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Deutschland: Profit aus der Krise

Gegen die Rettung der Schuldenmacher in Europa wettert der deutsche Stammtisch gerne - doch die Schuldenprobleme in Südeuropa halten Kredite billig: Deutschland profitiert von der Krise, weil sie den Euro niedrig hält.

Frisch geprägte Euros (Archivbild)
Frisch geprägte Euros (Archivbild)
Foto: dpa
Frankfurt –  

Deutschland ist der Zahlmeister Europas. Faule – oder höflich: lebenslustige – Südeuropäer haben das Geld zum Fenster rausgeschmissen, jetzt wollen sie mit Milliarden gerettet werden und saugen uns das Blut aus den Adern. So weit der Stammtisch. Doch zeigt ein Blick auf die Zahlen: Die deutsche Wirtschaft, bei allen Risiken, profitiert von der Euro-Krise.

Dabei geht es nicht nur um den Zinsgewinn, den die Hilfskredite für Griechenland, Portugal und Irland einspielen. Schließlich nimmt die Bundesregierung das Geld ja nicht dem vielzitierten Steuerzahler weg, sondern borgt es sich an den Märkten zu niedrigen Zinsen und verleiht es zu höheren Strafzinsen an die Krisenstaaten weiter. Die Zinsdifferenz sackt der deutsche Fiskus ein – solange die Schuldner zahlen.

Auch gesamtökonomisch sind die Finanzierungsprobleme einiger Euro-Länder ein gutes Geschäft für Deutschland. Denn das sorgt für niedrige Zinsen, also für billige Kredite hierzulande. So hält die Europäische Zentralbank (EZB) aus Rücksicht auf die Krisenstaaten die Leitzinsen bislang niedrig. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt derzeit bei 1,25 Prozent. Das ist angesichts des Wirtschaftsbooms in Deutschland extrem niedrig. Laut Commerzbank wäre für die deutsche Konjunktur ein Leitzins von 3,0 Prozent angemessen. „Die für Deutschland viel zu expansive EZB-Politik spricht dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft vermutlich auf Jahre besser entwickeln wird als der Rest des Euroraums“, so die Commerzbanker.

Der zinsdrückende Effekt der Krise zeigt sich auch am Anleihemarkt. Dort gelten Bundesanleihen als sicherer Hafen. Investoren kaufen die deutschen Schuldscheine in der Hoffnung auf Sicherheit oder in der Hoffnung auf eine Aufwertung der deutschen Währung, sollte die Euro-Zone an ihren Problemen zerbrechen. Angeheizt wird die Nachfrage nach Bundespapieren durch Fluchtgelder aus Südeuropa. So meldete die griechische Zentralbank, zwischen Januar 2010 und April 2011 seien die privaten Geldeinlagen bei griechischen Banken um 31 Milliarden Euro gesunken. Ein Teil davon dürfte nach Deutschland emigriert sein.

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Niedrige Zinsen

Folge: Die Bundesregierung findet leicht Geldgeber. Gestern borgte sie sich vier Milliarden Euro an den Finanzmärkten zu einem Zins von nur 3,04 Prozent. Zum Vergleich: Im Aufschwung 2006/07 musste der Bund den Anlegern noch fast vier Prozent Zins zahlen, im Boom 1999/2000 sogar mehr als fünf Prozent. Heute ist frisches Geld dank Krise billiger. Das freut die Bundesregierung. Denn ein Prozentpunkt weniger Zins bedeutet bei vier Milliarden Euro Kredit eine Zinsersparnis von 40 Millionen Euro. Da Staatsanleihen in einem Land als Maßstab für Darlehen an den Privatsektor dienen, profitieren auch die deutschen Unternehmen – vor allem die Banken – von der günstigen Finanzierung des Bundes.

Und schließlich hat die Krise auch dafür gesorgt, dass der Euro trotz Aufschwung und eigentlich schwachem Dollar nicht gestiegen ist. Im Verhältnis zu Deutschlands wichtigsten Handelspartnern ist sein Kurs seit Ende 2009 sogar um mehr als zehn Prozent gefallen. Das freut die deutschen Exporteure. Man muss sich aus deutscher Sicht nicht über die Krise freuen. Doch hat sei einige angenehme Nebeneffekte.

Autor:  Stephan Kaufmann
Datum:  25 | 5 | 2011
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