Aktuell: Polizeigewalt in Ferguson | Burger King | Eintracht Frankfurt | Fußball-News | Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main

Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

11. Dezember 2012

Griechenland: Schuldenrückkauf Athens wohl erfolgreich

Das Parlament in Athen. Foto: REUTERS

Der griechische Rückkauf von Staatsanleihen ist im zweiten Anlauf offenbar geglückt Zumindest hieß es aus Kreisen der Eurogruppe: „Es sieht nicht schlecht aus“. An der nächsten Tranche an Notkrediten wollen die Minister festhalten.

Drucken per Mail

Die Verlängerung war dann doch noch von Erfolg gekrönt: Im zweiten Anlauf hat Griechenland seinen Schuldenrückkauf über die Runden gebracht. Auch wenn unterm Strich nicht ganz das erhoffte Ergebnis steht. Zwar habe das Land nach Angaben aus EU-Kreisen sogar eigene Anleihen im Nennwert von 31,8 Milliarden Euro angedient bekommen. Damit wäre die angepeilte Marke von 30 Milliarden sogar noch übertroffen worden. Der Haken aber ist: Bei dem Geschäft musste Athen wohl tiefer in die Tasche greifen als vorgesehen.
Der zu zahlende Durchschnittspreis von 33,5 Cent pro Euro Nennwert habe nämlich etwas höher gelegen als erhofft, hieß es. Und das hat eben Folgen. Wie aus den EU-Kreisen verlautete, musste Griechenland in dem Geschäft rund 450 Millionen Euro mehr auf den Tisch legen. Damit könne das Land seinen Schuldenberg aber nur um 9,5 Prozentpunkte statt um elf Prozentpunkte verringern. Hochgerechnet belaufe sich die griechische Schuldenquote im Jahr 2020 unter diesen Umständen auf 126,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) waren zuletzt 124 Prozent des BIP vereinbart worden.

Die Anleihenbesitzer hatten bis Dienstag, Punkt 13 Uhr, Zeit, um das Rücknahmeangebot zu akzeptieren. Die Frist war verlängert worden, um das angestrebte Volumen doch noch zu erreichen. Mit dem Rückkauf will Athen seinen Schuldenberg um 20 Milliarden Euro reduzieren. Eine erfolgreiche Aktion ist Voraussetzung für die Auszahlung von fast 44 Milliarden Euro Notkrediten an Athen durch die Euroländer und den Internationalen Währungsfonds.
Die Euro-Finanzminister hatten am Dienstag in einer Telefonkonferenz über den Ausgang des Rückkaufs alter Staatsanleihen beraten. Dabei sei es um eine Bestandsaufnahme gegangen, hieß es. Die Minister gaben entgegen erster Ankündigungen aber keine Erklärung ab.

Sondersitzung am Donnerstag

Aus Diplomatenkreisen sickerte jedoch durch, dass der Schuldenrückkauf in Brüssel letztlich als Erfolg gewertet werde. „Es sieht nicht schlecht aus“, verlautete aus Kreisen der Eurogruppe.
Am Donnerstag wollen die Finanzminister wie geplant auf einer Sondersitzung unmittelbar vor dem EU-Gipfel in Brüssel die nächste Tranche an Notkrediten an Athen freigeben. Daran halte man fest, sagten die Diplomaten.
Auch wenn der Schuldenrückkauf im Ergebnis etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, fehlt nicht viel, um die Lücke zu schließen. Es dürfte nicht schwer sein, weitere Eigner zu finden, die ihre Anteile anbieten könnten, sagte ein Banker. „Die Summe könnte aus deutschen Bad Banks kommen – sie haben nicht ihre gesamten Anteile angedient.“
Damit liegt es jetzt am IWF zu beurteilen, ob das Ergebnis des Schuldenrückkaufs reicht, oder ob die Latte gerissen wurde. Denn der IWF hatte deutlich gemacht, dass er weiteren Finanzspritzen an Athen nur zustimmen werde, wenn die Rückkauf der Staatsanleihen ein voller Erfolg wird.
Um weiter über die Runden zu kommen, besorgte sich Griechenland am Dienstag 4,38 Milliarden Euro am Geldmarkt. Athen muss sich so vorerst immer wieder teures Geld besorgen, bis die Tranche aus Brüssel und vom IWF fließt. Dies wird nicht vor Ende Dezember geschehen. (pk.,dpa,Reuters)

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Videonachrichten Wirtschaft

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien |
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.