Ein Urlaubsland bereitet kein Vergnügen mehr. Griechenland macht Stress. An den Märkten lässt sich daher mit Hellas nur noch ein, wer für den Kontakt mit dem europäischen Schmuddelkind belohnt wird.
Die Renditeaufschläge für Staatsanleihen des südosteuropäischen Landes kletterten am Freitag erneut in schwindelerregende Höhen. Der Zinsaufschlag bei den zehnjährigen Bonds zu den vergleichbaren deutschen Bundesanleihen lag am Freitag bei rund 380 Basispunkten, also 3,8 Prozent. Da ist es kein Wunder, wenn die Regierung in Athen 30 Prozent ihrer Steuereinnahmen allein für Zinsen ausgeben muss.
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Doch Griechenland ist nicht das einzige Mitglied der europäischen Währungsunion, dass aktuell deftige Risikoaufschläge hinnehmen muss, um Investoren zu gewinnen. Rund ums Mittelmeer sitzen die Sorgenkinder Brüssels verteilt. So wie die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China als Bric-Staaten bezeichnet werden, geht an manchen Händlertischen schon das böse Wort von den Pigs (englisch: Schweine) um: Portugal, Italien, Griechenland und Spanien.
Die Schuldenstaaten müssen an den Märkten dafür büßen, dass sie als unsichere Kantonisten gelten. Spanien und Italien zahlen daher eine um gut 90 Basispunkte höhere Rendite an Investoren als die strebsamen Deutschen, Portugal zahlt sogar 120 Punkte mehr. Die Ökonomen der Bank Unicredit orakelten daher schon: "Folgt dem Sirtaki der Fado?"
Nein, sagen die Volkswirte der Commerzbank. Spanien und Italien stünden schlimmer da als Portugal, behaupten sie in einem Ranking-Modell für die Euro-Peripherieländer. Das ist der salonfähige Begriff für Pigs.
Während die Ökonomen an ihren Modellen basteln, fragen sich die Investoren, was eigentlich mit Europa los ist. Diese Skepsis lässt den Euro gerade in den Keller rauschen. Für die Gemeinschaftswährung werden derzeit nur noch 1,3913 Dollar oder 124,81 Yen gezahlt. So schwach stand sie schon seit Monaten nicht mehr da.
Die Verantwortung dafür geben die Finanzmärkte insbesondere Griechenland mit seiner "zerrütteten Glaubwürdigkeit", wie Deka-Ökonom Karsten Junius meint. Die Märkte nähmen auch der neuen Regierung nicht ab, dass das Land zu drastischen Einschnitten bereit sei, um seine Schulden abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Stattdessen kursierten "unschöne Gerüchte" über Bittgänge nach China und Aufträge an Investmentbanken, wo auch immer Geld aufzutreiben.
All das lege den Verdacht nahe, "dass die grundlegenden Probleme in Griechenland nicht angegangen werden", sagt Junius. Dabei könnte Athen sich an positiven Vorbildern wie Dublin mit seinem drastischen Sparpaket orientieren. "Die Märkte differenzieren nach Glaubwürdigkeit."
Die Gerüchte über ein Tête-à-Tête der Griechen mit China sorgen auch den Devisenexperten der BHF-Bank, Matthias Grabbe. "Hilfe von außerhalb wäre ein Zeichen der Schwäche", sagt er. Europa müsse seine Probleme selbst lösen. Was sonst mit dem Euro passieren könnte, mag er sich wohl nicht vorstellen.
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