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Deregulierung: So sprachen sie vor der Krise

Bundeskanzlerin Angela Merkel findet sich mit einem Index-Wert von 70,8 Prozent zwischen den beiden Unions-Ministerpräsidenten Roland Koch (75 Prozent) und Christian Wulff (66,7 Prozent). Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (ebenfalls CDU) hingegen rangiert mit 33,3 Prozent weit hinter SPD-Finanzminister Peer Steinbrück.

Erwartungsgemäß am Ende der Skala liegt Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine mit einem Wert von null Prozent. Ebenfalls keine Deregulierungsforderung ließ sich bei dem früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Beck und der Grünen-Chefin Claudia Roth finden.

Doch die vehementesten Deregulierungsbefürworter sitzen nach der Studie nicht in Deutschlands Parlamenten oder an Deutschlands Kabinettstischen, sondern in den wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten.

Die sechs Chefs der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute erreichten allesamt einen Index-Wert von 100 Prozent. Die Mitglieder des Sachverständigenrates erreichen bis auf eine Ausnahme allesamt 87,5 Prozent. Die einzige Ausnahme ist Peter Bofinger, der mit 62,5 Prozent weit unter dem Durchschnitt der Ökonomen von 92 Prozent rangiert.

Werte in der Größenordnung von 100 Prozent oder knapp darunter sind bedenklich, weil sie darauf hindeuten, dass in allen Politikfeldern weniger Staat gefordert wurde. Da wir heute wissen, dass zumindest auf den Finanzmärkten etwas mehr Regeln wohl besser gewesen wären, deutet dies auf ein gewisses pauschales "Deregulierungs-Vorurteil" der Experten hin.

Denkbar ist natürlich, dass dieser Wert verzerrt sind, weil Journalisten nur das Aufschreiben, was sie hören möchten. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn etwa beteuerte bei der Vorstellung seines neuesten Buches "Kasino-Kapitalismus" in Berlin, dass er schon häufiger vor Fehlregulierungen im Bankensystem gewarnt habe, Journalisten diese Warnung aber nicht aufgegriffen hätten.

Das mag stimmen die Frage ist allerdings, ob die Medien diese Aussagen auch dann ignoriert hätten, wenn Sinn sie mit ähnlicher Verve in Talkshows und Publikationen vorgetragen hätte wie seinerzeit seine Thesen von der "Basarökonomie Deutschland", nach der Deutschlands Wirtschaft unter massiven Problemen bei der Wettbewerbsfähigkeit leidet.

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2 von 2
Autor:  Sebastian Dullien
Datum:  10 | 7 | 2009
Seiten:  1 2
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