Herr Rajan, was halten Sie von der Forderung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, die Währungspolitik der wichtigsten Wirtschaftsnationen zu koordinieren?
Was die Kurse des Dollars oder auch der chinesischen Währung Renmimbi betrifft, ist es sehr schwer, international zu einer koordinierten Politik zu kommen. Bindende Abmachungen würden ja den Handlungsspielraum der Regierungen einschränken. Das nationale Eigeninteresse in den USA und China ist zu stark, als dass man sich gemeinsamen Entscheidungen unterordnen wollte. Deshalb bin ich ziemlich skeptisch.
Raghuram G. Rajan lehrt als Professor für Finanzen an der Universität von Chicago. Früher arbeitete Rajan als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Der 46-Jährige ist zudem Wirtschaftsberater des indischen Premierministers Manmohan Singh.
Der Ökonom warnte schon vor vier Jahren vor einem drohenden Kollaps der Finanzmärkte. Die Bilanzen der Banken seien voll trügerischer Sicherheiten.
Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über
Auf jeden Fall aber müsste die US-Nationalbank bald die Zinsen in Richtung zwei Prozent erhöhen, um das Gefälle im Vergleich zu China, Brasilien und anderen Schwellenländern zu verringern. Ich halte es für unklug, das Null-Prozent-Niveau in den USA noch lange aufrechtzuerhalten.
Ihr Kollege Nouriel Roubini hält den Carry Trade, die Kapitalwanderung vom Niedrigzinsland USA in Hochzinsregionen wie China, für eine große Gefahr. Kommt es zu einer neuen spekulativen Blase?
So etwas kann eine Krise auslösen. Es führt zu Inflation von Aktienpreisen und Immobilienblasen. Besonders in den Schwellenländern. Die haben es nicht leicht, die gigantischen Ströme heißen Geldes zu kontrollieren.
Sind wir also auf dem besten Weg in die nächste Krise?
In mancher Hinsicht ist die Lage nicht unbedingt vertrauenerweckend. Vor allem die hohen Schulden mancher Staaten machen mir Sorgen. Griechenlands Zukunft beispielsweise sieht nicht rosig aus. Selbst ein Staatsbankrott liegt dort im Bereich des Möglichen.
US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, den Banken bestimmte Geschäfte zu verbieten und große Institute in kleinere zu zerlegen. Was halten Sie von diesem Plan?
Das hängt stark davon ab, wie er am Ende aussieht. Noch gibt es keine konkreten Vorstellungen, sondern nur vage Ankündigungen. Was die Größe der Banken angeht, bin ich nicht sicher. Wenn man eine sehr große Bank in mehrere kleine aufspaltet, muss das nicht bedeuten, dass das Risiko für den gesamten Finanzsektor sinkt.
Denn eine Anzahl kleiner Banken kann ebenfalls ein beträchtliches systemisches Risiko darstellen, wenn sie stark vernetzt sind und alle die gleiche Geschäftspolitik betreiben. Das eigentliche Problem besteht nicht in der Größe, sondern im systemischen Risiko.
Welche Art von Regulierung würden Sie denn vorschlagen, um die Gefahr einer nächsten Krise zu verringern?
Wir sollten die Übertreibungen bei der Bezahlung von Spitzenmanagern erschweren. Die Vergütung darf nicht animieren, zu große Risiken einzugehen. Zudem muss man das Niveau des notwendigen Eigenkapital erhöhen, das die Banken in Reserve halten. Und es erscheint sinnvoll, Modelle für die Abwicklung von Banken im Krisenfalle zu entwickeln.
Interview: Hannes Koch
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.
Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index. Mehr...