Herr Heise, haben Sie damit gerechnet, dass Griechenland das Hilfspaket in Anspruch nimmt?
Es hatte sich schon abgezeichnet: Die Anleihemärkte haben Griechenland praktisch zu diesem Schritt gezwungen, indem sie die Kurse von griechischen Staatspapieren gnadenlos nach unten gedrückt haben. Dadurch wurde es für die Griechen immer teurer, sich am Markt zu refinanzieren.
Wie groß ist die Gefahr, dass Griechenland die Kredite nicht zurückzahlen wird?
Ich schätze diese Gefahr als sehr gering ein. EU und IWF haben jetzt ein Druckmittel in der Hand. Sie werden sehr genau darauf achten, dass die Griechen die angekündigten Reformen und Sparmaßnahmen auch umsetzen.
Die Märkte sind aber nach wie vor skeptisch: Die Renditen von griechischen Anleihen sind bislang kaum zurückgegangen.
Diese Sorgen sind übertrieben. Es ist im Interesse der Länder der Europäischen Währungsunion, einen Staatsbankrott Griechenlands zu vermeiden. Dass darüber überhaupt spekuliert wurde, ist auch der Politik zuzuschreiben. Die Rettungspakete wurden immer wieder in Zweifel gezogen und so manche unbedachte Äußerung hat die Märkte stark verunsichert. Auch Forderungen, Griechenland aus der Eurozone zu verbannen, waren nicht gerade hilfreich. Doch ich bin sicher, dass die Märkte bald zur Vernunft kommen und die Zinsen für griechische Papiere spürbar nach unten gehen werden, wenn erste Erfolge der Konsolidierung sichtbar werden.
Kommen die Griechen mit den zugesicherten 45 Milliarden Euro aus?
Es bestehen gute Chancen, dass die 45 Milliarden Euro ausreichen. Etwas Rückenwind kommt zurzeit von der konjunkturellen Entwicklung. Vor allem aber muss Griechenland die Reformen jetzt konsequent umsetzen, um die Abwärtsspirale zu durchbrechen. Dann wird es auch wieder Wachstum geben, und der griechische Staat wird höhere Einnahmen erzielen. Schweden und Irland haben vorgemacht, wie es geht.
Interview: Sebastian Wolff
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