Griechenland steckt in der Schuldenfalle – und auch der derzeit verhandelte Schuldenerlass wird dies nicht ändern. Das zeigen schon die Zahlen: Athen hat Gesamtschulden von 350 Milliarden Euro. Der Schuldenerlass über 50 Prozent bezieht sich aber nur auf das Geld, das private Gläubiger wie Banken, Investmentfonds oder Versicherungen Athen geliehen haben. Dies sind etwa 206 Milliarden Euro. Ein Schuldenschnitt würde also 100 Milliarden Euro betragen – aber nur, wenn alle privaten Gläubiger mitmachen.
Gleichzeitig aber muss sich Griechenland viel Geld borgen: Denn erstens trifft der Schuldenschnitt vor allem die Hauptgläubiger Athens, die griechischen Banken. Um nicht pleitezugehen, brauchen sie vom Staat etwa 40 Milliarden Euro neues Kapital. Zweitens: Um die Gläubiger zu entschädigen, bietet Athen ihnen an, 15 Prozent seiner Schulden sofort zurückzuzahlen. Dafür braucht es weitere 30 Milliarden Euro. Die restlichen 35 Prozent werden in langlaufende Anleihen zu einem niedrigeren Zins umgewandelt. Zieht man die Beträge zur Rekapitalisierung der Banken und zur Vorab-Zurückzahlung ab, so bleibt ein Schuldenerlass von 20 bis 30 Milliarden Euro übrig.
Das ist wenig – auch wenn man den Betrag hinzurechnet, den Athen durch die niedrigeren Zinsen auf die Restschulden einspart. Um das von der EU gesetzte Ziel zu erreichen – die Senkung der Staatsschulden von derzeit 160 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung 2020 – müsste Athen daher weiter brutal sparen. Zudem müsste es von den Finanzmärkten ab 2014 wieder billig Kredite bekommen und ein kräftiges Wirtschaftswachstum hinlegen. Zumindest die beiden letzten Punkte sind höchst unwahrscheinlich. Die öffentlichen Gläubiger Griechenlands – die EU-Staaten oder die Europäische Zentralbank – müssen sich daher wohl am Schuldenschnitt beteiligen. (kau.)
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