kalaydo.de Anzeigen

Hilfen für Athen: Jein

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble stecken in einem Dilemma. Sie können sich nicht zu einer Hilfsaktion für Griechenland bekennen. Dennoch arbeitet Berlin offenbar an finanziellen Hilfen für Athen. Von Markus Sievers


Foto: ddp

Berlin. Nein, es wird kein Steuergeld von Berlin nach Athen fließen. Nein, die Deutschen müssen nicht für die Sünden der Griechen bezahlen. Deutlicher als die Bundesregierung kann man nicht dementieren.

Dennoch halten sich in der Öffentlichkeit und vor allem an den Finanzmärkten die Gerüchte über eine Hilfsaktion mit starker deutscher Beteiligung - und diese Spekulationen weisen in die richtige Richtung. An den Börsen ist die Milliardenspritze vor allem aus Deutschland und Frankreich schon "eingepreist" - sonst wären Aktien und besonders der Euro noch stärker in Turbulenzen geraten als ohnehin.

Kursverluste
Debatte

Der US-Investmentbanker George Soros soll eine Millarde Dollar verdient haben, als er 1992 massiv gegen das britische Pfund Sterling spekulierte. Der in Ungarn geborene Soros tauschte damals das Pfund gegen andere Währungen - vor allem Deutsche Mark und französische Franc. Mit den Transaktionen gelang es ihm, die britische Währung in die Knie zu zwingen.

Ein ähnliches Vorgehen wird immer dann vermutet, wenn der Wert einer Währung zu stark schwankt.

Derzeit könnte es den Euro treffen, der seit dem Dezember verglichen mit dem Dollar an Wert verlor.

Spekulanten müssen aber nicht immer ihre Finger im Spiel haben. Ursache für den Kursverlust des britischen Pfund am Montag war nach Ansicht von Börsianern die politische Unsicherheit in Großbritannien, wo ein politisches Patt bei den anstehenden Parlamentswahlen droht. Zusätzlich gab es schwache Konjunkturdaten. (FR )

Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise

Griechenland aus der Schuldenkrise helfen oder nicht - das ist hier die Frage.
Griechenland aus der Schuldenkrise helfen oder nicht - das ist hier die Frage.
Foto: ddp

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) stecken in einem Dilemma. Sie können sich nicht zu einer Hilfsaktion für Griechenland bekennen. Denn eine solche öffentliche Zusage würde nicht nur in der eigenen Partei für einen Aufruhr sorgen. Sie nähme auch den Griechen den Druck, die eigenen Sparanstrengungen zu verstärken. Und drittens wäre sie die Gelegenheit für die hiesigen Banken, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Die deutschen Institute sind laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit einem Kreditvolumen von 32 Milliarden Euro drittgrößter Gläubiger des hoch verschuldeten Staates. Sie würden sich mindestens so wie die Griechen freuen, wenn der Bund ihnen erneut wie bei der eigentlichen Finanzkrise die Risiken abnähme. Also liegt das Schweigen im deutschen Staatsinteresse. Hinter den Kulissen aber wird sehr wohl an einer Rettungsoperation für das kränkelnde Euro-Mitglied gearbeitet.

Das griechische Debakel mit dem Euro

Bildergalerie ( 10 Bilder )

Massenstreik in Griechenland (2010)

Bildergalerie ( 13 Bilder )

Mehrere Alternativen prüft das Finanzministerium nach Angaben aus Regierungskreisen. Beispielsweise könnte die Staatsbank KfW einspringen, etwa durch Garantien an Käufer griechischer Staatsanleihen oder durch den direkten Kauf dieser Wackelpapiere.

Eine Möglichkeit, billiger davonzukommen, hat Schäuble im FR-Interview kategorisch ausgeschlossen. Der Internationale Währungsfonds (IWF), spezialisiert auf staatliche Schuldenkrisen, soll außen vor bleiben. betonte er. "Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien bittet auch nicht den IWF um Beistand. Das Schuldenproblem lösen die USA. Genauso wird der Fall Griechenland innerhalb des Euroraums gelöst", so Schäuble vor zwei Wochen.

Diese Position stößt zunehmend auf Kritik. Denn der IWF kann nicht nur helfen. Er darf es auch. Sein Eingreifen wäre rechtlich einwandfrei. Eine Stützung durch andere EU-Länder verstieße dagegen gegen die Regeln der Währungsunion. Keiner darf auf die anderen Euro-Länder vertrauen, wenn er sündigt - diese Vereinbarung liegt der Gemeinschaftswährung zugrunde.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  1 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 1 Kommentar
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Video

Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.