folgt die Stahlflaute. Das verschafft den Franzosen 7,6 Milliarden Miese.
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Platz 13: Hitachi. Auch die Japaner lernen in der Krise, was es heißt, mehr auszugeben als einzunehmen. 7,8 Milliarden fehlen den Söhnen Nippons.
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Platz 12: HRE. Die deutschen Farben in der Hitliste der Kapitalvernichter vertritt - wie könnte es anders sein - auch Hypo Real Estate. Die gelisteten rund acht Milliarden Verlust im Jahr 2008 stellen aber allenfalls die Spitze des Eisbergs dar.
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Platz 11: Delta Airlines. Mit 8,9 Milliarden Defizit fliegen die Amerikaner eine scharfe Kurve zurück. Fast die Hälfte vom Umsatz geht flöten.
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Platz 10: Pemex. Auch der mexikanische Staatskonzern kann von den Schwankungen am Rohöl-Weltmarkt nicht profitieren. Mit gut zehn Milliarden Miesen gehört er zu den Top-Ten-Losern.
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Platz 9: Time Warner. Die Ehe mit dem Internet-Anbieter AOL bekommt dem größten Medienkonzern offenbar nicht gut - 1 3,4 Milliarden Verlust ist fast ein Viertel des Umsatzes.
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Platz 8: HBOS. Die Verluste der britischen Bank in Höhe von 13,8 Milliarden Dollar macht das Traditionshaus reif für eine Übernahme durch den Konkurrenten Lloyds.
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Platz 7: Ford. Die Krise der Spritfresser im Straßenverkehr macht auch vor der Nummer zwei des angeschlagenen US-Autokartells nicht halt. Mit 14,7 Milliarden Miesen schaffen die Detroiter nur halb so viel wie Nachbar GM.
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Platz 6: Conoco Philips. Der Jet unter den Ölkonzernen gehört zwar zusammen mit fünf anderen Petro-Riesen zu den Spitzenreitern der Umsatzstärksten. Doch während Exxon, Shell und BP die höchsten Profite aller Unternehmen verbuchen, bringen es die Jet-Leute auf beachtliche 17 Milliarden Verlust.
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Platz 5: UBS. Die sonst so soliden Schweizer schaffen es, rote Zahlen in Höhe von 19,3 Milliarden Dollar anzuhäufen. Als Landeplatz für Steuerflüchtlinge hat sich die Bank diskreditiert.
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Platz 4: Citigroup. Das Flaggschiff des US-Finanzkapitals hat mit 27,7 Milliarden Minus Aussichten, beim krisenbedingten "Schiffe versenken" vorne mit dabei zu sein.
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Platz 3: General Motors. Die Fortune-Liste der größten Konzerne spiegelt den Absturz des einst umsatzstärksten Konzerns der Welt wider: Von Platz eins auf mittlerweile Platz 18. Aber zumindest bei den größten Staatskonzernen und bei den führenden "money losern" mischt GM mit 30,8 Milliarden Miesen noch vorne mit.
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Platz 2: Royal Bank of Scotland. Auch der monarchistische Name des 1727 gegründeten Instituts schützt nicht vor Verlusten in Höhe von 43,2 Milliarden Dollar. Da helfen die Kreditkarten nichts mehr, die der Finanzdienstleister vertreibt.
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Platz 1: Fannie Mae. Entstanden ist der Name aus der Abkürzung Federal National Mortgage Association, FNMA. Die weltweit größte Hypothekenbank wird 2008 mit 58,7 Milliarden Dollar Verlust Weltmeister unter den Kapitalvernichtern. Das erst 1968 privatisierte Institut ist einer der größten Verstaatlichungsfälle - und somit auch mit das größte Fiasko aller Unternehmensprivatisierungen.
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Platz 21: Die Fluglinie United Airlines fliegt dem Konkurrenten Delta nach in die Verlustzone (4;9 Milliarden).
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Platz 22: Dexia Gruppe. Auch die Brüsseler Bank braucht Staatshilfe. Ihr fehlen 2008 rund 4,9 Milliarden.
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Platz 23: Macy's. Der traditionsreiche US-Warenhauskonzern verkauft durch die Krise deutlich weniger. Per Saldo fehlen 4,8 Milliarden.
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Platz 24: Coca Cola. Rote Zahlen auch mit der braunen Limonade. 4,4 Milliarden sind für den Getränke-Multi auch kein Pappenstiel.
