Die Regierung in Athen hat eine "Liste der Schande" im Internet publiziert. Auf 170 Seiten werden Steuersünder geoutet, die dem griechischen Staat insgesamt knapp 15 Milliarden Euro schulden.
Griechenlands Steuersünder werden geoutet. Foto: dapd
Griechenlands Steuersünder werden geoutet. Foto: dapd
Athen –
Die Griechen können seit Sonntagabend im Internet nachlesen, wer dem griechischen Staat große Summen schuldet und damit zum Teil für die Wirtschaftsmisere im Lande mit verantwortlich ist. Die Regierung veröffentlichte eine 170 Seiten lange Liste mit den Steuersündern. Sie schulden dem griechischen Staat insgesamt knapp 15 Milliarden Euro.
Auf der Liste, die der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos als „Liste der Schande“ (Maschinenübersetzung in deutsch der Originalseite in griechisch) bezeichnet hatte, stehen 4152 Namen. Darunter seien auch Sänger, Unternehmer und Händler, berichtete das Staatsfernsehen. Viele der Schuldner seien aber bereits im Gefängnis oder ihre Betriebe seien pleitegegangen.
Die 170 Seiten lange Liste mit griechischen Schuldensündern umfasst einige der bekanntesten Namen des Jetsets, viele bekannte Unternehmer - und sogar Sportler.
Nikolaos Kasimatis
An erster Stelle der Liste steht mit Nikolaos Kasimatis ausgerechnet ein Steuerberater. Fast eine Milliarde Euro (952 087 781,55) schuldet er griechischen Steuerbehörden. Die Presse nennt ihn den „Schuldenschreck“. Er sitzt im Gefängnis - bezahlt hat er noch nicht.
Giannis Paftopoulos
Der Besitzer der größten griechischen Auto-Pannenhilfe (Express Service), Giannis Paftopoulos steht mit 14,29 Millionen Euro in der Kreide.
Foto: dpa/dpaweb
Giorgos Batatoudis
Der frühere Besitzer der Fußballmannschaft von Paok Saloniki, Giorgos Batatoudis schuldet dem Staat 2,5 Millionen Euro.
Sami Fais
Der Besitzer eines der größten griechischen Textilunternehmen (Makedonika Klostiria), Sami Fais muss noch 1,82 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen.
Pavlos Psomiadis
Einer der bekanntesten griechischen Versicherungsbesitzer (Aspis), Pavlos Psomiadis, hat Steuerschulden über 1,15 Millonen Euro.
Michalis Misunow
Der in Griechenland sehr bekannte ehemalige Basketballspieler Michalis Misunow (früher bei Aris Saloniki aktiv) schuldet dem griechischen Staat 614.000 Euro.
Tolis Voskopoulos
Der griechische Volksmusiksänger Tolis Voskopoulos ist noch 515.092 Euro schuldig.
Die Top-Ten
Kasimatis Nikolaos 952.087.781,55 Euro
Siembos Evangelos 320.699.493,83 Euro
Karydopoulou Eleni 239.912.655,34 Euro
Oikonomou Eleni 216.725.814,75 Euro
Georgitsogiannakos Stavros 166.657.462,18 Euro
Mesologgitis Dionysios 160.135.043,67 Euro
Liaskas Mathheos 153.203.315,24 Euro
Kourbetsou Anstasia 142.962.546,14 Euro
Katevas Stavros 142.778.091,84 Euro
Antoniadis Theodoros 136.100.329,77 Euro
Finanzminister Evangelos Venizelos: «Liste der Schande» . Foto: dpa
Finanzminister Evangelos Venizelos: «Liste der Schande» . Foto: dpa
Experten, die die Nachrichtenagentur dpa befragte, gingen davon aus, dass dar Staat „im besten Fall ein Fünftel dieser Schulden kassieren könnte“. Die Regierung hatte den Schuldnern am 14. November 2011 eine zehntägige Frist gesetzt, ihre Steuerschulden zu begleichen. Die Veröffentlichung der Namen zog sich dann aber hin, weil die Datenschutzbehörde nicht sofort grünes Licht gegeben hatte, hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums.
Die Regierung unter Ministerpräsident Lucas Papademos zeigt sich entschlossen, hart gegen Steuersünder vorzugehen. In den vergangenen zwei Monaten nahmen Steuerfahnder und die Polizei rund 90 Unternehmer fest, die dem Staat große Summen schulden. Darunter sind einer der bekanntesten griechischen Industriellen und der Besitzer einer Fitnessstudio-Kette.
Schon auf dem zweiten Platz findet sich der erste Europäer: Italien hat laut Deutscher Bank 127 Prozent Schulden gemessen am BIP für 2010 (laut Eurostat: 119 % / IWF 2011: 120,3 %) . An die Sparbemühungen glauben die Banker offenbar auch nicht, denn für 2020 gehen sie von 131 Prozent aus.
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Griechenland kommt gleich dahinter mit 123 Prozent des BIP (Eurostat 2010: 142,8% / IWF 2011: 152,3%) - doch hier sieht die Prognose bis 2020 noch düsterer aus: 171 Prozent.
