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Griechenland ist liquide: Aufatmen an der Akropolis

Die erste griechische Staatsanleihe in diesem Jahr geht zum Schnäppchenpreis weg wie geschnitten Brot und Europa atmet auf. In Griechenland ist die Erleichterung naturgemäß besonders groß: Hellas ist noch kreditwürdig. Von Bernd Salzmann

Brüchig: Die Akropolis wirkt einsturzgefährdet.
Brüchig: Die Akropolis wirkt einsturzgefährdet.
Foto: rtr

Europa atmet auf. In Griechenland ist die Erleichterung naturgemäß besonders groß: Hellas ist noch kreditwürdig. Das tief im Schlamassel steckende EU-Mitglied stieß mit seiner ersten Anleihe in diesem Jahr bei Investoren am Montag auf reges Interesse. Ein Käuferstreik blieb aus.

Finanzkreisen zufolge gingen Gebote im Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro für die Anleihe ein. Das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren hat nach Angaben eines Bankers eine Rendite von ungefähr 6,5 Prozent.

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Die Emission galt als Lackmustest für die Fähigkeit der griechischen Regierung, trotz der Diskussionen über das ausufernde Staatsdefizit frisches Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Ursprünglich soll das südosteuropäische Land Einnahmen von gut drei Milliarden Euro bei der Emission angestrebt haben. Im Tagesverlauf war jedoch noch von weitaus höheren Beträgen die Rede, weil der Bond ohne Probleme an den Mann zu bringen war.

"Alles andere wäre eine Katastrophe gewesen", sagte Commerzbank-Experte David Schnautz im Gespräch mit der FR. Die Anleihe sei "ein Schnäppchen für Käufer". Dem Anbieter sei es nicht um einen optimalen Preis gegangen, sondern darum, die allseits kursierende Liquiditätsangst zu besiegen.

Wie enorm wichtig die positive Resonanz auf den Bond aus Hellas war, konnte gestern am Devisenmarkt beobachtet werden. Die hohe Nachfrage nach der Anleihe beflügelte sogleich den Euro. Die Gemeinschaftswährung baute ihre Kursgewinne aus und stieg zeitweise bis auf 1,4197 Dollar, nach 1,4131 Dollar im späten US-Geschäft der Vorwoche. Die Causa Griechenland hatte den Euro zuletzt erheblich unter Druck gesetzt. Auch am Aktienmarkt stabilisierte der Platzierungserfolg der Griechen zum Wochenauftakt zunächst die Entwicklung des Deutschen Aktienindex (Dax).

Nicht nur an den Märkten, auch im politischen Zentrum Europas sorgt Hellas nun schon seit Wochen für angespannte Nerven. In einem Papier der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen bei der EU-Kommission in Brüssel heißt es laut Spiegel, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedsländern könnten "das Vertrauen in den Euro schwächen und den Zusammenhalt der Währungsunion gefährden".

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou tut nun alles, um gut Wetter zu machen. Hellas werde seine Haushaltsprobleme "aus eigener Kraft meistern", sagte er in einem am Montag in der Welt veröffentlichten Gespräch. Eine Flucht seines Landes aus der europäischen Gemeinschaft und ihrem Währungsverbund als Reaktion auf das harte Brüsseler Regiment schloss der Minister kategorisch aus. "Spekulationen über einen Austritt aus der Währungsunion sind abstrus", sagte er.

Der griechische Coup am Kapitalmarkt verschafft Hellas allerdings nur "kurzfristig Erholung", schätzt Commerzbank-Experte Schnautz. Das Land komme nicht daran vorbei, seine strukturellen Probleme zu lösen. Anleihen zu Schnäppchen-Konditionen verkrafte Griechenland "nicht auf Dauer". Die Lage bleibt also ernst: Hellas muss allein in diesem Jahr schätzungsweise 54 Milliarden Euro am Kapitalmarkt einsammeln.

Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  26 | 1 | 2010
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