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29. Dezember 2010

Deutsche Bank: Die gefährlichste Bank der Welt

 Von Robert von Heusinger
Ein Turm, der niemals in Wanken geraten darf: Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt.  Foto: dapd

Ein nicht für die Öffentlichkeit gedachtes Ranking führt die Deutsche Bank als das Geldinstitut mit der höchsten Systemrelevanz weltweit. Das ist nicht unbedingt eine positive Auszeichnung.

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Wow, die Sensations-Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft reißen nicht ab. Die Superstar-Economy, wie die hiesige international nur noch genannt wird, stellt nun auch noch die wichtigste Bank der Welt. Diesen Titel verlieh die japanische Finanzaufsicht der Deutschen Bank. Erst auf den Plätzen folgen die US-Investmentbank Goldman Sachs sowie die US-Großbank JP Morgan Chase.

Auf den ersten Blick kann man diese Platzierung als Auszeichnung interpretieren. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hat sein Institut auch im Investmentbanking so globalisiert, dass es keine andere Bank gibt, die für das weltweite Finanzsystem relevanter ist. Er hat seinen Worten, aus der Deutschen eine der führenden Investmentbanken zu machen, Taten folgen lassen.

Bei der Finanzierung von globalen Handelsströmen dagegen spielte die Deutsche Bank schon seit den späten 60ern ganz vorne mit. Doch nach der Liberalisierungswelle in den 80er Jahren und damit einhergehend dem Aufstieg der US-Investmentbanken zu den neuen Herren des Universums, geriet sie ins Hintertreffen. Nun also ist sie ganz oben.

Steuerzahler muss es schaudern

Wer den zweiten Blick bevorzugt und noch dazu Steuerzahler in Deutschland ist, den muss es schaudern: Der darf glatt wichtigste Bank mit gefährlichste übersetzen. Und er liegt richtig. Denn die Fragestellung, die der Rangliste zugrunde lag, lautete: Der Kollaps welcher Bank hätte aus Sicht der japanischen Regulierer die gravierendsten Folgen für das weltweite Finanzsystem?

Und spätestens seit Lehman, IKB oder HRE wissen die Steuerzahler: Je relevanter die Bank, desto sicherer ihre Rettung. Und ziehen wir die Theorie des moralischen Risikos zurate, die besagt, dass Manager von Instituten, die auf jeden Fall gerettet werden, riskanter handeln als andere, dann öffnen uns die Japaner die Augen: Die Risikobereitschaft dürfte in den Frankfurter Banktürmen am höchsten auf der Welt sein.

Und weil diese Gefahr besteht, melden bis Mitte 2011 alle nationalen Behörden ihre Ranglisten nach Basel, wo sich die Bankenaufseher regelmäßig treffen. Dass die japanische Liste publik wurde, ist dem Zufall beziehungsweise der Recherche der japanischen Tageszeitung „Mainichi“ zu verdanken.

Interne Liste durch Journalisten aufgedeckt

Deshalb wollte auch weder die Bundesbank als Bankenaufseher noch die Deutsche Bank dazu etwas sagen. Interne Dokumente kommentiere man nicht. Wenn die aggregierte Liste vorliegt, erstellt das Finanzstabilitätsgremium FSB die definitive Liste von etwa 30 international systemrelevanten Banken.

Diese Banken müssen 2019 dann mehr Eigenkapital als Puffer für neue Krisen vorhalten als die nicht systemrelevanten Banken. Wie hoch der Puffer ausfallen wird, darüber wird noch diskutiert. Bislang ist die Rede von einem Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die dann erforderlichen sieben Prozent hartes Eigenkapital – gemessen an den riskanten Wertpapieren.

Doch es steht jedem Aufseher frei, seine Banken so streng wie aus seiner Sicht nötig zu regulieren. Die Schweizer haben davon schon Gebrauch gemacht und schreiben künftig den besonders gefährlichen Banken, der UBS und der CS Group, bis zu 19 Prozent Eigenkapital vor. Das wäre auch für die Deutsche Bank kein schlechter Puffer.

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