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Finanzkrise: Unsicherheitsfaktor Studienkredit

Die Finanzkrise ist im Hörsaal angekommen: Auch die Kredite von Studierenden für Miete oder Studiengebühren werden teurer. Von Annika Joeres

Die Finanzkrise ist im Hörsaal angekommen: Auch die Kredite von Studierenden für Miete oder Studiengebühren werden teurer. Zwar hat die bundeseigene KfW-Bankengruppe ihre Mitte der Woche angekündigte Zinserhöhung für Studienkredite nach bundesweiten Protesten wieder reduziert. Statt sieben Prozent soll der neue Zinssatz rückwirkend zum 1. Oktober den bei vielen anderen Kreditgebern üblichen Satz von 6,5 Prozent betragen. Aber das ist immer noch deutlich mehr als beim Start der Studienkredite vor zwei Jahren: Da betrug der Zinssatz noch 5,1 Prozent, zuletzt lag er bei 6,29 Prozent.

Für Studierende bedeuten diese Kommazahlen einige Tausend Euro mehr Schulden, mit denen sie später ins Berufsleben starten. Durch die Zinserhöhung zum 1. Oktober auf sieben Prozent hätte sich zum Beispiel ein über fünf Jahre laufendes Studentendarlehen um bis zu 4500 Euro gegenüber dem Kreditstart im April 2006 verteuert.

Nun will die KfW ihre Strukturen insgesamt überdenken. Der Marktführer bei Studienkrediten in Deutschland will "effizienter und damit kostengünstiger" werden, wirbt Sprecher Wolfram Schweickhardt. Zugleich soll künftig bei den Rückzahlungsbedingungen "die individuelle Leistungsfähigkeit" des Hochschulabsolventen nach Abschluss des Studiums stärker berücksichtigt werden. Allerdings könne er nichts versprechen. "Wir stehen noch am Anfang des Prozesses, wollen aber mit dem Bundesbildungsministerium unsere Produkte überprüfen", so Schweickhardt.

Prozesse, Strukturen, Produkte - die Finanzwelt ist schwer zu durchschauen für Abiturienten, die gerade ihr Studium planen. "Sie sind alle sehr verunsichert", sagt Martin Leyendecker von der Universität Bonn. Er berät im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) Erstsemester mit Geldsorgen - und die Schlangen vor der Beratungsstelle werden länger.

"Gerade von der Schule gekommen, haben die Studierenden sofort einen Klotz am Bein", sagt der Philosophiestudent. Er selbst habe einen Kredit aufgenommen. Eine Wahl bleibe den meisten Studierenden nicht. "Der finanzielle Druck ist so hoch, dass viele ohne einen Kredit nicht studieren könnten", so Leyendecker.

Und ohne Beratung wahrscheinlich auch nicht. Denn inzwischen tummeln sich zahlreiche Angebote auf dem Uni-Marktplatz. Theoretisch sind die Kredite bei einer privaten Bank kaum teurer als bei der staatlichen KfW oder den Landesbanken der Bundesländer. Der große Unterschied ist: Staatliche Finanzinstitute prüfen nicht die Bonität der Studierenden.

Jeder und jede kann sich vom ersten Semester an Geld leihen. Und in den Semesterferien erlaubt es die KfW zum Beispiel, die Kredite für ein paar Monate zu unterbrechen. Seit April 2006 gibt es den KfW-Studienkredit, der vor allem für die Lebenshaltungskosten genutzt wird. Er wird über Banken und Sparkassen sowie die Studentenwerke vertrieben und wurde bis heute rund 42.000 Mal in Anspruch genommen. Eine geringe Zahl bei deutschlandweit knapp zwei Millionen eingeschriebenen Studierenden.

Von den Banken in den einzelnen Bundesländern hingegen leihen sich Studierende vorwiegend Geld, um die Studiengebühren von einigen hundert Euro pro Semester bezahlen zu können. So vergibt die NRW-Bank beispielsweise ein Darlehen für die 500 Euro Studiengebühren pro Semester. Ihr Zinssatz beträgt 5,9 Prozent uns ist bis 2011 garantiert. "Dieser Satz wird nicht steigen, egal was an der Börse passiert", verspricht Pressesprecherin Carolin Fischer.

Was danach komme, könne jetzt allerdings noch nicht prophezeit werden. Wer also bald sein Studium aufnimmt, weiß noch nicht, welche Zinsen er in einem höheren Semester zahlen muss.

Das zweifelhafte Angebot ausschlagen können Studierende jedoch nicht. "Für sie ist der Kredit meist die letzte Möglichkeit", so Bianca Hilfrich aus dem Vorstand des des "Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften" (FZS) in Berlin. De facto müssten sich die zukünftigen Akademiker ihre Berufsausbildung teuer erkaufen und jahrelang zurückzahlen. Für viele Abiturienten aus einkommensschwachen Haushalten sei das abschreckend.

"Meist verschulden sich Studierende, die kurz vor dem Abschluss stehen und im Prüfungsstress keine Zeit mehr für ihren bisherigen Nebenjob haben", so Hilfrich. Dass die Kredite der Banken zu unsicher seien, habe die Krise nun gezeigt, sagt Hilfrich. So urteilte auch die Stiftung Warentest in einer Bankenstudie aus diesem Sommer: "Studenten sollten zuerst alle anderen Finanzierungsquellen ausschöpfen, bevor sie einen Kredit aufnehmen."

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  18 | 10 | 2008
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