Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

10. Dezember 2012

Euro-Krise: Angst an den Märkten

 Von Grit Beecken
Im Fahrwasser der Krise mussten spanische Anleihen ebenfalls Kursverluste hinnehmen. Foto: dpa

Die Sorgen um Italien, das seinen sparsamen Premierminister zu verlieren droht und das Anleihenrückkaufprogramm Griechenlands belasten Anleihen und Aktien.

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Für Investoren ist die neue Woche denkbar schlecht gestartet. Italien droht seinen sparsamen Premierminister zu verlieren, Griechenland könnte das wichtige Anleihenrückkaufprogramm misslingen und die französische Wirtschaft schrumpft.
Aber der Reihe nach: Am Wochenende hat Italiens Regierungschef Mario Monti seinen Rücktritt angekündigt. Es mangele eindeutig an politischer Unterstützung, moniert der Mann, der von den Märkten wegen seiner wirtschaftlichen Expertise und seinem Sparwillen geschätzt wird. So hat er unter anderem eine Schuldenbremse auf den Weg gebracht, die 2014 für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen soll, und umfangreiche Arbeitsmarktreformen in Angriff genommen.

Stattdessen könnte nun der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurückkommen. Er will bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr kandidieren. Seine Partei hatte die Monti-Regierung gleich zweimal bei wichtigen Vertrauensabstimmungen zum Wachstumspakt boykottiert und gilt nicht grade als Musterbeispiel in Sachen Sparsamkeit.

"Reformpolitik muss fortgesetzt werden"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat Italien eindringlich davor gewarnt, den eingeschlagenen Reformkurs wieder abzubrechen. „Die Reformpolitik muss fortgesetzt werden, denn sonst ist die Gefahr groß, dass Italien, aber auch Europa insgesamt wieder in einen Strudel hineingeraten können“, sagte er. Auch der Chef des Euro-Rettungsfonds, Klaus Regling, ist besorgt: „Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Griechische Staatsanleihen
Griechische Staatsanleihen
Foto: FR/BLZ

Tatsächlich begann am Montagvormittag ein Ausverkauf italienischer Staatsanleihen. Die Kurse gerieten dadurch massiv unter Druck. Im Gegenzug legte die Rendite zu. Das ist bei Staatsanleihen ein Gesetz: Je stärker die Kurse sinken, desto höher klettern die Renditen.

Anleger flüchteten auch aus Aktien, der italienische Leitindex brach ein. Gleichzeitig stiegen die Kosten für eine Absicherung vor einem Zahlungsausfall. Die Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Staatsanleihen verteuerte sich um 33.000 auf 288.000 Euro. „Das ganze ist definitiv ein Rückschritt für Italien“, sagt Eugen Keller, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Griechische Gefahren

Unterdessen ist das griechische Anleihenrückkaufprogramm bislang erfolglos. Bis zum Fristende am vergangenen Freitag wurden der Regierung nach Angaben von EU-Vertretern lediglich Anleihen im Nennwert von 26,5 Milliarden Euro angedient. Jetzt muss die Lücke zum Ziel-Volumen von 30 Milliarden Euro gefüllt werden.

Italienische Staatsanleihen
Italienische Staatsanleihen
Foto: FR/BLZ

Die Frist ist daher um eineinhalb Werktage bis heute um 12 Uhr verlängert worden. In Athen gibt man sich zuversichtlich, dass das Ziel erreicht wird. Die Kurse griechischer Staatsanleihen stiegen daraufhin weiter, die Renditen gaben nach. Ein Restrisiko bleibt aber. Und wenn der Rückkauf nicht gelingt, wird die nächste Hilfstranche nicht ausgezahlt.

Im Fahrwasser der Krise mussten spanische Anleihen ebenfalls Kursverluste hinnehmen. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatstitel stieg etwa halb so stark wie in Italien auf bis zu 5,6 Prozent. Der Risikoaufschlag zu deutschen Staatsanleihen kletterte auf 4,3 Prozentpunkte. Auch Frankreich lieferte Anlass zu neuen Sorgen: Die Notenbank sagt der Wirtschaft für das vierte Quartal ein Schrumpfen voraus. Der Rückgang werde 0,1 Prozent betragen. (Mit rtr., afp)

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