Berlin. Nein, es wird kein Steuergeld von Berlin nach Athen fließen. Nein, die Deutschen müssen nicht für die Sünden der Griechen bezahlen. Deutlicher als die Bundesregierung kann man nicht dementieren.
Dennoch halten sich in der Öffentlichkeit und vor allem an den Finanzmärkten die Gerüchte über eine Hilfsaktion mit starker deutscher Beteiligung - und diese Spekulationen weisen in die richtige Richtung. An den Börsen ist die Milliardenspritze vor allem aus Deutschland und Frankreich schon "eingepreist" - sonst wären Aktien und besonders der Euro noch stärker in Turbulenzen geraten als ohnehin.
Der US-Investmentbanker George Soros soll eine Millarde Dollar verdient haben, als er 1992 massiv gegen das britische Pfund Sterling spekulierte. Der in Ungarn geborene Soros tauschte damals das Pfund gegen andere Währungen - vor allem Deutsche Mark und französische Franc. Mit den Transaktionen gelang es ihm, die britische Währung in die Knie zu zwingen.
Ein ähnliches Vorgehen wird immer dann vermutet, wenn der Wert einer Währung zu stark schwankt.
Derzeit könnte es den Euro treffen, der seit dem Dezember verglichen mit dem Dollar an Wert verlor.
Spekulanten müssen aber nicht immer ihre Finger im Spiel haben. Ursache für den Kursverlust des britischen Pfund am Montag war nach Ansicht von Börsianern die politische Unsicherheit in Großbritannien, wo ein politisches Patt bei den anstehenden Parlamentswahlen droht. Zusätzlich gab es schwache Konjunkturdaten. (FR )
Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise
Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) stecken in einem Dilemma. Sie können sich nicht zu einer Hilfsaktion für Griechenland bekennen. Denn eine solche öffentliche Zusage würde nicht nur in der eigenen Partei für einen Aufruhr sorgen. Sie nähme auch den Griechen den Druck, die eigenen Sparanstrengungen zu verstärken. Und drittens wäre sie die Gelegenheit für die hiesigen Banken, sich aus der Verantwortung zu stehlen.
Die deutschen Institute sind laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit einem Kreditvolumen von 32 Milliarden Euro drittgrößter Gläubiger des hoch verschuldeten Staates. Sie würden sich mindestens so wie die Griechen freuen, wenn der Bund ihnen erneut wie bei der eigentlichen Finanzkrise die Risiken abnähme. Also liegt das Schweigen im deutschen Staatsinteresse. Hinter den Kulissen aber wird sehr wohl an einer Rettungsoperation für das kränkelnde Euro-Mitglied gearbeitet.
Mehrere Alternativen prüft das Finanzministerium nach Angaben aus Regierungskreisen. Beispielsweise könnte die Staatsbank KfW einspringen, etwa durch Garantien an Käufer griechischer Staatsanleihen oder durch den direkten Kauf dieser Wackelpapiere.
Eine Möglichkeit, billiger davonzukommen, hat Schäuble im FR-Interview kategorisch ausgeschlossen. Der Internationale Währungsfonds (IWF), spezialisiert auf staatliche Schuldenkrisen, soll außen vor bleiben. betonte er. "Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien bittet auch nicht den IWF um Beistand. Das Schuldenproblem lösen die USA. Genauso wird der Fall Griechenland innerhalb des Euroraums gelöst", so Schäuble vor zwei Wochen.
Diese Position stößt zunehmend auf Kritik. Denn der IWF kann nicht nur helfen. Er darf es auch. Sein Eingreifen wäre rechtlich einwandfrei. Eine Stützung durch andere EU-Länder verstieße dagegen gegen die Regeln der Währungsunion. Keiner darf auf die anderen Euro-Länder vertrauen, wenn er sündigt - diese Vereinbarung liegt der Gemeinschaftswährung zugrunde.
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