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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

07. Februar 2014

Exporte : Problematischer Rekord

 Von 
Aus anderen EU-Ländern importiert Deutschland immer noch zu wenig.  Foto: REUTERS

Die deutsche Exportmaschine läuft rund: Zwar gingen die Ausfuhren 2013 etwas zurück. Der Exportüberschuss jedoch stieg auf Rekord. Das ist problematisch.  

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Selbst die starken deutschen Exportunternehmen haben 2013 unter der flauen Weltkonjunktur gelitten. Ihre Ausfuhren gingen laut Statistischem Bundesamt um 0,2 Prozent auf 1094 Milliarden Euro zurück. Da die Importe aber gleichzeitig noch stärker um 1,2 Prozent fielen, stieg der Außenhandelsüberschuss auf das Rekordhoch von 199 Milliarden Euro. Das ist politisch brisant. Denn von vielen Seiten wird Deutschland für seine Überschüsse kritisiert. Denn ihr Spiegelbild dieser Überschüsse sind Defizite und wachsende Schulden bei den Handelspartnern.

In die EU gingen 2013 noch 57 Prozent aller deutschen Ausfuhren, die Euro-Zone nahm nur knapp 37 Prozent auf – deutlich weniger als vor der Euro-Krise, als hier Werte weit über 40 Prozent erzielt wurden. Hauptabnehmer deutscher Waren bleibt dennoch Frankreich gefolgt von den USA und Großbritannien. Exportschlager waren auch im vergangenen Jahr Autos, Maschinen und chemische Erzeugnisse.

Während die Ausfuhren in die Euro-Zone  wie auch in viele Schwellenländer 2013 abnahmen, stiegen die Lieferungen in die sonstigen EU-Staaten, hier vor allem nach Großbritannien. Deutlich ausgeweitet wurden auch die Überschüsse mit der Türkei und den USA. Gleichzeitig halbierte sich das Handelsdefizit mit China gegenüber dem Vorjahr auf nur noch rund sechs Milliarden Euro. Das dürften die Hauptgründe für den gestiegenen Handelsbilanzüberschuss gewesen sein.

Geschönte Zahlen

Laut den am Freitag veröffentlichten Zahlen, ist der politisch brisante Überschuss Deutschlands mit den Ländern der Euro-Zone fast verschwunden: Er betrug nur noch 700 Millionen Euro.  Der Bundesverband der deutschen Industrie lobte daher: „Der deutsche Außenhandel war 2013 eine Triebkraft für die allmähliche Belebung der Konjunktur in der Europäischen Union. Die deutschen Einfuhren aus diesen Länden haben deutlich stärker zugenommen als die Ausfuhren in diese Länder.“

Doch so rosig ist die Lage nicht. Denn die aktuelle Statistik beruht auf dem Versendungsland-Prinzip. Das bedeutet: Eine chinesische Ware, die über die Niederlande nach Deutschland geliefert wird, zählt als niederländischer Export. Aussagekräftiger ist das so genannte Ursprungsland-Prinzip, in dem diese Ware als chinesische Lieferung gezählt wird.

Nach dieser Statistik – die erst für die ersten elf Monate 2013 vorliegt – sieht es so aus: Deutlich mehr nach Deutschland exportieren konnten 2013 nur die Niederlande, Portugal und Belgien. Spanien gelang ein moderates Plus. Aus Frankreich, Griechenland, Irland und Italien bezog Deutschland weniger Importe. Das Defizit dieser Länder im Handel mit Deutschland schrumpfte nur, weil ihre Einfuhren aus Deutschland noch stärker sanken. Gegenüber Griechenland konnte Deutschland seinen Überschuss im vergangenen Jahr sogar ausweiten.

Fazit: Trotz einigen Verbesserungen erzielt Deutschland gegenüber den EU-Krisen- und  Wackelstaaten weiter hohe Handelsüberschüsse. Berechnet nach dem Ursprungsland-Prinzip lag der Überschuss mit der Euro-Zone 2013 bei 56 Milliarden Euro.

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