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Griechische Influenza: Ansteckungsgefahr

Der griechische Patient ist noch nicht geheilt, da steht schon ein neuer im Wartezimmer. Portugal ist schwer angeschlagen. Das ärmste Land Westeuropas hat eine schwere Woche hinter sich. Der Euro ist auf Talfahrt. Von Bernd Salzmann

Der griechische Patient ist noch nicht geheilt, da steht schon ein neuer im Wartezimmer. Portugal ist schwer angeschlagen. Das ärmste Land Westeuropas hat eine schwere Woche hinter sich: Das portugiesische Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Vitor Constancio, gestand am Dienstag öffentlich ein, er sei "relativ pessimistisch", was die kurzfristigen Perspektiven seines Heimatlandes angehe.

Am Tag danach waren die Gebote von Investoren für Zwölfmonatspapiere der Iberer derart mäßig, dass die Portugiesische Finanzagentur kurzerhand die Notbremse zog und lediglich Titel für 300 Millionen Euro am Markt verkaufte. Eigentlich wollte sie 500 Millionen Euro für die leere Staatskasse des Landes einnehmen, doch eben nicht um jeden Preis.

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Unter anderen Umständen wäre das womöglich eine Episode gewesen, die am nächsten Tag vergessen ist. Doch im Sog der Griechenland-Krise ticken die Uhren anders. "Auch bei Griechenland hat es mit den kurzen Laufzeiten angefangen", sagt David Schnautz, Bondexperte der Commerzbank. Und dann folgt die Diagnose: "Die griechische Krankheit greift um sich."

Im Fall von Portugal heißt das: Für eine neunjährige Staatsanleihe muss das Armenhaus am Atlantik seit Freitag eine Risikoprämie zahlen, die um 1,63 Prozent über der einer vergleichbaren Bundesanleihe im hochglanzpolierten Deutschland liegt. Zum Jahreswechsel waren es lediglich gut 0,7 Prozentpunkte. Die Kosten für Kreditversicherungen von Portugal-Anleihen, sogenannte Credit Default Swaps, kletterten gestern mit 195 Basispunkten für 5-Jährige auf ein neues Allzeithoch - von 92 Basispunkten zum Jahresbeginn. Zu dieser misslichen Lage trug bei, dass am Tejo womöglich die Pläne der Regierung für ein Sparpaket scheitern.

Börsenkurse auf Talfahrt

Alarmstufe "Rot" herrscht deshalb nicht nur in Lissabon, wo der Börsenindex PSI-20 im Freitagshandel gleich zu Beginn drei Prozent einbüßte, nachdem er bereits am Vortag um fast fünf Prozent eingebrochen war. Auch in Fernost fragen sich Börsianer inzwischen, was zum Teufel denn in Europa los sei. Der Hang Seng schloss in Hongkong 3,3 Prozent im Minus. Der Nikkei notierte in Tokio 2,9 Prozent schwächer.

Und der Dax? Er fiel gestern bis zum Nachmittag um bis zu 1,8 Prozent auf ein Dreimonatstief von 5433 Punkten. Die seit Tagen mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten konnten da keine Trendwende einleiten, weil widersprüchliche Signale aus Übersee gesendet wurden. "Positiv wird gesehen, dass die Arbeitslosenquote in den USA im Januar wieder unter zehn Prozent gefallen ist", sagte ein Händler in Frankfurt. Skeptisch werteten Analysten jedoch, dass außerhalb der Landwirtschaft im Vormonat entgegen den Erwartungen des Marktes insgesamt 20000 Stellen verloren gegangen sind. Daher lagen gestern auch die US-Börsen im frühen Geschäft leicht im Minus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte war bereits am Donnerstag um 2,6 Prozent gefallen - und zeitweise sogar erstmals wieder seit November unter die 10000-Punkte-Marke geglitten.

Genau beobachtet wird der neue Patient Portugal vom Leidensgenossen Griechenland. "Ich fühle mich bestätigt. Griechenland ist kein Einzelfall. Spekulanten suchen nach unserem Land andere Schwachstellen, um dem Euro zu schaden", zitiert dpa Regierungschef Giorgos Papandreou. Und er fügt hinzu: "Es ist ein europäisches Problem und wir müssen koordiniert und mit Solidarität dagegen vorgehen."

Doch von Solidarität ist in Europa derzeit wenig zu spüren. Brüssel hat Athen Hausaufgaben aufgegeben, und die sollen mit der Disziplin und Ausdauer eines Marathonläufers selbstständig erledigt werden.

Der Schwebezustand in Europa schwächt unterdessen die Gemeinschaftswährung. Der Euro verlor drei Cent in nur drei Tagen und fiel unter 1,37 Dollar. Ein Ende ist nicht abzusehen, zumal Griechenland und Portugal nicht die einzigen Sorgenkinder sind.

Europa geht ein hohes Risiko. Der Offenbarungseid eines Mitgliedes hätte kaum zu überschätzende Folgen, auch für die vermeintlichen Musterschüler. Commerzbank-Volkswirte haben ausgerechnet, dass Griechenland Wertpapiere für 290 Milliarden Euro ausstehen hat, die seit 2005 überwiegend im EU-Ausland abgesetzt wurden. Da waren die Verbindlichkeiten von Lehman Brothers nichts dagegen.

Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  6 | 2 | 2010
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