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Dicke Bonuszahlen: Die Finanzkrise scheint vergessen

"Die Branche ist wieder da" - Banken schütten offenbar Boni-Zahlungen wie lange nicht mehr aus. Ausnahme: Deutschland.

Auch die Manager der Deutschen Bank dürfen sich über dicke Boni-Zahlungen freuen...
Auch die Manager der Deutschen Bank dürfen sich über dicke Boni-Zahlungen freuen...
Foto: dapd
New York/London –  

An der Wall Street hat die schönste Zeit des Jahres begonnen. Jedenfalls für die Finanzprofis der Investmentbanken, die in diesen Tagen ihre Bonuszahlungen erhalten. Die offizielle Statistik, die der New Yorker Rechnungshof alljährlich erstellt, ist noch nicht veröffentlicht. Nach dem, was Brancheninsider erzählen, kassieren die Banker schon wieder, als ob in den vergangenen Jahren nichts geschehen wäre.

„Die Boni steigen wieder, 2010 war für Investmentbanker besser als das Vorjahr“, sagt etwa Jeanne E. Branthover, die als Headhunterin der Personalberatung Boyden auf die Vermittlung von Kapitalmarktexperten spezialisiert ist. „Die Branche ist wieder da.“

Doch obwohl es in den USA zum guten Ton gehört, öffentlich über die Höhe seines Gehalts zu plaudern, dringt bislang wenig konkretes über die diesjährigen Bonuszahlungen nach außen. Die öffentliche Schelte, die sich die Banker nach der mit Steuergeld finanzierten Bankenrettung gefallen lassen mussten, hat offenbar Spuren hinterlassen. James Gorman, Chef der Großbank Morgan Stanley soll in einer internen Sitzung mit Führungskräften gedroht haben, jeden, der vor Journalisten auch nur das kleinste Detail über die Höhe der Vergütungen preisgibt, persönlich nach draußen zu geleiten.

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Im Stillen zahlen die Banken jedoch offensichtlich so viel wie lange nicht. Nach Recherchen der New York Times etwa überweist Goldman Sachs in diesem Jahr 17,5 Milliarden Dollar an variablen Gehaltsbestandteilen. Das ist fast so viel wie vor der Krise: 2007 summierten sich die Boni auf 20,2 Milliarden. Immerhin konnte sich das Haus dazu durchringen, die Auszahlung zeitlich zu strecken. Da setze sich branchenweit durch, sagt Headhunterin Branthover.

Auch in London steigen die Boni wieder. Ein Jahr, nachdem die inzwischen abgewählte Mitte-Links-Regierung den Finanzprofis der nur mit Steuergeld am Leben gehaltenen Investmentbanken mit einer Strafsteuer auf Boni den Spaß verdarb, sprudeln die variablen Anteile offenbar wieder kräftig. Barclays-Chef Bob Diamond, der seine Banker-Kollegen zum Ende der Reue aufrief, kassiert für 2010 angeblich einen Bonus von bis zu acht Millionen Pfund (9,3 Millionen Euro). Stephen Hesters, Chef der in der Krise verstaatlichten Royal Bank of Scotland, soll 2,5 Millionen Pfund erhalten.

In Deutschland stellt sich die Situation etwas anders dar. Zumindest die Institute, die den Bankenrettungsfonds anzapfen mussten, sind gesetzlich zu einer Deckelung der Gehälter auf 500.000 Euro im Jahr verpflichtet. Commerzbank, Hypo Real Estate und die meisten Landesbanken können sich daher keine Boni-Exzesse erlauben. Lediglich die Deutschen Bank, deren Investmentbanking in London angesiedelt ist, kann in diesem Punkt mit den angelsächsischen Wettbewerbern mithalten. Die Chancen auf hohe Boni stehen wohl gut, nachdem sich Vorstandschef Joseph Ackermann in Davos zuversichtlich zeigte, dass das Institut die eigenen Ziele erreicht.

Vielleicht noch ernüchternder als die absolute Höhe der Boni ist die Form der Vergütung. Nach Angaben einer Sprecherin des New Yorker Rechnungshofes zahlen die Banken Boni verstärkt nicht mehr in bar, sondern als Aktienoptionen aus. Genau diese Vergütungsform identifiziert der Bericht der US-Regierung jedoch als Mitverursacher der Finanzkrise. Sie hätten den Anreiz gesetzt, Deals durch die Aufnahme zusätzlicher Schulden künstlich aufzublähen, was am Ende das Debakel vervielfachte.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  27 | 1 | 2011
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