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Frankreich steht derzeit bei 92 Prozent des BIP (2020: 114%)
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Gleichauf liegen die USA mit ebenfalls 92 Prozent Staatsverschuldung gemessen am BIP - allerdings sieht die Prognose mit 133 Prozent für 2020 deutlich schlechter aus.
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Schon früh zählte Portugal zu den Krisenstaaten - doch mit 91 Prozent Staatsverschuldung (Eurostat: 93 Prozent / IWF 2011: 90,6%) liegt es unter den USA. (2020: 132) Dagegen liegt die Prognose für Ungarn bei 97 Prozent für 2020 (2010: 90%)
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Mit derzeit 83 Prozent liegt Großbritannien eigentlich im Mittelfeld - doch die Prognose für 2020 geht deutlich hoch auf 124.
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Deutschland folgt umgehen mit 82 Prozent Staatsverschuldung (Eurostat: 83,2 / IWF 2011: 80,1) auf. Für 2020 werden immerhin 97 Prozent vorhergesagt.
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Irland wird laut Prognose seine Staatsverschuldung auch nicht in den Griff bekommen, sondern von 81 (Eurostat 96,2% / IWF 2011: 114,1%) auf 118 Prozent steigern.
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Indien verzeichnet 2010 eine Staatsverschuldung von 89 Prozent des BIP - bis 2020 soll sie sogar auf 52 Prozent zurückgehen.
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Ungarn hat laut EU und OECD 2011 eine Schuldenquote von 75,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
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Spanien hat 68 Prozent Staatsverschuldung (Eurostat: 60,1% / IWF 2011: 63,9%), die sich auf 93 Prozent steigern soll.
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Polen hat eine Staatsverschuldung von 63 Prozent und vorhergesagt werden für 2020 dann 77 Prozent.
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China hat eine Staatsverschuldung von 46 Prozent (2020: 34%) - Südafrika liegt sogar mit 39 Prozent noch etwas darunter.
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Mexiko kann auf eine sehr niedrige Staatsverschuldung von 24 Prozent blicken - die sich bis 2020 sogar fast halbieren soll.
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Gerade einmal zehn Prozent beträgt die Staatsverschuldung in Russland - dem einzigen Land, das bis 2020 sogar auf 0 Prozent kommen soll.
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Für Estland liegt keine Prognose vor - derzeit beträgt die Staatsverschuldung 6,3 Prozent des BIP laut IWF (6,6% laut Eurostat).
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Luxemburg hat laut Eurostat 18,4 Prozent Staatsverschuldung 2010.
Die Staaten der Welt leben auf Pump - teilweise liegt die Staatsverschuldung bei rund 200 Prozent über dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wir zeigen ausgewählte Beispiele und die von der Deutschen Bank in einer Analyse prognostizierten Schulden für 2020. Japan übertrifft dabei alle anderen Länder: Die Staatsverschuldung lag 2010 bei 197 Prozent des BIP - bis 2020 könnte der Schuldenberg 246 Prozent des BIP erreichen.
Die Ära Berlusconi hat Italien einen Schuldenberg von 1843 Milliarden Euro beschert.
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Frankreich hat Schulden von 1591 Milliarden angehäuft - sind zusammen mit Italien 3434 Milliarden Euro.
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Spanien ist mit 639 Milliarden Euro verschuldet - macht zusammen 4073 Milliarden Euro.
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Die viel gescholtenen Griechen haben Schulden von gerade einmal 329 Milliarden Euro - macht 4402 Milliarden Euro.
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Portugal hat Staatsschulden von 160 Milliarden Euro - macht zusammen 4562 Milliarden Euro.
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Mit dem irischen Schuldenhügel von 148 Milliarden Euro stehen dem 1-Billion-Euro-Rettungsschirm zusammen 4710 Milliarden Euro an Staatsschulden gegenüber.
Der Euro-Rettungsschirm soll bis zu 1000 Milliarden Euro (1 Billion) stemmen können, wenn die Krisenländer über ihre Schulden stürzen. Wie hoch sind deren Schulden derzeit?
Die Finanzminister der Euro-Länder kommen heute (Montag/14.30) in Brüssel zusammen, um über neue Entwicklungen in der Schuldenkrise zu beraten. Dabei wird es laut Diplomaten auch um Griechenland gehen. Dort ziehen sich die Verhandlungen um eine Beteiligung von Banken an einem Schuldenschnitt in die Länge.
Am Abend wollen die Euro-Kassenhüter mit Amtskollegen aus weiteren EU-Ländern über den neuen Fiskalpakt verhandeln. Der vor allem von Deutschland gewünschte Vertrag enthält rechtlich verbindliche Regeln zum Defizitabbau und zur Verankerung von nationalen Schuldenbremsen.
In Paris tagt am Montag der deutsch-französische Wirtschafts- und Finanzrat, unter anderem mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinem französischen Kollegen François Baroin. Dabei geht es um Vorschläge zur Unternehmensbesteuerung sowie voraussichtlich um die umstrittene Finanztransaktionssteuer. (dpa)
Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.
Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index. Mehr...