kalaydo.de Anzeigen

Große Lösung bei Finanzaufsicht: Politik häkelt Netz für Banken

Bundesfinanzminister Schäuble kündigt einen Gesetzentwurf zur Rettung gefährdeter Großbanken an und pocht erneut in der Koalition auf eine große Lösung bei der nationalen Finanzaufsicht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Aktion während einer Haushaltsdebatte im Bundestag.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Aktion während einer Haushaltsdebatte im Bundestag.
Foto: dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat neue Instrumente zur Rettung gefährdeter Großbanken angekündigt. "Die Bundesregierung wird einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen", sagte Schäuble im Bundestag.

Es gebe Bedarf, für systemrelevante Banken Instrumente vorzuhalten, die bei der Gefahr einer Pleite eine "geordnete Reorganisation ermöglichen und Anteilseigner und Gläubiger angemessen an der Rettung beteiligen". Darüber hinaus arbeite die EU-Kommission an einem Rahmenwerk zur Bewältigung grenzüberschreitender Krisenfälle im Bankensektor, betonte der Minister.

Auch der Bankenverband, in dem die privaten Geldhäuser in Deutschland organisiert sind, sucht Branchenkreisen zufolge ein Modell, wie vom Verband aufgefangene Institute saniert werden können. Die Überlegungen dazu seien allerdings noch in einem sehr frühen Stadium. Die Lobby lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

An diesem Freitag läuft das Angebot des staatlichen Banken-Rettungsfonds Soffin an die Privatbanken zur Nutzung einer Bad Bank aus, in die toxische Papiere ausgelagert werden können. Kein Institut hatte dies in Anspruch genommen. Bei der für Landesbanken gedachten zweiten Option, "Abwicklungseinheiten" wie im Fall der WestLB zu bilden, gibt es keine solche Frist.

Plaßmann karikiert die Banker und Manager

Bildergalerie ( 33 Bilder )

Konzerne - die größten Geldvernichter weltweit

Bildergalerie ( 34 Bilder )

Bundesfinanzminister Schäuble versprach erneut, die Regierung werde "zügig, aber nicht übereilt", die in der Koalition vereinbarte Reform der nationalen Finanzaufsicht angehen. Diese Überlegungen würden sich nicht nur auf die Bankenaufsicht beschränken, "sondern die gesamte Finanzaufsicht einbeziehen". In der Koalition gibt es Vorschläge, nicht nur die Kontrolle der Banken, sondern auch von Versicherungen und Wertpapierhandel unter dem Dach der Bundesbank zu bündeln.

Die geplante europäische Wertpapieraufsicht European Security and Markets Agency (Esma) wird laut einem Konzept der EU-Kommission das letzte Wort darüber haben, welche Derivate künftig über eine zentrale Plattform abgewickelt werden. Dies geht aus einem Diskussionspapier hervor, das die Derivate-Arbeitsgruppe der EU-Mitgliedstaaten im Auftrag der Europäischen Kommission erarbeitet hat.

Die Clearinghäuser müssten demnach bei der Esma beantragen, welche Gattungen an Derivaten sie verrechnen wollen. Die Aufsicht würde nach objektiven und öffentlich bekannten Kriterien über den Antrag entscheiden, wie es in dem Konzept heißt. Die Aufsicht könne solche Anträge auch ablehnen, wenn es den Clearinghäusern beispielsweise an notwendigen finanziellen Rücklagen oder angemessenem Risikomanagement fehle. Um Finanzmarktteilnehmer darüber zu informieren, wo sie welche Derivate abwickeln können, soll die Esma regelmäßig aktuelle Verzeichnisse darüber veröffentlichen.

Die Kommission will den Entwurf für das Gesetz, mit dem die Risiken am Derivatemarkt begrenzt werden sollen, Mitte 2010 vorlegen. (rtr)

Datum:  20 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 1 Kommentar
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Video

Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.