Kurz vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel hat SPD-Chef Sigmar Gabriel Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, sich für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer starkzumachen. „Wir müssen jetzt auch Taten sehen“, sagte Gabriel am Montag im Deutschlandfunk. Dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy eine Finanztransaktionssteuer jetzt im Alleinganz einführe, sei ein Zeichen der Hilflosigkeit. Die Kanzlerin müsse nun Führungsstärke beweisen und sich über die Widerstände innerhalb der Koalition hinwegsetzen. Die FDP lehnt die Einführung einer Finanztransaktionssteuer allein in der Euro-Zone ab.
Zur Bekämpfung der Schuldenkrise sei eine zusätzliche Einnahmequelle auf staatlicher Seite unabdingbar, setzte Gabriel dagegen. „Wegen dieser Finanzmärkte haben wir die Schulden machen müssen, und es ist nur fair, sie daran zu beteiligen, jetzt da wieder rauszukommen.“ Zudem deutete der SPD-Chef an, dass die Sozialdemokraten im Bundestag weiteren Kredithilfen nur dann zustimmen würden, wenn Deutschland im selben Schritt die Abgabe einführt: „Wenn Frau Merkel am Ende doch damit käme, den Rettungsschirm noch mal gigantisch zu erhöhen, dann wäre in der Tat diese Steuer im Zweifel das einzige, was wir machen könnten, um das zu finanzieren. Deswegen würden wir das schon koppeln.“
Sarkozy hatte am Sonntagabend in einem Fernsehinterview angekündigt, noch in diesem Jahr eine Finanztransaktionssteuer einführen zu wollen. Die Abgabe in Höhe von 0,1 Prozent soll ab August erhoben werden. Aus Regierungskreisen verlautete, dass die Steuer bis zu eine Milliarde Euro jährlich einbringen könnte. Die Debatte über eine solche Finanzmarktsteuer läuft auf europäischer Ebene bereits seit längerem. Sarkozy kämpft bei der Präsidentenwahl im Frühjahr um sein Amt.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte zuletzt als Alternative zur geplanten Finanztransaktionssteuer eine Abgabe nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer ins Gespräch gebracht, um Großbritannien mit dem wichtigen Finanzplatz London einzubeziehen. Hinter dem Vorstoß steht offensichtlich auch Kanzlerin Angela Merkel. Er würde dem Regierungsbündnis einen quälenden Streit ersparen. (rtr)
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