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Platz 25: Toyota. Auf der Überholspur ziehen die japanischen Autobauer an GM vorbei an die Branchenspitze. Das Überholmanöver beschert ihnen 4,4 Milliarden Miese.
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Platz 26: Motorola. Im Boom der 90er Jahre lag der Handy-Hersteller voll im Trend. Jetzt sorgt der harte Wettbewerb für 4,3 Milliarden Verlust.
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Platz 27: KfW. Im Jahr 2007 sorgte die Fast-Pleite der Tochter IKB noch für einen dritten Platz bei den Verlierern. 2008 stehen die Frankfurter noch mit 3,8 Milliarden in der Verlustliste - halb so viel wie 2007.
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Platz 28: CPC. Der taiwanesische Ölkonzern kann im Spiel der Öl-Multis nicht mithalten - und baut 3,8 Milliarden Verlust auf.
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Platz 29: Panasonic. Mit billigen Handys, Fernsehern oder Videokameras kommt der Konzern in jedermanns Haushalt. Doch die Niedrigpreisstrategie beschert rote Zahlen (3,8 Milliarden).
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Platz 30: Sumitomo Mitsui. Der japanische Mischkonzern hat in seiner Heimat fast überall die Finger drin - das kostet ihn ein Defizit von 3,8 Milliarden.
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Platz 32: Allianz. Die deutsche Versicherung verliert 3,5 Milliarden Dollar.
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Platz 35: LBBW. Die Landesbank Baden-Württemberg macht 2,9 Milliarden Dollar Verlust.
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Platz 45: Deutsche Post. Auch Briefe austragen kann verlustreich sein: Die Deutsche Post verliert 2,4 Milliarden Dollar.
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Platz 49: DZ-Bank. Und noch ein deutsches Kreditinstitut: Die DZ-Bank verliert insgesamt mehr als 1,7 Milliarden Dollar.
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Das US-Fachmagazin Fortune hat die größten Miese-Macher aus dem Jahr 2008 ermittelt. Wir stellen sie vor - von Platz 20 bis 1 - und dann weitere hintere Plätze.
Platz 20: Deutsche Bank. Der hiesige Bankbranchenführer ist zwar längst wieder aus den roten Zahlen. Der Verlust von 5,6 Milliarden Dollar dürfte aber noch für einige Jahre zum steuersenkenden Verlustvortrag reichen.
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Hintergrund ist laut Tagesspiegel die Ad-hoc-Mitteilung, mit der die HRE an besagtem Morgen kundgetan hatte, die Bank habe einen Kredit "in ausreichender Höhe" bekommen. Das war, wie wir heute wissen, falsch. Denn bereits vier Tage später musste ein zweites Paket mit weiteren Krediten in Höhe von 15 Milliarden Euro geschnürt werden. Später kamen Garantien hinzu, bis sich der Bund als Bürge für mehr als 90 Milliarden Euro wiederfand und sich zur Verstaatlichung der maroden Bank gezwungen sah.
Das Problem an der Sache ist aber nicht, dass es so kam wie es kam, sondern, dass der damalige HRE-Vorstand und - so Troost und Wissing - auch Weber und Sanio womöglich wussten, dass ein weit höherer Absicherungsbedarf bestand. Denn laut Tagesspiegel soll der Münchner Niederlassung der Bundesbank eine Woche vor der Sitzung im September der Refinanzierungsbedarf der HRE mitgeteilt worden sein. Dieser habe bis Ende 2008 104,6 Milliarden Euro betragen. Das belegten Akten der Bafin und mit diesem Wissen hätten Weber und Sanio den Wortlaut der Ad-hoc-Mitteilung vorgegeben und für ihre Behörden eine fast gleich lautende Erklärung abgegeben.
Offenbar landete aber die Aufstellung zum Finanzbedarf nie bei den staatlichen Rettern: Die gemeinsame Erklärung sei "auf der Grundlage des damaligen Wissensstandes" der beiden Präsidenten erfolgt, heißt es in der Mitteilung vom Sonntag. Der Betrag von 35 Milliarden, "beruhte auf Angaben des HRE-Vorstandes und Stress-Annahmen, die sich aus den seinerzeit herrschenden extremen Marktverhältnissen ergaben". Und auch bei der Staatsanwaltschaft in München reagierte man gelassen. Ein Sprecher sagte, seine Behörde kommentiere die Auffassungen von Mitgliedern des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses nicht.