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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

19. Dezember 2012

Hedgefonds : Millionengewinn mit der Euro-Krise

 Von Markus Sievers
Jede Krise hat auch Gewinner: Im Falle Griechenlands ist es der Hedgefond von Daniel S. Loeb. In Griechenland müssen Bürger dagegen sehen, woher sie Geld für Essen bekommen.Foto: imago

Ein Hedgefonds verdient mit Griechenland-Wette 500 Millionen - und kann sich bei Angela Merkel bedanken. Erst eines ihrer seltenen Machworte sicherte für "Third Point" diesen unglaublichen Gewinn.

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„Schon an Weihnachten 2013 das eigene Haus in Griechenland?“ So umwirbt Christian Seyrer vom Augsburger Immobilienspezialisten G.I.S. deutsche Anleger. Wer je vom Häuschen auf einer Sonneninsel träumte - jetzt sollte er zuschlagen. Billiger werde es nicht mehr, verspricht Seyrer.

Verdienen an der Euro-Krise - das geht im Kleinen, aber auch in ganz anderen Dimensionen.

Der Hedgefonds Third Point des US-Investoren Dan Loeb zockte im großen Stil mit Griechenland-Anleihen und strich dafür nach Informationen der Financial Times rund eine halbe Milliarde Dollar ein. Hedgefonds sind seit Franz Münteferings Wutausbruch als Heuschrecken berüchtigt. Was sie treiben, erscheint den meisten Menschen undurchsichtig. Das Geschäft mit der Griechenland-Krise war allerdings denkbar einfach.

Drachme oder Euro?

Die Spekulanten kauften die Kreditpapiere, als kaum jemand an Griechenland glaubte. 17 Cent kostete das Stück noch, das einst ein Euro wert gewesen war. Dann aber drehte sich das Blatt. Bedanken sollte sich Loeb bei Angela Merkel. Drachme oder Euro? Dieses Rätselraten beendete die Kanzlerin, als sie sich im Sommer festlegte: Kein Land muss die Währungsunion verlassen.

In der Folge kletterten die Griechenland-Notierungen wieder. Anfang Dezember kaufte die Athener Regierung, mit frischem Hilfsgeld ausgestattet, ihre eigenen Schuldscheine zurück - für 34 Cent. So verdoppelte Third Point seinen Einsatz.

In der Logik der Finanzmärkte ist der fette Profit der Lohn für das Risiko. Andere, die durch die Krise reich werden wollten, zahlten drauf. Im März mussten private Gläubiger auf Druck der Politik auf einen Großteil ihrer Ansprüche verzichten. Ärgern dürften sich auch die Privatanleger, die anders als Hedgefonds vom Anleihenrückkauf nicht profitierten. Nur wer ein Papier mit einem Nominalwert von mindestens 1000 Euro besaß, durfte mitspielen.

Die allermeisten deutschen Anleger waren nach Auskunft der Banken mit deutlich kleineren Stückelungen dabei. Ein Trost bleibt ihnen: Sie müssen sich Weihnachten nicht mit der Frage beschäftigten, ob exorbitante Spekulationsgewinne gerechtfertigt sind in einem Land, in dem Kranke sich keine Medikamente leisten können und Drogenabhängige sich für ein paar Euro aus Sozialprogrammen absichtlich mit HIV infizieren.

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