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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

15. Januar 2009

Finanzkrise: Ackermann macht Miese

 Von ANNA SLEEGERS
Deutsche-Bank-Chef Ackermann schließt Staatshilfen für sein Geldhaus aus. Foto: Getty

Die Deutsche Bank macht erstmals seit 50 Jahren Verlust - fast vier Milliarden Euro. Der Vorstandschef stellte sich lange als Gewinner der Krise dar. Nun vergeht ihm das Lachen. Von Anna Sleegers

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Das Jahr beginnt so spektakulär, wie das alte endete. Wenige Tage nach der Teilverstaatlichung der Commerzbank kündigt die Deutsche Bank den ersten Jahresverlust seit 1957 an. "Wir sind sehr enttäuscht", sagte Vorstandschef Josef Ackermann.

Nach einem Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro im Vorjahr wird die Deutsche Bank für 2008 voraussichtlich einen Verlust von 3,9 Milliarden Euro ausweisen. Schuld seien schwere Verluste im Wertpapiergeschäft und in der Vermögensverwaltung, die allein im Schlussquartal ein Defizit von 4,8 Milliarden Euro verursacht hätten.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann schließt  Staatshilfen für sein Geldhaus aus.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann schließt Staatshilfen für sein Geldhaus aus.
Foto: Getty Images

Steuergeld nehmen will die Deutsche Bank noch immer nicht. Im Gegenteil: Trotz des Milliardenverlusts will sie knapp 290 Millionen Euro Dividende an die Aktionäre ausschütten. Mit einer Kernkapitalquote von über zehn Prozent sei die Deutsche Bank noch immer ausreichend kapitalisiert. "Wir sind mittlerweile die einzige Investmentbank weltweit, die weder auf Staatsfonds zurückgreifen noch den Steuerzahler belasten muss", sagte Ackermann.

Durch die Hintertür hat die Deutsche Bank gestern den Einstieg des Staats allerdings besiegelt. Da sie die Übernahme der Postbank zum Teil mit eigenen Aktien bezahlen will, wird die Deutsche Post mit rund acht Prozent neue Großaktionärin des Instituts. Da die Post zu einem Drittel der staatlichen Förderbank KfW gehört, halten Bund und Länder künftig durchgerechnet rund 2,5 Prozent an der Deutschen Bank.

Von einer Teilverstaatlichung könne jedoch keine Rede sein, unterstrichen alle Beteiligten unisono. Ackermann stellte es als Zufall dar, dass sich die Bank durch die neue Konstruktion der Übernahme den Staat ins Boot hole.

Die Post hat nach eigenen Angaben kein Interesse an einer dauerhaften Beteiligung an der Deutschen Bank. Das Bundesfinanzministerium unterstrich, dass die Bundesregierung keinen Einfluss auf das Tauschgeschäft nehme.

Wie schnell und zu welchen Konditionen die Post die Anteile am deutschen Branchenprimus wieder abstoßen kann, hängt vom weiteren Verlauf der Finanzkrise ab. "Wir wurden von der zweiten und dritten Welle getroffen", sagte Ackermann.

Die vierte Welle, die er in Ausfällen bei Verbraucherkrediten erwartet, werde die Bank voraussichtlich nicht erwischen. Die Anleger teilen diese Zuversicht nicht: Der Aktienkurs brach um neun Prozent ein.

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