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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

09. September 2011

Finanzkrise: Zocken auf den Tod des Euro

 Von Sebastian Wolff
Spieltisch im Spielcasino in Bad Homburg (Symbolbild)  Foto: picture-alliance/ dpa

Geschickte Zocker verstehen es, an jeder Krise zu verdienen, während Sparer um ihre Notgroschen bangen. Ein Buchmacher bietet nun eine skurrile Wette auch für den "kleinen Mann" an.

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BERLIN –  

Geschickte Zocker verstehen es, an jeder Krise zu verdienen. Während Aktionäre in der aktuellen Euro-Krise schon viel Geld verloren haben und sich auch Sparer Sorgen um ihren Notgroschen machen müssen, gelingt es diesen Spekulanten, durch Leerverkäufe oder Optionsgeschäfte dickes Geld zu machen.

Für das Gros der Anleger kommen solche Geschäfte allerdings nicht in Frage: Ihnen fehlt dafür das notwendige Fachwissen und Kapital. Doch nun bietet sich dem „kleinen Mann“ plötzlich doch die Chance, mit wenig Einsatz ein waschechter Krisenprofiteur zu werden: Zu verdanken hat er das dem findigen Londoner Buchmacher Expekt.Com. Der bietet ab sofort eine Wette darauf an, welches Land als erstes den Euro als Währung aufgibt. Top-Favorit ist natürlich Griechenland. Die mögliche Gewinnquote beträgt lediglich 1,65. Das heißt: Wer darauf wettet, dass Griechenland als erstes Euro-Mitglied wieder zu seiner alten Währung zurückkehrt, erhält im Erfolgsfall bei zehn Euro Einsatz gerade einmal 16,50 Euro zurück. Aber der Spieler kann ja darum bitten, sich seinen bescheidenen Gewinn gleich in Drachmen auszahlen zu lassen. Dann dürfte die Auszahlungssumme wenigstens optisch eindrucksvoller wirken.

Deutlich höher ist der mögliche Gewinn schon für den, der auf Italien als ersten Euro-Aussteiger setzt. Hier beträgt die Quote 5,5. Es winken also 55 Euro Auszahlung bei zehn Euro Einsatz. Noch höher liegen die Quoten für Irland (6,0) und Portugal (7,0). Als relativ unwahrscheinlich schätzt der Buchmacher offenbar die Wahrscheinlichkeit ein, dass Spanien vor allen anderen Euro-Staaten die Währungsunion wieder verlässt: Die Gewinnquote beträgt hier 13,0, falls die Peseta als erste Währung den Euro wieder ablöst. Noch mehr gewinnen kann derjenige, der darauf setzt, dass tatsächlich Deutschland als erstes Land die Euro-Zone wieder verlässt: Hier beträgt die Gewinnquote 17,0. Das wären also bei zehn Euro Einsatz 170 Euro Auszahlungssumme oder besser gesagt 332,49 D-Mark.

Kritiker dürften solche Wetten indes als geschmacklos oder gar als moralisch verwerflich bezeichnen. Um ihnen gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, weist der Buchmacher explizit darauf hin, dass sich Wetten auf diese Länder nicht auf die internationalen Finanzmärkte auswirkten. Anders als Leerverkäufe oder die Aktivitäten bestimmter Hedge-Fonds würden diese Wetten die Krise nicht verschärfen. „Man muss also nicht befürchten, als Heuschrecke beschimpft zu werden“, so das Unternehmen in einer Werbe-Mail.

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