Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

31. August 2012

Euro-Austritt Griechenland: "Grexit", Risiko hoch drei

 Von Grit Beecken
Über das Ende des Euros in Griechenland wird weiter diskutiert. Foto: imago stock&people

Ein Euro-Austritt Griechenlands wird nach wie vor diskutiert. Dabei birgt der "Grexit" massive Risiken. Darauf haben jetzt auch die UN hingewiesen. Das Ausmaß kann niemand ermessen. Sicher ist nur: Es wird viel schlimmer als die Pleite von Lehman Brothers.

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Ein Euro-Austritt Griechenlands wird nach wie vor diskutiert. Dabei birgt der "Grexit" massive Risiken. Darauf haben jetzt auch die UN hingewiesen. Das Ausmaß kann niemand ermessen. Sicher ist nur: Es wird viel schlimmer als die Pleite von Lehman Brothers.

Sollte Griechenland die Euro-Zone verlassen, droht Europa nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) ein drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit – im Schnitt der 17 Staaten würde sie auf 13 Prozent steigen. Das sagte der Chef der UN-Prognoseabteilung für Arbeit, Ekkehard Ernst, der „Süddeutschen Zeitung“. Das wären fast drei Punkte mehr als Ende vergangenen Jahres. In Deutschland würde die Arbeitslosenquote 2014 im Vergleich zu 2011 um gut 26 Prozent auf neun Prozent zulegen und über Jahre auf diesem hohen Niveau verharren. Frankreich müsste annähernd 17 Prozent Arbeitslosigkeit fürchten. Besonders Jugendliche seien betroffen.

Diese Zahlen sollten den letzten verbleibenden Befürwortern eines Grexit zu denken geben. Obwohl  Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler in dieser Hinsicht ruhiger geworden ist, scheint er die Risiken gering zu schätzen. Erst am Donnerstag bekräftigte, ein Austritt des hoch verschuldeten Landes habe seinen Schrecken verloren. Tatsächlich aber kann Europa sich dieses Risiko nicht leisten, schließlich ist Griechenland bei weitem nicht das einzige angeschlagene Land in der Währungsunion.

Katastrophe für die Jugend

Nach den UN-Berechnungen wäre der Grexit für die Krisenstaaten Spanien und Portugal besonders dramatisch. Spanien müsse in diesem Szenario für das Jahr 2014 mit einer Arbeitslosenquote von 27,7 Prozent rechnen. Die Jugendarbeitslosigkeit würde sogar auf 51,3 Prozent steigen. Auch in Portugal werde die Zahl der Job-Suchenden im Vergleich zum Jahr 2011 um gut sechs Prozent höher liegen, sagte Ernst. Wie sollen sich Länder mit solchen Arbeitslosenzahlen jemals wirtschaftlich regenerieren?

Zumal sich viele Investoren in diesem Fall entweder komplett aus der Euro-Zone verabschieden dürften oder aber noch höhere Risikoaufschläge von Anleihen der Krisenländer fordern als ohnehin schon. Sicher ist: Sie werden sich fragen, welches Land die Union als nächstes verlässt. Ein Ausscheiden Griechenlands wäre ein Dammbruch.

Ein teurer Dammbruch, finanziell wie sozial: Das Auseinanderbrechen der Eurozone wäre „eine Katastrophe für die europäische Jugend“, sagt UN-Experte Ernst. Darauf sollte es kein Staatenlenker ankommen lassen. Schließlich haben alle Krisenländer großen Reformwillen bewiesen und ihre massiven Sparmaßnahmen zeigen Wirkung. Wenn jetzt noch das EZB-Anleihenkaufprogramm die Wirtschaft über niedrigere Zinsen ankurbeln kann, könnte Europa auf einem guten Weg zum Erfolg sein. Diese Chance sollten wir uns nicht verbauen.

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