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Geldanlagen: Finanzcrash errreicht Kleinanleger

Der Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers hinterlässt auch in Deutschland Spuren. Die Münchener Rück wagte sich am Dienstag als erste aus der Deckung. Interaktive Grafik: US-Finanzkrise

Und schon wieder kein guter Tag an den Börsen - wie hier in Frankfurt.
Und schon wieder kein guter Tag an den Börsen - wie hier in Frankfurt.
Foto: ddp

Der Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers hinterlässt auch in Deutschland Spuren. Die Münchener Rück wagte sich am Dienstag als erste aus der Deckung und legte offen, dass der größte Rückversicherer der Welt mit 350 Millionen Euro bei dem New Yorker Bankhaus engagiert ist. Offenbar geht es dabei unter anderem um Geschäfte zur Absicherung von Währungsrisiken.

Wie hoch die Münchener Rück das tatsächliche Ausfallrisiko einschätzt, welche Art von Lehman-Wertpapieren das Unternehmen hält und in welchem Umfang die eigenen Bilanzen betroffen sein werden, wollte eine Sprecherin allerdings nicht sagen.

Noch zugeknöpfter zeigten sich am Dienstag die Sprecher diverser Geldhäuser. "Wir sagen dazu offiziell nichts", hieß es in der Deutschen Bank. "Das kommentieren wir nicht", sagte ein Sprecher der Commerzbank. Die Stuttgarter Landesbank LBBW bestätigte immerhin, dass sie zu Lehman Brothers geschäftliche Beziehungen unterhält, wollte sich aber nicht im Detail dazu äußern. Die Deka-Bank teilte mit, der Fall der US-Investmentbank habe "nahezu keine Auswirkungen" auf ihr Geschäft.

Die Börsianer reagierten hingegen tief besorgt und sprachen eine klare Sprache. Am Tag eins nach dem neuerlichen Desaster an der Wall Street fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) um fast drei Prozent auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren und notierte am Nachmittag bei 5858 Zählern. Besonders die Aktionäre von Banken und Versicherungen büßten einen nennenswerten Teil ihres Vermögens ein.

An der Spitze der Verliererliste im Dax standen die Titel der Commerzbank mit Minus 17,6 Prozent. "Die Commerzbank leidet unter der Übernahme der Dresdner Bank. Denn bei dieser Transaktion hat sie sich deren Investmentbankingsparte Dresdner Kleinwort ins Boot geholt", sagte ein Händler. Gerüchten zufolge war die Neuerwerbung der Commerzbank stark beim angeschlagenen US-Versicherungskonzern American International Group (AIG) investiert. AIG gilt neben Washington Mutual als möglicher nächster Kandidat für einen Offenbarungseid. Ob es konkreten Anlass zur Sorge gibt, war bei Dresdner Kleinwort allerdings nicht zu erfahren. "Kein Kommentar", hieß es lediglich.

Bundesbank-Präsident Axel Weber bemüht sich derweil mit aller Kraft, Panikreaktionen zu vermeiden. "Die Bankwerte sind natürlich zunächst einmal deutlich ins Negative gedreht, aber eine Sorge um die Stabilität des deutschen Finanzsystems oder der deutschen Bankenwelt ist überhaupt nicht gerechtfertigt", sagte Weber, der auch Mitglied des Europäischen Zentralbank-Rats ist, bereits am Montagabend der ARD.

Die deutschen Banken hätten ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen in den vergangenen Jahren verbessert. "Insofern gehen wir davon aus, dass das deutsche Finanzsystem robust ist und auch das deutsche Bankenmodell sich eigentlich bewährt hat." Rückschlüsse der Ereignisse aus den USA auf mögliche weitere Entwicklungen in Deutschland lehnte Weber ab.

Viele Kleinanleger in Deutschland dürfte das nicht beruhigen. Wer Zertifikate von Lehman Brothers besitzt, muss mit einem Totalausfall rechnen. "Das Risiko eines Zahlungsausfalls ist hoch", sagte Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Für die Rückzahlung solcher Inhaberschuldverschreibungen sei die Bonität des Emittenten entscheidend. "Anders als in der Fondsbranche bleibt im Zertifikatebereich ein reales Ausfallrisiko", sagte DSW Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. So seien Fonds und die meisten ETF (Exchange Traded Funds) als Sondervermögen vor der Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft geschützt. Lehman hat hierzulande allerdings nur einen sehr geringen Marktanteil.

Um ihr Vermögen fürchten müssen allerdings auch Kleinanleger, die auf bestimmte strukturierte Produkte heimischer Anbieter gesetzt haben. Die DZ Bank etwa legt Cobold-Anleihen auf, die hohe Zinsen und die Rückzahlung des eingesetzen Kapitals versprechen. Die Leistung ist aber an eine Bedingung geknüpft: Bei keinem der aufgelisteten Referenzunternehmen darf ein Kreditereignis eintreten (zum Beispiel die Insolvenz). Genau das aber ist jetzt geschehen: Lehman galt bei insgesamt sechs Cobold-Anleihen als Referenzunternehmen. "Das Kreditereignis ist eingetreten", sagte eine Unternehmenssprecherin. Bei Fälligkeit erhalten die Anleger nun ersatzweise Lehman-Anleihen, die dann womöglich so gut wie nichts Wert sind. Das investierte Volumen in die sechs Cobold-Anleihen wird mit "deutlich unter 100 Millionen Euro" angegeben.

Autor:  BERND SALZMANN
Datum:  17 | 9 | 2008
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