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Goldman Sachs: Brüssel prüft Griechenland-Geschäfte

Die Regierung in Athen bereitet die Bevölkerung auf noch härteres Sparen vor. Deutsche Banken sind bei Hellas-Anleihen zurückhaltend. Von Werner Balsen

In tiefer Sorge: Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.
In tiefer Sorge: Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.
Foto: rtr

Brüssel. Eurostat, das Statistikamt der Europäischen Union, beschuldigt die griechischen Behörden einer weiteren Lüge. In einem Bericht über "den Fall Griechenland" nimmt das Amt in Luxemburg Bezug auf ein Geschäft, das die Regierung in Athen vor neun Jahren mit dem US-Bankhaus Goldman Sachs abschloss.

Der Deal kam einem milliardenschweren Kredit des Bankhauses sehr nahe, war aber als Währungsswap deklariert und erhöhte somit die griechische Staatsschuld formal nicht. Das war für Athen von Bedeutung, weil die Regierung damals die Kriterien für die Euro-Einführung erfüllen musste.

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In tiefer Sorge: Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.
In tiefer Sorge: Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.
Foto: rtr

In dem Report stellt Eurostat klar, dass die Griechen die Statistiker über dieses Geschäft nicht informiert haben. Im Gegenteil: Während einer Inspektionsreise von Eurostat-Mitarbeitern 2008 in Hellas hätten die dortigen Gesprächspartner unterstrichen, "dass es griechischen Regierungsstellen gesetzlich untersagt sei, solche Deals abzuschließen".

Erst vor drei Tagen habe Athen in nach wie vor nicht vollständigen Unterlagen erstmals zugegeben, dass es 2001 ein solches Geschäft gegeben habe. Die EU prüft nun, inwieweit es den tatsächlichen Schuldenstand des Landes beeinflusst. Auch US-Notenbankchef Ben Bernanke hat eine Überprüfung des Deals mit Goldman Sachs angekündigt.

Das griechische Debakel mit dem Euro

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Massenstreik in Griechenland (2010)

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Die Eurostat-Information dürfte eine Rolle spielen, wenn EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn in der nächsten Woche zu Gesprächen mit der griechischen Regierung nach Athen reist. Derzeit wertet sein Stab einen Bericht aus, den eine Untersuchungskommission aus Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank, des Internationalen Währungsfonds und der EU-Kommission über die griechischen Sparpläne formuliert hat.

Im Vorfeld der Rehn-Reise bereitet Athen die Bevölkerung auf noch härteres Sparen vor. So werden in Brüssel die Informationen gedeutet, die in der Hauptstadt kursieren und denen zufolge der Untersuchungsbericht davon ausgehe, dass Hellas mit dem angekündigten Sanierungsprogramm allenfalls die Hälfte des angekündigten Defizitabbaus von vier Prozentpunkten schaffen könne. In der EU wurde nicht dementiert, dass die bislang vorgelegten Pläne einen Abbau der Neuverschuldung von allenfalls 1,5 bis zwei Prozent ermöglichen.

Für Unruhe sorgen Meldungen, dass deutsche Banken nicht mehr in griechische Anleihen investieren wollen. Ein Bankensprecher bestätigte der FR, dass sein Haus das Engagement kontinuierlich zurückfahre, weil man Risikopositionen abbauen wolle. Zwar sei die hohe Verzinsung der Anleihen durchaus attraktiv, aber es wachse die Sorge in den Vorstandsetagen, wie lange das Land die Aufschläge noch zahlen könne.

Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass die Geldhäuser für risikoreiche Geschäfte Eigenkapital zurücklegen müssten. Er wies zudem darauf hin, dass es für die Banken nicht nur um Anleihen gehe, sondern auch um Kredite an griechische Unternehmen. Teilweise geschehe ein Rückzug auch aus der Sorge heraus, die Märkte könnten ein allzu großes Engagement in dem südosteuropäischen Krisenland "bestrafen".

Dennoch reiste der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gestern nach Athen. Über den Inhalt seiner Gespräche mit griechischen Regierungsstellen gab sein Haus keine Auskunft. Möglicherweise wird die größte deutsche Bank wie schon die vorige auch die nächste Anleihe Griechenlands organisieren. Sie wird an den Finanzmärkten im März erwartet.

Autor:  Werner Balsen
Datum:  27 | 2 | 2010
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