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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

02. März 2014

Eurokrise: Union der Armen

 Von  und 
Millionen Europäer warten auf Arbeit.  Foto: rtr

19,2 Millionen Menschen in der Euro-Zone sind arbeitslos. Sie sollen wohl als Opfer hingenommen werden, auf dass die Finanzmärkte wieder florieren. Eine Bestandsaufnahme des Leids.

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An den Finanzmärkten ist die Euro-Krise abgehakt. Die Aktienkurse steigen, Stimmungsindikatoren klettern bergauf. Selbst die Wirtschaft wächst wieder leicht. Europas Politiker beglückwünschen sich gegenseitig zu ihrer Politik der „schmerzhaften Reformen“. Doch während an den Märkten wieder Optimismus herrscht, hält der Schmerz anderenorts: bei den Menschen. Denn die Reformen schmerzen nicht überall gleich.

Ausgangspunkt der Euro-Krise war ein Vertrauensverlust der Anleger. Globale Finanzkrise, Bankenrettung und Konjunkturpakete hatten die Staatsschulden in die Höhe getrieben. Daraufhin entzogen die Investoren einigen Euro-Ländern ihr Vertrauen, liehen ihnen kein Geld mehr oder nur zu extrem hohen Zinsen. Das führte zu zwei Gefahren: Erstens drohten Staatspleiten. Und mit ihnen war zweitens der billionenschwere Finanzreichtum gefährdet, der in Staatsanleihen angelegt ist. Das gesamte Bankensystem stand im Feuer.

Sozialausgaben gestrichen

Zur Rettung ihrer Kreditwürdigkeit und ihres Finanzsystems haben viele Euro-Staaten massive Spar- und Reformpakete aufgelegt. Treibende Kräfte hinter dieser Strategie waren zum einen die Regierungen der „Kern-Euro-Zone“ – vor allem die deutsche; zum anderen die Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank.

Vielfach gegen den Widerstand der Bürger wurden Sozialausgaben gestrichen, Renten gekürzt, Bildungs- und Gesundheitsetats gekappt und Hunderttausende Beschäftigte entlassen. Zudem wurde der Konsum durch Mehrwertsteuererhöhungen verteuert. So wurden die Haushaltsdefizite trotz Rezession gesenkt.

Zweites Standbein der Strategie war mehr Wettbewerbsfähigkeit durch Senken der Lohnstückkosten. Um dies zu erreichen, wurde der Mindestlohn gesenkt, in Griechenland um fast ein Viertel. Portugal strich drei Feiertage. Im öffentlichen Sektor kam es in Südeuropa zu Gehaltskürzungen zwischen fünf und 30 Prozent. Durch neue Arbeitsmarkt-Gesetze wurden die Gewerkschaften geschwächt.

Folge: Der reale Lohn – also abzüglich Inflation – fiel zwischen 2010 und 2014 laut dem gewerkschaftsnahen WSI-Institut in Irland und Spanien um durchschnittlich sieben Prozent, in Portugal um acht, in Zypern um 20 und in Griechenland um fast 25 Prozent.

Krise dauert an

Die Krise dauert an: 19,2 Millionen Menschen in der Euro-Zone sind derzeit offiziell arbeitslos – zusammen würden sie die fünftgrößte Nation der Währungsunion bilden. Die Armen leiden am meisten unter der Sparpolitik. Das unterstreicht auch der IWF in einer neuen Studie über die Verteilungseffekte von Sparprogrammen.

Sein Schluss: Phasen „fiskalischer Konsolidierung erhöhen die Ungleichheit mittelfristig deutlich“. Gleichzeitig ist ihre „negative Wirkung auf Löhne sehr viel stärker als auf Unternehmensgewinne, Finanz- oder Immobilienvermögen“.

Wenn Staaten sparen, müssen alle den Gürtel enger schnallen. Aber nicht alle gleich eng.

Vier Länder im Überblick

Italien:

Griechenland:

Portugal:

Spanien:

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