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Finanzkrise: Angst vor der Kreditklemme

Die Sorge bleibt: Die Erholung in der Euro-Zone könnte gebremst werden. Die Darlehensvergabe an Firmen bricht ein. Die EZB könnte die Leitzinsen noch lange auf dem historisch niedrigem Niveau belassen.

Der Aufschwung muss finanziert werden. Hocken die Banken auf  ihrem Geld, kommt die Konjunktur nicht in Fahrt (Symbolbild).
Der Aufschwung muss finanziert werden. Hocken die Banken auf ihrem Geld, kommt die Konjunktur nicht in Fahrt (Symbolbild).
Foto: dpa

Trotz der Erholung in der Euro-Zone ist die Gefahr einer Kreditklemme vorerst nicht gebannt. Ein Alarmzeichen lieferten die am Montag von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Daten zu den Firmenkrediten, die im April auf das niedrigste Niveau seit fast zwei Jahren gefallen sind. Im Vergleich zum Vormonat brach die Darlehensvergabe um 14 Milliarden Euro ein, wie die EZB mitteilte. Geringer war die ausgereichte Kreditsumme zuletzt im Juni 2008 - also wenige Monate vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise.

Mehr als ausgeglichen wurde der Rückgang jedoch durch eine kräftig gestiegene Zahl von Krediten an Privathaushalte, die in der Summe um 17 Milliarden Euro zum Vormonat zulegte. Die in diesem Posten zusammengefassten Verbraucherkredite, Hypothekendarlehen und andere Ausleihungen lagen zugleich den sechsten Monat in Folge höher als im Vorjahreszeitraum. Im April wurden somit insgesamt 0,1 Prozent mehr Buchkredite an den gesamten privaten Sektor vergeben als Vergleichsmonat des Vorjahres.

Stabwechsel
Spezial

Vitor Manuel Ribeiro Constancio krönt seine Karriere. Er löst vom heutigen Dienstag an den Griechen Lucas Papademos als Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank ab. Der Notenbankchef Portugals ist ein Ur-Gestein im EZB-Rat.

An den Machtverhältnissen im EZB-Rat dürfte sich mit dem Stabwechsel nur wenig ändern. Beiden - Papademos und seinem Nachfolger - ist gemein, dass sie im Gegensatz zu Inflationshardlinern wie Bundesbank-Präsident Axel Weber oder EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark nicht sofort eine Zinserhöhung fordern, wenn sich Inflationsrisiken abzeichnen. (sal)

Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise

Experten sehen dennoch keinen Grund zur Entwarnung, da der Rückgang bei den Firmenkrediten bedenklich stimmt: "Auch wenn man eine niedrige Nachfrage nach Geschäftskrediten unterstellt, so bleibt doch eine Sorge: Die Erholung in der Euro-Zone könnte dadurch gebremst werden, dass in den kommenden Monaten eine bedeutende Anzahl von Firmen nicht an die benötigten Kredite kommen wird", sagte Ökonom Howard Archer von Global Insight. Angesichts der Schuldenkrise und der Sparpolitik in vielen Euroländern sieht er zugleich das Risiko, dass der Aufschwung nur zögerlich in Gang kommt.

Dies könnte die EZB dazu zwingen, die auf historisch niedrigem Niveau liegenden Leitzinsen bis weit in das nächste Jahr bei einem Prozent zu belassen, sagte Archer. Michael Schubert von der Commerzbank sieht die EZB vorerst ebenfalls weiter in Wartestellung: "Die Zentralbank wird wohl bei ihrer Einschätzung bleiben, dass die Erholung zögerlich ausfallen wird", meint der Bankenvolkswirt.

Teuerung zieht an

Auch die Entwicklung an der Preisfront liefert der EZB derzeit wohl keinen Anlass, über Zinserhöhungen nachzudenken: Die Jahresteuerung im Euroraum hat nach 1,5 Prozent im April im Mai zwar 1,6 Prozent erreicht - der höchste Wert seit Ende 2008. Trotzdem herrscht nach Definition der EZB weiter Preisstabilität. Diese sieht die EZB mittelfristig bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

In Deutschland liegt die Teuerungsrate mit 1,2 Prozent noch deutlicher unter dieser Schwelle, aber so hoch wie zuletzt im November 2008. (rtr)

Datum:  1 | 6 | 2010
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