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Eurokrise: Banken-Rettung, die zweite

Warum europäische Institute drei Jahre nach der Lehman-Pleite schon wieder mit Steuergeld gestützt werden müssen.

Mit Frust und Feuer: Gestern haben die Griechen mit landesweiten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert – am Rande auch mit Gewalt.
Mit Frust und Feuer: Gestern haben die Griechen mit landesweiten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert – am Rande auch mit Gewalt.
Foto: rtr
Frankfurt –  

Mit der Beinahe-Pleite des belgisch-französischen Kommunalfinanzierers Dexia ist die Eurokrise von der Peripherie nach Kerneuropa geschwappt. Nun endlich sehen die europäischen Finanzminister nach Angaben von EU-Währungskommissar Olli Rehn die Notwendigkeit, die Kapitalausstattung der europäischen Banken zu verbessern, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Aber halt, war da nicht etwas? Kaum drei Jahre sind vergangen, seit Rettungspakete für die Banken geschnürt wurden. Wir erklären, wieso die Geldhäuser schon wieder klamm sind.

Warum müssen die Banken jetzt schon wieder gerettet werden?

Die Kapitalausstattung der europäischen Banken hat sich nach der Finanzkrise zwar deutlich verbessert. Waren 2008 noch Kapitalquoten von deutlich unter sieben Prozent der risikogewichteten Aktiva möglich, lag die durchschnittliche Kapitalquote Ende 2010 immerhin bei knapp neun Prozent. In Deutschland stieg die durchschnittliche Quote der großen Banken von 8,4 Prozent sogar auf über zehn Prozent. Dazu hat neben Staatshilfen auch der Druck der Märkte beigetragen. Da nach dem Bankrott der US-Bank Lehman Brothers die Angst vor weiteren Bankenpleiten umging, wurde die bis dato weitgehend unbeachtet Kapitalausstattung für Investoren plötzlich zu einer der wichtigsten Kennziffern. Um Aktionäre und Anleiheninvestoren für sich zu gewinnen, fuhren viele Banken riskante Geschäfte zurück und legten einen Teil ihrer Gewinne als Risikopuffer zurück. Doch noch immer ist der Puffer offenbar nicht groß genug, um einen Schock wie die mögliche Pleite eines Euro-Mitglieds abzufedern – das zeigt der Fall Dexia.

Weshalb trifft die Eurokrise eine Bank, die in Belgien und Frankreich Kommunalkredite finanziert?

Wie alle europäischen Banken hat auch Dexia einen großen Teil ihres Eigenkapitals und ihrer Liquidität in europäische Staatsanleihen investiert. Vor allem aus Belgien und Frankreich, aber eben auch aus Griechenland. Vor gar nicht allzu langer Zeit galt das noch nicht als riskante Geldanlage, weil man eine Staatspleite innerhalb der Eurozone für ein Ding der Unmöglichkeit hielt. In der Zwischenzeit hätte sich Dexia zwar von den Papieren trennen können, doch dadurch hätte das Institut Verluste realisiert, die ebenfalls Löcher in die Bilanz gerissen hätten.

Was hat die Dexia-Krise mit unseren Banken in Deutschland zu tun?

Dexia ist wie gesagt nicht die einzige Bank, die griechische Staatsanleihen besitzt. Auch die deutschen Banken sind dabei. So hat etwa die Commerzbank Hellas-Anleihen im Wert von 2,9 Milliarden Euro gekauft, die Deutsche Bank rund 1,7 Milliarden, die Landesbank Baden-Württemberg 1,4 Milliarden und die genossenschaftliche DZ Bank 1,2 Milliarden. Auch hier drohen im Falle einer griechischen Staatspleite riesige Abschreibungen, die möglicherweise nicht durch Eigenkapital gedeckt sind.

Würde es nicht ausreichen, die Banken mit besonders vielen Hellas-Anleihen zu rekapitalisieren?

Eher nicht. Denn der Fall Dexia zeigt ja auch, wie eng verwoben die Euro-Mitgliedstaaten und ihre Finanzsektoren bereits sind. Bis jetzt haben Frankreich und Belgien bloß versprochen, dass sie das Institut mit Staatsgarantien vor der Pleite schützen würden. Doch wenn das nicht reicht und das Institut eine Finanzspritze benötigt, sind auch die Länderratings in Gefahr. Das würde eine Kettenreaktion auslösen. Zum einen würde es für die beiden Länder teurer, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen – schlimmstenfalls würde die Liste der Euro-Wackelkandidaten noch länger. Zum anderen würden sich die Probleme der Banken verschärfen. Besonders betroffen wären die belgischen und die französischen Großbanken. Aber auch deutsche, spanische und niederländische Geldhäuser haben belgische und französische Staatsanleihen gekauft. Gegen diese Ansteckungsgefahr kann nur eine umfassende Rekapitalisierung aller relevanten Banken in Europa helfen.

Und was halten die Banken davon?

Wenig. Zwar steht besonders den südeuropäischen Geldhäusern das Wasser bis zum Hals. Ohne die Europäische Zentralbank, die ihnen unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellt, wären viele bereits zusammengebrochen. Doch Steuergeld kann es nicht ohne Gegenleistung geben, das wissen auch die Banken. Deshalb fürchten sie um ihre Eigenständigkeit, ihre unternehmerische Gestaltungsfreiraum und nicht zuletzt um ihre üppigen Boni. Wie schon 2008 werden sich die Banken mit Händen und Füßen gegen eine staatliche Zwangsbeglückung wehren. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonte die deutsche Kreditwirtschaft gestern, dass eine Reaktivierung des deutschen Bankenrettungsfonds nicht notwendig sei.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  6 | 10 | 2011
Kommentare:  1
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