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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

11. September 2012

Commerzbank-Studie: Banker warnt vor Blase

 Von 
Deutschland droht die „italienische Währungsunion“.  Foto: dpa

Die EU steuere in eine „italienische Währungsunion“ mit höherer Inflation und Euro-Abwertung, warnt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Kramer. Zunächst werde sich das für Deutschland sehr gut anfühlen. Aber irgendwann platze die Blase.

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Berlin –  

Dem Chefvolkswirten der Commerzbank ist eine schöne Wortschöpfung gelungen. Jörg Kramer spricht von der "italienischen Währungsunion", um die Entwicklung der Eurozone in den nächsten Jahren zu beschreiben. Wo vor allem Deutschland einst eisern auf Geldwertstabilität und Wettbewerbsfähigkeit pochte, erwartet er eine dauerhafte Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, verbunden mit höherer Inflation und einem geringeren Außenwert des Euros.

"Diese 'italienische Währungsunion' wird sich für Deutschland zunächst sehr gut anfühlen", schrieb Kramer in einem Beitrag, den die Commerzbank kurz vor dem entscheidenden ESM-Urteil des Bundesverfassungsgerichts veröffentlichte. "Aber langfristig senkt sie die Qualität der Wirtschaftspolitik und unterminiert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen." In fünf, vielleicht auch erst in zehn Jahren, werde die deutsche Wirtschaft überheizen und dann abstürzen.

Am Ende wird es teuer

Immerhin, mit einem baldigen Ende der Währungsunion rechnet Kramer nicht. Der Rettungsschirm ESM und die Staatsanleihekäufe der EZB würden das Risiko eines Zerfalls bannen. Sobald dies klar sei, würden die für Deutschland viel zu niedrigen Zinsen der EZB das Wachstum hierzulande anfachen. Bereits ab Mitte 2013 könnte die deutsche Wirtschaft wieder kräftig zulegen. Es sei vorstellbar, dass die Zahl der Arbeitslosen in einigen Jahren unter zwei Millionen liege. Die Folge seien steigende Löhne, Renten und Immobilienpreise.

Doch was sich so gut anfühle, werde Deutschland am Ende teuer zu stehen kommen, warnte der Ökonom. Die 'italienische Währungsunion' werde die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unterhöhlen. Die Reformen des Arbeitsmarktes unter Kanzler Gerhard Schröder würden immer weiter rückgängig gemacht. Außerdem ermunterten die Politiker die Gewerkschaften, kräftige Lohnerhöhungen durchzusetzen.

"Sichtbar wird das Ganze erst, wenn die durch niedrige EZB-Zinsen angefachte deutsche Wirtschaft überhitzt und anschließend einbricht", schrieb Kramer. Das Beispiel der Immobilienblase in Spanien zeige, wie viele Jahre vergehen könnten, bevor eine solche Blase platze. "Aber das Beispiel Spaniens lehrt, wie schmerzhaft ein solcher Absturz ist und wie langsam sich eine Volkswirtschaft davon erholt."

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