Es gibt eine Gewinnerin der Marktkrise: Ökologische und soziale Banken haben in den vergangenen Wochen zahlreiche neue Kunden hinzu gewonnen. Die Nürnberger Umweltbank konnte ihre Zuwachsrate an Kunden zum Vorjahr um über 15 Prozent steigern, zum Vormonat sogar um mehr als 21. "Einlagen sind bei uns sicher und deshalb kommen die Kunden gezielt zu uns", sagt Sprecherin Alexandra Lill.
Auch die GLS-Gemeinschaftsbank mit Sitz in Bochum, die zweite große Alternativbank in Deutschland, gewinnt dazu: "Wir werden von der Krise profitieren", so Sprecher Christof Lützel. In den vergangenen Wochen hätten täglich ein paar dutzend Menschen ihr Erspartes zur GLS-Bank gebracht, allein in dieser Woche seien neun Millionen Euro eingelegt worden. "In Zukunft werden viele Menschen umdenken", so Lützel. Ging die GLS bislang noch von einem 20-prozentigen Wachstum für dieses Jahr aus, wurde die Prognose nun auf 25 Prozent erhöht.
Dennoch haben die ökologisch orientierten Banken in Deutschland nur einen kleinen Anteil am Bankenwesen. Setzt die GLS-Bank beispielsweise 880 Millionen Euro jährlich um, sind es bei der Deutschen Bank 1 200 Milliarden Euro. Ihre Kunden nehmen in Kauf, weniger Zinsen für ihre Einlagen zu bekommen. Dafür können sie wählen, ob ihr Geld zum Beispiel in die biologische Landwirtschaft, in regenerative Energien oder in Seniorenheime fließt. "Wir haben keinen Cent in die risikoreichen Kredit- oder Immobilienmärkte investiert", so Lützel. In der Kundenzeitung sei jede Investition zu sehen.
Dies reklamiert auch die Umweltbank für sich: Sie finanziert vor allem regenerative Energien, die durch die Energie-Einspeisevergütung der Bundesregierung langfristig subventioniert werden. Vorstandsvorsitzender Horst Popp sagt vollmundig: "Unsere Bank ist die sicherste und sinnvollste in Deutschland."
Zumindest die Sicherheit dieses Bankensektors kann auch Martin Ruckes, Dekan des Instituts für Finanzwirtschaft und Banken an der Universität Karlsruhe, bestätigen. "Bei den ökologischen Banken stehen dem Kapital reale Investitionen gegenüber." Ruckes glaubt, dass durch die Bankenkrise viele Kunden zu einem ethisch-ökologischen Institut wechseln werden. "Langfristig wird sich der Markt ohnehin mehr an regionalen Kunden und Krediten für reale Projekte orientieren", prophezeit der Wissenschaftler.
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