Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

10. März 2010

Fragen und Antworten: Credit Default Swaps

 Von Markus Sievers
Deutschland, Frankreich, Griechenland und Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker wollen gegen Finanzspekulation vorgehen. Foto: ddp

Durch Spekulationen mit Credit Default Swaps wird es für Staaten wie Griechenland immer teurer, sich Geld zu besorgen. Von Markus Sievers

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Deutschland, Frankreich, Griechenland und Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker wollen gegen Finanzspekulation vorgehen. Eindämmen wollen sie vor allem Wetten gegen den Euro. Im Mittelpunkt stehen die Credit Default Swaps (CDS), die schon beim Ausbruch der Finanzkrise eine wichtige Rolle spielten. Die Pleitebank Lehman Brothers und der US-Versicherer AIG waren stark in diesem Geschäft engagiert, was wegen der Vernetzung der Finanzbranche zu den schlimmen Verwerfungen beitrug.

Was sind denn CDS?

Im Grunde handelt es sich um eine Art Versicherung. Wenn ein Institut Griechenland Geld leiht, kann es sich gegen das Risiko eines Zahlungsausfalls absichern. Durch die Finanznöte der griechischen Regierung sind die Preise für diese Ausfallversicherungen zeitweise in die Höhe geschossen.

Und wo ist das Problem?

"Theoretisch tragen die CDS zu einer effizienten Risikoallokation bei", schreibt die Deutsche Bank. Theoretisch stabilisieren sie das Finanzsystem, indem sie die Risiken verteilen. Theoretisch kommt so Griechenland leichter an Geld. Doch in der Praxis kaufen Zocker diese Versicherungspapiere, um die Preise in die Höhe zu treiben. Sie wetten auf den Staatsbankrott und profitieren beim Verkauf zu hohen Kursen.

Das erklärt aber noch nicht die Aufregung von Merkel und Juncker. Was macht CDS so gefährlich ?

CDS können getrennt von den Anleihen gehandelt werden. Ein Hedgefonds oder eine Investmentbank kann also damit zocken, auch wenn sie Griechenland gar keinen Kredit geben wollen. Das Geschäft mit CDS dient damit nicht mehr der sinnvollen Absicherung von Kreditrisiken, sondern verselbstständigt sich zu einer reinen Zockerei. Die Folgen solcher Leerverkäufe sind verheerend. Mit steigenden Preisen für die Kreditversicherungen wird es für ein Land immer teurer, sich Geld zu besorgen.

Und die Praxis?

Seit Einführung Anfang der Achtzigerjahre erfreuen sich Credit Default Swaps wachsender Beliebtheit. Auf dem Höhepunkt Mitte 2007 erreichten die Umsätze 58 Billionen Dollar. Die Deutsche Bank spricht von einer "beeindruckenden Zahl etwa im Vergleich zum weltweit ausstehenden Anleihevolumen" von 80 Billionen Dollar.

Wie sieht es aktuell mit CDS auf Griechenland-Kredite aus?

Vorerst hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin Entwarnung gegeben. Sie sieht keine Anzeichen für eine massive Spekulation gegen griechische Staatsanleihen. Das kann daran liegen, dass die Finanzmärkte an den Sparwillen der griechischen Regierung glauben - oder an die Hilfsbereitschaft der anderen Euro-Länder. Kippt das Vertrauen, drohen Spekulationsattacken.

Was will die Politik?

Die Finanzmärkte müssen kein Verbot der CDS befürchten, wohl aber eine strengere Regulierung. Im Gespräch ist eine europaweite zentrale Meldestelle, die mehr Transparenz schaffen könnte. Bei Lehman etwa war ein großes Problem, dass niemand so recht wusste, in welcher Höhe die Investmentbank Risiken eingegangen war. Das schürte die Unsicherheit. Zudem spricht viel dafür, die ungedeckten Leerverkäufe zu untersagen. Dafür hat sich einem Grundsatzpapier bereits Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ausgesprochen.

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