Busan. Der Ärger begann für die Deutschen schon vor der Konferenz von Busan. Als die Finanzbeamten das erste Mal in der südkoreanischen Hafenstadt aufwachten, fanden sie in ihrem Hotelzimmer eine einheimische Zeitung mit der großen, in Englisch verfassten Überschrift: "Wichtigste Aufgabe - eine Lösung für die Euro-Krise".
Für richtigen Verdruss sorgte ein Brief, den US-Finanzminister Timothy Geithner ebenfalls vor dem Gipfel an alle G20-Kollegen verschickte. Darin drängt er die Bundesregierung, beim Defizitabbau nicht zu übertreiben. Es sei nötig, dass die US-Verbraucher stärker sparen, belehrt Geithner die Deutschen über weltwirtschaftliche Zusammenhänge.
Dieser Nachfrageausfall müsse kompensiert werden durch stärkere Importe Japans und Chinas, aber auch der "europäischen Überschussländer". Plural hin oder her - jeder weiß, dass damit nur ein Land gemeint ist. Als einer der drei Staaten mit gewaltigen Exportüberschüssen soll die Bundesrepublik für einen Ausgleich sorgen, wenn die Vereinigten Staaten auf die Bremse treten. Doch die Deutschen wollen nicht. Sie möchten hart und schnell sparen - wie Griechenland, Spanien, Portugal, Italien... Das nährt international die Sorge vor einem Konjunkturabsturz in Europa.
Die Forderung aus Washington ist nicht neu. Aber musste Geithner kurz vor Busan einen Brief an alle G20-Staaten verschicken? Dieser diplomatische Affront zeigt, wie stark die Deutschen unter Druck stehen. "Der Brief ist nur geschrieben worden, damit die internationale Presse die Botschaft veröffentlicht", meinte ein deutscher Beamter.
Schäuble reagierte mit Unverständnis. Es seien doch die hohen Defizite gewesen, die erst die Krise ausgelöst hätten, meinte er. Doch die Kritiker geben keine Ruhe. In drei Wochen sollen sich die Staats- und Regierungschefs der G20 in Kanada mit einem Bericht beschäftigen, in dem der Internationale Währungsfonds die Vorwürfe an Berlin stützt.
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