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Griechenland: IWF überarbeitet den Rettungsplan

Offenbar ist der Rettungsplan für Griechenland überholt, bevor er beschlossen ist. Der IWF erwägt, statt 15 nun gleich 25 Milliarden fließen zu lassen. Die EU plant einen Krisengipfel. Und Experten fragen: Kann Athen das viele Geld jemals zurückzahlen?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt eine Aufstockung der Finanzhilfe für  Griechenland um zehn Milliarden Euro.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt eine Aufstockung der Finanzhilfe für Griechenland um zehn Milliarden Euro.
Foto: dpa

Frankfurt a.M. Der Internationale Währungsfonds erwägt, die Finanzhilfe für Griechenland um zehn Milliarden Euro aufzustocken. Bisher ist der IWF mit 15 Milliarden Euro dabei, die Eurozone hat 30 Milliarden zugesagt.

Der Financial Times sagte ein Analyst, die Obergrenze des Währungsfonds für die Griechenland-Hilfe liege bei 25 Milliarden Euro - und die Freigabe der zusätzlichen zehn Milliarden Euro werde diskutiert. Der IWF wollte sich dazu nicht äußern.

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Ob das reicht? Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt eine Aufstockung der Finanzhilfe für  Griechenland um zehn Milliarden Euro.
Ob das reicht? Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt eine Aufstockung der Finanzhilfe für Griechenland um zehn Milliarden Euro.
Foto: dpa

Die drohende Staatspleite Griechenlands treibt die Euro-Länder zu einer schnellen Freigabe ihrer Krisenhilfe. Nach einer Abwertung der Anleihen Griechenlands auf Ramsch-Status durch eine Rating-Agentur ist es seit Dienstag noch teurer für den Euro-Staat, sich neues Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen. Griechenland braucht bis zum 19. Mai aber dringend 8,5 Milliarden Euro für eine fällige Staatsanleihe.

Angesichts der dramatischen Lage kündigte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy einen Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurogruppe an. Das Treffen solle "um den 10. Mai herum" stattfinden, sagte Van Rompuy in Tokio vor Beginn des EU-Japan-Gipfels. Die Staats- und Regierungschefs würden dann - in Absprache mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Währungsfonds - über die Auszahlung der Finanzhilfen entscheiden.

Das griechische Debakel mit dem Euro

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Die Beratungen über die Freigabe der Finanzhilfen seien "auf gutem Wege", sagte Van Rompuy. Es gehe nicht darum, private Gläubiger wie Banken an der Hilfsaktion zu beteiligen: "Eine Restrukturierung der Schulden steht nicht zur Debatte." Zentralbank-Chef Jean-Claude Trichet hatte einen Schuldenverzicht privater Gläubiger bereits am Dienstagabend ausgeschlossen.

Euro und Finanz-Aktien purzeln

Trotz der Beteuerungen geraten an den Börsen Aktien von Finanzkonzernen europaweit unter Druck. In Deutschland fordert vor allem die Opposition, die Banken müssten sich an der Rettung beteiligen, weil sie bisher an ihrem Griechenland-Engagement gut verdient hätten.

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands und auch Portugals hat die Börsen in Fernost am Mittwoch ins Minus gedrückt. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Der Markt sei besorgt, dass sich die griechische Finanzkrise auf weitere Euro-Staaten ausweite, sagten Händler. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Gemeinschaftswährung noch weiter an Wert verliert.

In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 2,6 Prozent auf 10.924 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index schloss zwei Prozent im Minus bei 977 Zählern. Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong, Taiwan, Singapur und der chinesische Leitindex gaben nach.

Berlin ist Zentrum der politischen Abstimmungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel bespricht in einem kleinen Kreis von Ministern über das weitere Vorgehen. An dem Gespräch nehmen Vizekanzler Guido Westerwelle, Finanzminister Wolfgang Schäuble Kanzleramtschef Ronald Pofalla sowie Vertreter des Justiz-, Wirtschafts- und Innenministeriums teil. In den vergangenen Tagen hatte es vor allem aus der FDP Kritik an Finanzminister Schäuble gegeben.

Das Treffen ist nur eine von zahlreichen Beratungen, die Berlin heute zum Zentrum der politischen Abstimmungen über die Griechenlandkrise in der EU machen. So führen die Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF), Jean-Claude Trichet und Dominique Strauss-Kahn, Gespräche sowohl mit Schäuble als auch Vertretern aller Bundestagsfraktionen. Später trifft Merkel die Chefs der großen multinationalen Organisationen IWF, OECD, ILO und WTO.

Kann Griechenland das Geld zurückzahlen?

Zunehmend diskutieren Finanzfachleute über die Frage, in welchem Umfang Griechenland die Hilfen zurückzahlen kann. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, rät den Euro-Staaten, sich auf einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands 2011 vorzubereiten. Im Notfall könne ein Europäischer Währungsfonds (EWF) eine geordnete Insolvenz einleiten, sagte Mayer nach Angaben der der Financial Times Deutschland.

Mayer schlägt folgende Lastenaufteilung vor: Die Gesamtschulden Griechenlands sollen auf 150 Milliarden Euro halbiert werden, sie würden dann gut 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Bereits aus den aktuellen Anleihekursen würde sich ein Abschlag für Banken und andere Anleger aus dem Privatsektor in Höhe von 50 Milliarden Euro ergeben. "100 Milliarden Euro würden auf den europäischen Steuerzahler entfallen", sagte Mayer. Davon müsste Deutschland dann 30 Milliarden Euro übernehmen.

Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, glaubt nicht, dass Griechenland Hilfen aus Deutschland je zurückzahlen wird. Die Regierung in Athen werde letztlich nicht in der Lage sein, den harten Sparkurs zu fahren, sagte Sinn dem Sender MDR Info in Halle. Nach einigen Jahren werde sich herausstellen, "dass sie es nicht stemmen können". Auf politischem Wege werde mit den Stimmengewichten der Griechen und der anderen problematischen Länder schließlich ein Schuldenerlass von Deutschland verlangt.

Sinn äußerte Verständnis für das Zögern der Bundesregierung bei der Hilfszusage. Wenn das Geld erst einmal bereitgestellt sei, "dann hat man kein Druckmittel mehr gegenüber Griechenland. Das macht die Bundesregierung absolut richtig." (bay/ddp/afp/rtr)

Datum:  28 | 4 | 2010
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